ROUNDUP: Siemens informiert über Jobabbau - Kritik von IG Metall

dpa-AFX

MÜNCHEN (dpa-AFX) - Die Siemens -Führung hat am Donnerstag die Betriebsräte über die anstehenden Einschnitte in der Kraftwerks- und in der Antriebssparte informiert. Am Vormittag kamen Mitglieder des Managements mit den Arbeitnehmervertretern im Wirtschaftsausschuss des Konzerns zusammen. Bereits seit Wochen wird über die Streichung mehrerer tausend Stellen sowie mögliche Werksschließungen und

-verkäufe spekuliert. Eine Veröffentlichung der konkreten Pläne wurde

für den Nachmittag erwartet.

In beiden betroffenen Sparten, die seit einiger Zeit unter einer Auftragsflaute und Preisdruck leiden, hatte Siemens-Chef Joe Kaeser schon Arbeitsplätze gekappt. Vor allem für das Kraftwerksgeschäft kündigte er erst in der vergangenen Woche bei der Bilanz-Pressekonferenz "schmerzhafte Einschnitte" an. Auch betriebsbedingte Kündigungen schloss Siemens nicht aus.

Betriebsrat und IG Metall machen deshalb seit Wochen Front gegen die Pläne. "Das, was wir momentan erleben bei Siemens - das ist für mich so ein Zeichen, wie man eigentlich in Deutschland oder auch in der Metall- und Elektroindustrie nicht miteinander umgehen sollte", sagte Bayerns IG-Metall-Chef Jürgen Wechsler am Rande der aktuellen Tarifverhandlungen für die Metall- und Elektroindustrie in Schweinfurt. Bei Siemens müsse man sich "langsam, aber sicher die Frage stellen: Will das noch ein integrierter Technologiekonzern bleiben, oder geht es nur noch darum, die Aktionäre zu befriedigen?"

Siemens sei momentan eine Baustelle, die ihm sehr viel Sorgen mache. Die Beschäftigten müssten nun für ihre Interessen eintreten und dem Management sagen, dass das, was jetzt passiert, so nicht gehe.

Mahnungen an das Management kamen auch aus der Politik. Berlins Regierender Bürgermeister Michael Müller (SPD) appellierte angesichts der drohenden Einschnitte an den Konzern, für Standorte in Ostdeutschland eine Perspektive zu schaffen. Es sei offensichtlich geplant, nicht nur Arbeitsplätze bei Siemens abzubauen, sondern komplette Standorte zu schließen. "Das wäre natürlich ein erheblicher Einschnitt insgesamt in die Industrielandschaft Ostdeutschlands", sagte Müller. Er sehe Unternehmen in der Pflicht, sich des Problems bewusst zu sein.