ROUNDUP: Schwaches Wachstum bei Nestle liefert Investor Loeb Munition

dpa-AFX

VEVEY (dpa-AFX) - Der weltgrößte Lebensmittelhersteller Nestle wächst weiter nicht so stark wie erhofft. Im ersten Halbjahr sei der Umsatz organisch - also vor den Effekten von Zu- und Verkäufen sowie Wechselkursveränderungen - um 2,3 Prozent auf 43 Milliarden Franken gestiegen, teilte der Konzern am Donnerstag in Vevey mit. Damit sei das Wachstum hinter den eigenen Erwartungen zurückgeblieben, sagte Unternehmenschef Mark Schneider. Zu schaffen macht dem Konzern vor allem, dass die Preise nicht so stark wie erhofft erhöht werden können.

Seinen Ausblick für das Gesamtjahr trübte Nestle ein. Zwar soll der Umsatz weiterhin organisch um 2 Prozent bis 4 Prozent steigen. Allerdings werde das Wachstum eher in der unteren Hälfte der Spanne liegen, so Schneider. An der Börse kam das nicht gut an. Die Aktie verlor bis zum Mittag 0,91 Prozent auf 81,60 Franken. Die Zahlen seien schwach ausgefallen, sagte ein Händler. Das Halbjahr könne man getrost vergessen, fand Vontobel-Analyst Jean-Philippe Bertschy deutliche Worte.

Der Konzernumsatz sank in der ersten Jahreshälfte um 0,3 Prozent auf 43 Milliarden Franken, wobei insbesondere Westeuropa hinter den Erwartungen zurück blieb. Der heiße Juni habe den Verkauf von Produkten wie Kaffee, Pizza oder Bouillon gebremst, hieß es. Schwach lief auch das Geschäft mit Süßwaren.

Umbaukosten belasteten das Ergebnis vor Zinsen und Steuern (Ebit), das von 6,61 auf 6,45 Milliarden Franken sank. Der Überschuss stieg um 19 Prozent auf 4,9 Milliarden Franken. Allerdings hatten im Vorjahr Steuereffekte das Ergebnis deutlich geschmälert.

Experten wie Bertschy zufolge dürften die schwachen Zahlen den Druck auf das Nestle-Management für strategische Veränderungen erhöhen. Seit kurzem ist der aktivistische Investor Daniel Loeb bei Nestle engagiert. Loebs Hedgefonds Third Point hält rund 1,25 Prozent an dem Schweizer Unternehmen. Aktivistische Investoren wie er sind dafür bekannt, öffentlich Druck auf die Unternehmensführung auszuüben, um mehr Wert für die Aktionäre zu schaffen. So fordert Loeb unter anderem den Verkauf der Beteiligung am Kosmetikriesen L'Oreal und damit verbunden großangelegte Aktienrückkäufe.