ROUNDUP: Schwindende Anlegerlust bremst Flatexdegiro - Aktie fällt

FRANKFURT (dpa-AFX) - Ein schwindendes Interesse der Anleger hat dem Online-Broker Flatexdegiro <DE000FTG1111> wie erwartet einen Geschäftsrückgang eingebrockt. Mit der Zahl der Transaktionen brach im ersten Halbjahr auch der operative Gewinn ein, und im zweiten Quartal halbierte sich der Zulauf neuer Kunden. Nachdem Vorstandschef Frank Niehage die Jahresziele schon im Juni gekappt hatte, sieht er sein Unternehmen im Branchenvergleich in einer guten Position. "Auch weiterhin wachsen wir in der Neukundengewinnung schneller als jeder Wettbewerber", sagte er bei der Vorlage der vorläufigen Halbjahreszahlen am Dienstagabend in Frankfurt.

An der Börse wurden die Neuigkeiten dennoch negativ aufgenommen. Die Flatexdegiro-Aktie verlor am Mittwoch kurz nach Handelsstart 3,7 Prozent auf 8,99 Euro. Anfang Juli war der Aktienkurs sogar bis auf 8,49 Euro und damit auf den tiefsten Stand seit Mitte 2020 gefallen. Damit war fast der gesamte Kursgewinn aufgezehrt, den das Papier seit Ausbruch der Corona-Pandemie erzielt hatte. Im Vergleich zum Rekordhoch von fast 30 Euro im Juni 2021 hat das Papier sogar mehr als zwei Drittel seines Werts verloren.

Seit dem Angriff Russlands auf die Ukraine kann von einem Boom an den Börsen keine Rede mehr sein. Hatte Flatexdegiro die Monate Januar bis März noch als zweitstärkstes Quartal der Unternehmensgeschichte gefeiert, war es mit dem Aufwärtstrend im zweiten Jahresviertel vorbei.

Im gesamten ersten Halbjahr erzielte Flatexdegiro einen Umsatz von 209,6 Millionen Euro und damit sieben Prozent weniger als ein Jahr zuvor. Das war etwas weniger als von Analysten im Mittel erwartet. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (bereinigtes Ebitda) sackte um knapp ein Viertel auf 81,8 Millionen Euro ab, unter anderem wegen gestiegener Marketingkosten.

Im Juni hatte sich der Vorstand bereits von seinen ursprünglichen Zielen für 2022 verabschiedet. Nach dem Rekordjahr 2021 rechnet er seither nicht mehr mit einem Anstieg der Transaktionen - sondern mit einem Rückgang.

So erwartet das Management bis Ende des Jahres brutto zwischen 600 000 und 700 000 Neukunden. Die Zahl der Transaktionen soll auf 75 bis 85 Millionen sinken und der Umsatz mit 400 bis 440 Millionen Euro etwa das Niveau von 2021 erreichen. Vom Erlös soll prozentual als bereinigtes operatives Ergebnis ähnlich viel übrig bleiben wie 2021. Da hatte die Marge bei 42,4 Prozent gelegen.

Im ersten Halbjahr brachen die Transaktionen im Jahresvergleich um fast 30 Prozent auf 38,1 Millionen ein. Auch hier zeigt sich die wachsende Zurückhaltung vieler Anleger: Hatte Flatexdegiro im ersten Quartal noch knapp 22 Millionen Transaktionen abgewickelt, waren es im zweiten Quartal nur noch gut 16 Millionen.

Allerdings nahm der Broker im ersten Halbjahr pro Transaktion mehr Geld ein. Mit 5,31 Euro lag der Durchschnittserlös gut einen Euro höher als ein Jahr zuvor. Ein Niveau von "deutlich über 5 Euro" peilt das Management auch für das Gesamtjahr an.

Bei den brutto gewonnenen Neukunden liegt Flatexdegiro nach sechs Monaten mit 282 500 jedoch hinter den selbstgesteckten Zielen zurück. Zudem ließ die Dynamik zuletzt deutlich nach: Hatten sich im ersten Quartal noch mehr als 185 000 Kunden neu bei dem Broker angemeldet, waren es im zweiten Quartal nur noch gut halb so viele. Den endgültigen Halbjahresbericht will das Unternehmen am 30. August veröffentlichen.

Den zuletzt gebeutelten Flatexdegiro-Aktionären hatte Vorstandschef Niehage vergangene Woche die erste Dividende der Unternehmensgeschichte in Aussicht gestellt. "Wir prüfen derzeit unsere Strategie zur Kapitalallokation. Dabei könnte es zu einer Mischung aus einem Aktienrückkauf und einer Dividende kommen", hatte er in Frankfurt gesagt.

Analysten werten den Kursrutsch der vergangenen Wochen jedenfalls als Kaufgelegenheit. Branchenexperte Martin Comtesse vom Analysehaus Jefferies empfahl die Flatexdegiro-Aktie am Mittwoch weiter zum Kauf und sieht den Kurs auf dem Weg zu 18 Euro. Flatexdegiro sei erneut stärker gewachsen als die Konkurrenz, trotzdem sei die Aktie deutlich günstiger bewertet. Allerdings werde es im derzeit von Ängsten geprägten Umfeld teurer, neue Kunden zu gewinnen. Analyst Charlie Mayne von der US-Investmentbank Goldman Sachs rechnet sogar mit einem Kursanstieg auf 20 Euro.

Größter Anteilseigner von Flatexdegiro ist nach wie vor der Unternehmer und Verleger Bernd Förtsch. Er hatte das Frankfurter Unternehmen 1999 gegründet und hält gut 19 Prozent der Aktien.

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