ROUNDUP: Schlappe für Clariant und Huntsman - Fusion wegen Investoren abgesagt

dpa-AFX

MUTTENZ (dpa-AFX) - Die Fusion ist vom Tisch: Der Chemiekonzern Clariant und der US-Konkurrent Huntsman beugen sich dem Druck von Investoren. Eine nicht ganz unerwartete Kehrtwende, denn eine Aktionärsgruppe namens White Tale hatte den Deal seit Monaten torpediert und zuletzt ihren Anteil an Clariant auf 20 Prozent ausgebaut. Am Aktienmarkt reagierten die Anleger verschnupft.

Clariant-Aktien verloren zu Handelsauftakt über drei Prozent. Mit dem Abbruch der Fusion verpuffen die im Aktienkurs noch eingepreisten Merger-Synergien, schreibt BaaderHelvea in einem ersten Kommentar. Das werde deutlich belasten. Viele Experten gehen aber auch davon aus, dass Clariant nun für andere Wettbewerber zu einem Übernahmeziel werden könnte. Allerdings dürften sich potentielle Bieter noch etwas zurückhalten und auf tiefere Kurse warten, meint die BaaderHelvea dazu.

Die Beendigung des Vorhabens sei "im besten Interesse aller Anspruchsgruppen", teilten beide Unternehmen am Freitag mit. Diese Entscheidung sei einvernehmlich gefallen. Angesichts des anhaltenden Aktienzukaufs des aktivistischen Investors White Tale und seiner Opposition gegen die Transaktion, die mittlerweile von weiteren Aktionären unterstützt werde, sei eine erfolgreiche Durchführung zu ungewiss, hieß es weiter.

Im Mai hatten die beiden Unternehmen ihre Pläne für ein Zusammengehen verkündet. Angestrebt wurde eine Fusion unter Gleichen, wobei Clariant am neuen Unternehmen 52 Prozent gehalten hätte und Huntsman 48 Prozent. Die Konzerne versprachen sich von der Fusion unter anderem verbesserte Wachstumsmöglichkeiten in Schlüsselmärkten wie den USA und China.

Der Aufhebungsvertrag sehe für keine der beiden Seiten eine Strafzahlung vor, hieß es am Freitag weiter. Clariant werde sich nun weiter auf ihre erfolgreiche Strategie konzentrieren, um die Marktposition weiter auszubauen, teilten die Schweizer mit. Für weitere Aussagen über die zukünftig Richtung sei es zu früh, sagte Unternehmenschef Hariolf Kottmann.

Trotz des Rückschlags will Kottmann an der Spitze des Unternehmens bleiben. Wie lange er sich dort halten kann, scheint indes ungewiss. Der Druck auf ihn dürfte in den nächsten Wochen und Monaten zunehmen. Ein Wechsel werde deshalb nicht ausgeschlossen, hieß es am Markt.