ROUNDUP: Siemens Energy kassiert Ergebnisprognose - Probleme bei Gamesa

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ZAMUDIO/MÜNCHEN (dpa-AFX) - Der Windkraftanlagenbauer Siemens Gamesa <ES0143416115> kämpft weiter mit erheblichen Problemen mit seinem schwächelnden Onshore-Geschäft. Zudem verhageln hohe Preise für wichtige Materialien wie Stahl oder Kupfer die Bilanz. Siemens Gamesa musste daher bereits zum zweiten Mal in diesem Jahr die Prognose senken. Das schlägt auch auf die Konzernmutter Siemens Energy durch: Der Münchner Konzern musste in Folge beim Ergebnisausblick ebenfalls zurückrudern.

Die Aktienkurse gerieten am Donnerstag deutlich unter Druck. Siemens Gamesa brachen um fast 14 Prozent ein, Siemens Energy um mehr als 9 Prozent. Zudem riss der Mix aus internen und externen Problemen bei Gamesa auch die anderen Windanlagenbauer mit sich. So verlor die Nordex-Aktie knapp 6 Prozent, Vestas gaben vergleichsweise moderate 1,2 Prozent nach.

Siemens Gamesa musste im dritten Quartal (per Ende Juni) überraschend Verluste hinnehmen. In einer Telefonkonferenz am Donnerstag hieß es, dass vor allem das seit längerer Zeit schwächelnde Windanlagengeschäft an Land (Onshore) belastet habe. So kommt es zu höheren Anlaufkosten für die neue Plattform 5X. Insbesondere Brasilien, das viele Aufträge für die Plattform vergeben hat, ist dabei betroffen. Da es dort auch zu durch die Corona-Pandemie bedingten Lieferschwierigkeiten kommt, gibt es weitere Projektverzögerungen. Brasilien gehört zu den Wachstumsmärkten im Windgeschäft, ebenso wie etwa Indien. Auch dort kämpft Siemens Gamesa mit erheblichen Problemen - da die Wende zu schaffen nannte Konzernchef Andreas Nauen "herausfordernd". Weiter robust läuft dagegen das Geschäft mit Anlagen auf See (Offshore) sowie der Service.

In der Telefonkonferenz räumte Nauen ein, dass sich im Onshore-Geschäft die Rückkehr zur Profitabilität verzögern wird. Ursprünglich hatte Siemens Gamesa für das Geschäftsjahr 2021/22 wieder eine schwarze Null erreichen wollen. Der seit rund einem Jahr amtierende Konzernchef hatte sich vor allem die Sanierung des verlustreichen Windanlagengeschäfts an Land auf die Fahne geschrieben und ein umfangreiches Restrukturierungsprogramm auf den Weg gebracht. So will Siemens Gamesa margenschwache Projekte künftig vermeiden und die Projektrisiken senken. In die neue, leistungsstärkere Turbine 5X hatte Gamesa große Hoffnungen gesetzt. An ihr will Gamesa auch festhalten, trotz aller Anlaufschwierigkeiten sei sie das "richtige Produkt", so Nauen.

Die Probleme im Onshore-Geschäft sowie die rapide gestiegenen Kosten für Materialien und Logistik belasteten das dritte Quartal erheblich. Beim um Sondereffekte bereinigten Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit) fuhr Siemens Gamesa daher nach vorläufigen Zahlen einen Verlust von rund 150 Millionen Euro ein, wie das Unternehmen bereits am Mittwochabend mitteilte. Dabei musste Siemens Gamesa eine Wertminderung auf Aufträge von rund 229 Millionen verbuchen. Analysten hatten hier mit einem Gewinn gerechnet. Angaben zum Nettoergebnis machte Siemens Gamesa zunächst nicht. Das Unternehmen will den Zwischenbericht am 30. Juli vorlegen.

Analystin Deepa Venkateswaran von Bernstein Research zeigte sich sehr enttäuscht von der Nachricht. Sie werfe Fragen auf, ob das Gamesa-Managment in der Lage sei, die angeschlagene Onshore-Windsparte zu sanieren. Die Expertin äußerte sich auch besorgt wegen offenbar fehlender Absicherungen am Rohstoffmarkt. Hier habe der Konkurrent Vestas zuletzt beruhigendere Botschaften gehabt. Die Bank of America kappte derweil ihr Kursziel für Siemens Gamesa.

Für das Geschäftsjahr 2020/21 geht der Konzern nur noch im besten Fall von einer schwarzen Null aus. Die entsprechende Marge soll nun zwischen minus einem und null Prozent landen. Zuletzt hatte Siemens Gamesa einen Wert von plus drei bis fünf Prozent ins Auge gefasst. Der Umsatz lag im abgelaufenen Quartal bei rund 2,7 Milliarden Euro und damit im Rahmen der Erwartungen von Experten. Im Geschäftsjahr dürfte er aber nur das untere Ende der Prognosebandbreite von 10,2 bis 10,5 Milliarden Euro erreichen, hieß es. Das Management hatte dabei schon Ende April die Umsatzprognose wegen Verzögerungen bei Projekten gekappt.

Und auch die mittelfristigen Aussichten stehen unter Beobachtung. So hält Gamesa das bei einem Kapitalmarkttag Ende 2020 ausgegebene Ziel einer bereinigten Ebit-Marge von 8 Prozent zwar weiter für "erreichbar". Ob dies jedoch wie bislang geplant im Geschäftsjahr 2022/23 der Fall sein werde oder erst ein Jahr später, werde man sehen, so Nauen. Die Pläne für die kommenden Jahre sollen demnächst "überprüft" werden. Siemens Gamesa hatte im November ein mittelfristiges Margenziel von 8 bis 10 Prozent ausgegeben.

Das alles hat auch Auswirkungen auf Siemens Energy. Der Dax-Konzern, der die Mehrheit an Gamesa hält, musste ebenfalls zurückrudern und teilte am Mittwochabend mit, dass er die angepeilte bereinigte Marge vor Zinsen, Steuern und Firmenwertabschreibungen (Ebita) von 3 bis 5 Prozent für das Geschäftsjahr 2020/21 (Ende September) verfehlen wird. Der Konzern-Umsatzausblick, der ein Wachstum von 3 bis 8 Prozent vorsieht, bleibt jedoch unverändert. Siemens Energy verwies darauf, dass für die Sparte Gas & Power mit der Energieerzeugungstechnik der Ausblick bestehen bleibe und sich das Geschäft wie erwartet entwickle.

Wegen der Schwäche bei Siemens Gamesa würden die Ergebnisse des Konzerns aus dem abgelaufenen Quartal aber voraussichtlich die Markterwartungen verfehlen, hieß es. In einem von der Nachrichtenagentur Bloomberg zusammengestellten Konsens gingen Analysten bislang von einem bereinigten Ebita von knapp 100 Millionen Euro aus. Siemens Energy präsentiert seine Quartalszahlen am 4. August.

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