ROUNDUP/Sorge und Zuversicht: Die Weihnachtserwartungen im Einzelhandel

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BERLIN (dpa-AFX) - Dieses Jahr könnte es für Verbraucher besonders sinnvoll sein, sich frühzeitig um Weihnachtsgeschenke zu kümmern. Denn es ist gut möglich, dass es an der ein oder anderen Stelle im Weihnachtsgeschäft zu Lieferengpässen kommt. Besonders im Bereich der Haushalts- und Unterhaltungselektronik bereitet der anhaltende Chipmangel Händlern Sorge. "Es sind bei einzelnen Sortimenten Lücken möglich", sagte der Hauptgeschäftsführer des Handelsverbands Deutschland (HDE), Stefan Genth, am Montag in Berlin.

Doch hätten sich die Händler vorbereitet und die Lager gut gefüllt. "Es wird nicht dazu führen, dass wir komplett leere Regale sehen werden", sagte Genth mit Blick auf die kommenden Wochen. "Ich sehe das Problem eher im ersten Halbjahr des kommenden Jahres auf uns zukommen." Dann also, wenn die Lager sich geleert hätten.

Es ist bereits das zweite Weihnachten während der Pandemie - und zur Angst vor erneuten coronabedingten Einschränkungen kommt für einige Einzelhändler in diesem Jahr die Angst vor Lieferengpässen dazu. "Das ist die Unsicherheit, die wir spüren bei den Händlern", sagte Genth. "Wir haben also gemischte Erwartungen an das Weihnachtsgeschäft." Dabei steht die Umsatzprognose des HDE für November und Dezember vor allem für Zuversicht.

Mit Erlösen von knapp 112 Milliarden Euro rechnet der HDE für das diesjährige Weihnachtsgeschäft. Das wären 2 Prozent mehr als im Vorjahr und sogar rund 8,7 Prozent mehr als 2019, dem letzten Weihnachten vor der Corona-Krise. Doch die aktuelle Lage sowie die Erwartungen für diesen und kommenden Monat gestalten sich für die einzelnen Geschäftszweige sehr unterschiedlich. Das zeigt eine Branchenumfrage des HDE unter 450 Mitgliedsunternehmen, die der Verband am Montag vorstellte.

Demnach rechnet vor allem der Textil- und Modehandel mit einem besseren Weihnachtsgeschäft als im vergangenen Jahr. Auch Spielwaren- sowie Schmuckhändler blicken optimistisch auf die kommenden Wochen.

Branchenübergreifend gaben demnach 45 Prozent der befragten Unternehmen an, mit einem höheren oder sogar deutlich höheren Umsatz zu rechnen. Nur 22 Prozent erwarten ein schlechteres beziehungsweise deutlich schlechteres Geschäft. In keinem Handelssektor gibt es zudem die überwiegende Erwartung, dass sich das Weihnachtsgeschäft wieder auf dem Niveau von 2019 einpendeln wird, auch wenn die Umsatzprognose des HDE dies nahelegt.

Zu den Skeptikern gehören vor allem der Möbel- sowie der Elektronikhandel. Der Chipmangel werde das Geschäft mit Elektronikprodukten noch längere Zeit belasten, sagte am Montag auch der Chef des Düsseldorfer Handelskonzerns Ceconomy <DE0007257503>, Karsten Wildberger. "Je nach Hersteller kann sich das Thema Anfang nächsten Jahres deshalb zum Teil wieder entschärfen, bei manchen Produkten kann das aber auch noch länger dauern", sagte er dem "Handelsblatt". Zu Ceconomy gehören die Marken Media Markt und Saturn.

Insgesamt blicken die Unternehmerinnen und Unternehmen laut HDE jedoch deutlich optimistischer auf das anstehende Weihnachtsgeschäft als noch im vergangenen Jahr. "Wir haben gesehen, dass im Oktober das Geschäft eigentlich gut funktioniert, wenn wir stabile Rahmenbedingen haben", sagte HDE-Hauptgeschäftsführer Genth.

Dabei hätten die wieder geöffneten Geschäfte nicht dazu geführt, dass der Boom im Online-Handel aufhört: Internetbestellungen bleiben demnach der wesentliche Treiber des Wachstums im Einzelhandel. Der HDE geht allein für diesen und kommenden Monat von einem Online-Umsatz von 23,1 Milliarden Euro aus - mehr als ein Fünftel des prognostizierten Gesamtumsatzes. Für den Schritt ins Internet nutzten vielen Einzelhändler große Handelsplattformen wie Amazon <US0231351067>. Mehr als die Hälfte des Internetumsatzes werde auf solchen Portalen gemacht, hieß es vom HDE.

Der Verband hat unterdessen auch bei den Verbraucherinnen und Verbrauchern nachgefragt, was sie ihren Liebsten zu Weihnachten schenken wollen: 32 Prozent der Befragten wollen demnach Geschenkgutscheine überreichen. 29 Prozent verschenken Bücher und 27 Prozent Spielwaren.

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