ROUNDUP: Tausende protestieren vor Weltklimakonferenz gegen Braunkohle

dpa-AFX

KERPEN (dpa-AFX) - Einen Tag vor der Weltklimakonferenz in Bonn haben am Sonntag die Braunkohle-Proteste im rheinischen Tagebaurevier begonnen. In Kerpen-Buir startete nach Angaben der Polizei ein Demonstrationszug mit rund 2000 Teilnehmern in Richtung Tagebau Hambach. Kurz vorher habe die Polizei zwei Teilnehmer in Gewahrsam genommen, die Elektroschocker bei sich gehabt hätten, teilte ein Behördensprecher mit.

Am frühen Morgen hatten extra zur Klimakonferenz angereiste Aktivisten aus dem Süd-Pazifik mit einer traditionellen Zeremonie in einem fast verlassenen nordrhein-westfälischen Tagebaudorf ihre Solidarität mit den Braunkohlegegnern zum Ausdruck gebracht. Bei Kälte und Regen setzte sich die Gruppe der "Pacific Klimate Warriors" dazu in dünnen Trachten auf die Straße. Regen stehe in ihrer Heimat für Leben, sagte einer von ihnen. Aber an diesem Ort seien es die Tränen der geschundenen und missbrauchten Erde. Der Südpazifik gehört zu den Regionen, die vom angesichts des Klimawandels steigenden Meeresspiegel am stärksten betroffen sind.

Die Braunkohlegegner wollen vor der Weltklimakonferenz Druck für einen schnellen deutschen Kohleausstieg machen. Das Aktionsbündnis Ende Gelände hatte Blockade-Aktionen mit mehr als 1000 Aktivisten im Tagebau angekündigt. Tatsächlich spaltete sich am Vormittag eine größere Gruppe von Teilnehmern vom eigentlichen Demonstrationszug ab und machte sich auf den Weg in Richtung Tagebau.

Die Polizei rechnete mit weitgehend friedlichen Protesten, warnte aber eindringlich vor den Gefahren im Tagebau bei unerlaubtem Betreten. Die Verstromung von Braunkohle gilt als mit Abstand klimaschädlichste Form der Stromgewinnung und als wesentlich mitverantwortlich für ein mögliches Verfehlen der deutschen Klimaziele. Andererseits stammt trotz aller Bemühungen um eine Energiewende weiter knapp ein Viertel des deutschen Stroms aus der Braunkohle.