ROUNDUP: Russland-Kredite verhindern Gewinnsprung bei Aareal Bank

WIESBADEN (dpa-AFX) - Der Ukraine-Krieg und die Sanktionen gegen Russland trüben die Gewinnaussichten der Aareal Bank <DE0005408116>. Weil der Gewerbeimmobilien-Finanzierer um Kredite für zwei Bürogebäude in Russland fürchten muss, legte er im ersten Quartal rund 60 Millionen Euro zurück. Der Betriebsgewinn dürfte daher im laufenden Jahr nur das untere Ende der bisherigen Zielspanne von 210 bis 250 Millionen Euro erreichen, erklärte Vorstandschef Jochen Klösges am Mittwoch in einer Telefonkonferenz zu den Zahlen des ersten Quartals. Sofern die geplante Übernahme der Bank durch Finanzinvestoren gelingt, gingen davon noch Transaktionskosten von etwa 10 Millionen Euro ab.

An der Börse lösten die Neuigkeiten zunächst nur wenig Bewegung aus. Am Nachmittag ging es dann allerdings ein Stück abwärts: Zuletzt lag die Aareal-Bank-Aktie mit 0,43 Prozent im Minus bei 31,72 Euro und gehörte so zu den schwächeren Titeln im Nebenwerte-Index SDax <DE0009653386>.

Dabei liegt die gekappte Gewinnprognose des Instituts unterhalb der Erwartungen von Analysten. Im Auftrag der Bank befragte Branchenexperten hatten im Schnitt mit rund 218 Millionen Euro gerechnet. Nun dürfte das Betriebsergebnis im Fall der geplanten Übernahme nach Einschätzung des Vorstands lediglich rund 200 Millionen Euro erreichen.

Zudem schloss der Vorstand weitere Abschreibungen infolge des Ukraine-Kriegs und der deshalb verhängten Sanktionen gegen den Angreifer Russland nicht aus. Laut Finanzchef Marc Heß steht die Ablösung eines Kredits eigentlich im November an. Derzeit könne die Bank aber keine Zahlungen aus Russland erhalten.

Im ersten Quartal verhinderten die Rückstellungen für die Russland-Kredite einen Gewinnsprung. Stattdessen ging das Betriebsergebnis im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um sechs Prozent auf 30 Millionen Euro zurück. Der auf die Aktionäre entfallende Überschuss sank um sechs Prozent auf 15 Millionen Euro.

Die Aareal Bank hatte ihr Russland-Geschäft von zuvor rund einer Milliarde Euro in den vergangenen Jahren bereits zurückgefahren. Ende 2021 hatte sie in dem Land netto noch rund 200 Millionen offen. Die jetzt gebildete Risikovorsorge entspricht rund 30 Prozent der Summe.

Im übrigen Geschäft lief es für das Institut im ersten Quartal hingegen gut. Der Zinsüberschuss wuchs im Jahresvergleich um 15 Prozent auf 159 Millionen Euro, der Provisionsüberschuss legte um acht Prozent auf 64 Millionen Euro zu. Müsste die Bank nicht um ihr Geld in Russland fürchten, hätte sie von den Rückstellungen für gefährdete Kredite unter dem Strich sogar zwölf Millionen Euro auflösen können. Dann wäre der Betriebsgewinn auf rund 90 Millionen Euro gewachsen.

Unterdessen warten Vorstand und Aktionäre auf das Ergebnis der zweiten Übernahmeofferte für das Institut. Nachdem der erste Versuch Anfang Februar am Widerstand von Aktionären gescheitert war, bieten die Finanzinvestoren Advent und Centerbridge sowie der kanadische Pensionsfonds CPPIB nun 33 Euro je Aareal-Bank-Aktie. Das Gebot bewertet die Bank mit rund zwei Milliarden Euro. Diesmal haben sich die Bieter mit wichtigen Großaktionären geeinigt, die den Erfolg im ersten Anlauf verhindert hatten.

Auch die Bank befürwortet die erhöhte Offerte. Sollten die Aktionäre das Angebot auch diesmal nicht in ausreichendem Maße annehmen, "dann machen wir alleine weiter", sagte Klösges. Das Gebot sieht vor, dass die Bieter mindestens 60 Prozent der Anteile erhalten. Die Frist zur Annahme läuft am 24. Mai ab.

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