ROUNDUP: Total kürzt Investitionen - Aktie legt zu

PARIS (dpa-AFX) - Der französische Ölkonzern Total <FR0000120271> streicht nach einem herben Gewinneinbruch in der Corona-Krise seine Investitionen zusammen. Während der Konzern weniger Geld in Öl- und Gasprojekte investieren will, setzte sich das Management ehrgeizigere Ziele für den Abbau seiner CO2-Emissionen. So sollen die Investitionen in CO2-arme Stromerzeugung von der Kürzung der Investitionen nicht betroffen sein, wie das Unternehmen am Dienstag in Paris mitteilte. Bis zum Jahr 2050 will Total nahezu CO2-neutral werden.

An der Börse kamen die Nachrichten gut an. Die Total-Aktie lag am Nachmittag in Paris mit 6,84 Prozent im Plus bei 32,575 Euro und war damit Spitzenreiter im französischen Leitindex Cac 40 <FR0003500008>. Auch die Aktien anderer Ölkonzerne legten spürbar zu, ebenso die Ölpreise. Aktienhändler verwiesen auf Berichte, denen zufolge die Rohölschwemme an den Märkten abebben könnte. Offenbar mache sich die verringerte Ölförderung bereits bemerkbar.

Total plant in diesem Jahr nun, die Förderung auf 2,95 bis 3 Millionen Barrel Öläquivalent pro Tag zurückzufahren. Dies sei mindestens fünf Prozent weniger als bisher geplant. In der Prognose sei die freiwillige Förderkürzung in Kanada und die gekürzten Förderpläne der Opec+, eines Verbunds der Opec-Staaten und verbündeter Länder wie Russland, berücksichtigt.

Unterdessen kappt der Konzern seine Investitionen in diesem Jahr um fast ein Viertel auf rund 14 Milliarden US-Dollar (12,8 Mrd Euro). Die Investitionen in eine CO2-arme Stromerzeugung sollen mit 1,5 bis 2 Milliarden Euro hingegen auf dem geplanten Niveau bleiben. Total hat in den vergangenen Jahren Milliardensummen in Windkraft, Solarenergie und Speichertechniken investiert. Bis zum Jahr 2050 will das Unternehmen seinen eigenen Betrieb CO2-neutral machen. In dem Geschäft, das auf seine Kunden in Europa entfällt, soll dies für die gesamte Produktion und alle Energieprodukte des Hauses gelten.

Der Einbruch der Ölnachfrage infolge der Coronavirus-Pandemie zieht auch eine schwache Auslastung der Raffinerien bei Total nach sich. Nachdem die Anlagen 2019 noch zu 84 Prozent ausgelastet waren, rechnet das Management für das laufende Jahr nur mit 70 bis 75 Prozent.

Im ersten Quartal blieb Total wegen der eingebrochenen Nachfrage und des abgesackten Ölpreises nur noch knapp in der Gewinnzone. Der Überschuss sackte im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 99 Prozent auf 34 Millionen Dollar nach unten.

Die Konzernführung verschärft nun den schon eingeleiteten Sparkurs. Die Betriebskosten sollen jetzt mindestens um eine Milliarde Dollar sinken. Hinzukommen sollen Einsparungen in ähnlicher Höhe bei den Energiekosten. Das Unternehmen hat sich angesichts der Krise im April mit der Ausgabe von Anleihen drei Milliarden Dollar verschafft und Kreditlinien im Umfang von sechs Milliarden Dollar in Anspruch genommen.