ROUNDUP: Siemens Energy will trotz Verlust Dividende zahlen

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MÜNCHEN (dpa-AFX) - Die Probleme der Windkraft-Tochter Siemens Gamesa <ES0143416115> sowie die anhaltende Restrukturierung in der Energietechnik haben den Dax<DE0008469008>-Konzern Siemens Energy <DE000ENER6Y0> im vergangenen Geschäftsjahr belastet. So schrieb das Unternehmen sowohl im vierten Quartal (Ende September) als auch im Gesamtjahr rote Zahlen. Dennoch will Siemens Energy im ersten vollständigen Jahr seines Bestehens den Aktionären eine kleine Dividende zahlen, wie es bei der Veröffentlichung der Zahlen am Mittwoch in München hieß.

Konzernchef Christian Bruch zeigte sich zufrieden mit dem Jahr - insbesondere mit dem verbesserten operativen Ergebnis in der Sparte Gas and Power. Dass der Konzern am Ende immer noch Verlust mache, liege "neben den bekannten Problemen im Onshore-Geschäft von Siemens Gamesa aber vor allem an den Restrukturierungsmaßnahmen". Die Börse quittierte die Aussagen mit Kursgewinnen. Am Mittag lag die Aktie fast drei Prozent im Plus an der Dax-Spitze.

Im Geschäftsjahr 2020/21 fiel unter dem Strich ein Fehlbetrag von 560 Millionen Euro an, der jedoch deutlich unter dem Vorjahresverlust von knapp 1,9 Milliarden Euro lag als hohe Abschreibungen den Konzern belastet hatten. Der überwiegende Teil des Verlustes fiel mit 383 Millionen Euro im Schlussquartal an. Dies lag einmal an den in der vergangenen Woche veröffentlichten roten Zahlen von Siemens Gamesa. Nach dem dritten Quartal hatte sich Bruch bereits verärgert über Gamesa gezeigt, jetzt war er nachsichtiger: Das Management gehe die Probleme an, es dauere aber einige Zeit, bis das Wirkung zeige. Zudem liege Gamesa etwa im Bereich Offshore über Plan. "An sich weiß die Firma, wie es geht", sagte Bruch. Das müsse man nun überall umsetzen.

Des weiteren belasteten Restrukturierungskosten bei der Sparte Gas and Power. Der Konzern baut bei der auf konventionelle Kraftwerkstechnik ausgerichteten Sparte Tausende Jobs ab. Allein im vierten Quartal kostete das 222 Millionen Euro. Und auch im Gesamtjahr machen die Kosten der Sparprogramme laut Finanzchefin Maria Ferraro den "Löwenanteil" der negativen Sondereffekte von insgesamt 673 Millionen Euro aus. Der Jobabbau wird zwar auch im neuen Geschäftsjahr weitergehen, die Kosten daraus sollen aber sinken.

Den Anteilseignern will Siemens Energy eine Dividende von 0,10 Euro je Aktie vorschlagen, nachdem es im vergangenen Geschäftsjahr keine Ausschüttung gegeben hatte.

Die Erlöse stiegen 2020/21 um 3,7 Prozent auf rund 28,5 Milliarden Euro. Damit kam das Unternehmen eher am unteren Ende der prognostizierten Spanne von drei bis acht Prozent heraus. Die um Sondereffekte bereinigte Marge gemessen am Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen (Ebita) verbesserte sich um 2,4 Prozentpunkte auf 2,3 Prozent und traf damit die Managementprognose. Verantwortlich waren dafür Verbesserungen bei Gas and Power. Im vierten Quartal verschlechterte sich die Ebita-Marge des Konzerns um 1,5 Prozentpunkte auf minus 0,6 Prozent.

Dagegen zeigte sich das Neugeschäft robust. Die Auftragseingänge stiegen in den Monaten Juli bis September um fast ein Drittel auf rund 9,1 Milliarden Euro. Im Gesamtjahr waren die Auftragseingänge hingegen um knapp 3 Prozent rückläufig.

Für das neue Geschäftsjahr geht Siemens Energy zumindest von einer Abschwächung des vergleichbaren Umsatzwachstums aus, das bei minus einem bis plus drei Prozent liegen dürfte - nach sechs Prozent Plus im Vorjahr. Herausgerechnet sind dabei Währungseffekte sowie Zu- und Verkäufe. Die bereinigte Ebita-Marge soll auf drei bis fünf Prozent steigen. Dabei geht Siemens Energy von einer stabilen bis besseren Ergebnisentwicklung bei Gas and Power aus. Und auch Gamesa erwartet nach dem Verlust im vergangenen Geschäftsjahr nun wieder eine positive bereinigte operative Rendite.

Unter dem Strich will sich Energy weiter in Richtung Gewinnzone begeben. Hier erwarte man eine "sehr starke Verbesserung", erklärte das Unternehmen. Ob es am Ende für schwarze Zahlen reichen wird, lässt die Prognose offen.

Zudem geht Bruch davon aus, dass die Lieferkettenprobleme bis weit in das Jahr 2022 bestehen bleiben. Hinzu kommt für die ganze Branche das Problem steigender Rohstoffkosten. Wenn auf der einen Seite Stahl immer teurer werde, Windkraftanlagen aber immer billiger werden sollten, dann funktioniere das nicht. Letztlich werde man auch über Preiserhöhungen sprechen müssen.

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