ROUNDUP: Rocket Internet verkauft Delivery-Hero-Anteile und senkt Verluste

dpa-AFX

BERLIN (dpa-AFX) - Der Start-up-Entwickler Rocket Internet hat mit dem Verkauf von Anteilen am Lieferdienst Delivery Hero Kasse gemacht. Für den Verkauf von 13 Prozent an die südafrikanische Mediengruppe Naspers streichen die Berliner rund 660 Millionen Euro ein, wie Rocket Internet am Donnerstag mitteilte. Damit halbiert der vom bekannten und umstrittenen Internetunternehmer Oliver Samwer geführte Konzern seinen Anteil an Delivery Hero.

Die Kartellbehörden müssen allerdings noch zustimmen. Geht alles glatt, soll der Deal im ersten Quartal 2018 vollzogen werden. An der Börse sorgte der Verkauf für deutliche Gewinne. Rocket-Aktien stiegen zeitweise um 7 Prozent auf ein Hoch seit Mitte des Jahres. Doch trotz des Anstiegs um 40 Prozent seit dem Zwischentief im März ist die jetzt drei Jahre alte Börsengeschichte von Rocket Internet bisher ein Flop - aktuell kostet das Papier nur rund die Hälfte des Emissionspreises.

Derweil sieht der Start-up-Brutkasten seine Beteiligungen auf Kurs. Die Rocket-Dachgesellschaft verringerte in den ersten sechs Monaten des Jahres ihren Verlust deutlich. Er fiel von rund 617 Millionen im ersten Halbjahr 2016 auf 27 Millionen Euro. Der Umsatz kletterte auf 1,24 Milliarden Euro. Das sei eine Steigerung um 29 Prozent im Vergleich zum ersten Halbjahr 2016 gewesen.

Wesentliche Beteiligungen wie HelloFresh, Global Fashion Group, Home24 und Westwing haben sich größtenteils weiter gut entwickelt. Besonders gut liefen die Geschäfte beim Kochboxen-Lieferant HelloFresh. Er konnte den Umsatz um die Hälfte auf 435 Millionen Euro steigern. Die Sparte steckt aber noch im Minus - aber immerhin verbesserte sich die Marge auf minus 10,7 Prozent.

In dem Bereich bekommt Rocket Internet einem "Wirtschaftswoche"-Bericht zufolge aber jetzt Konkurrenz. Der Internetgigant Amazon wolle in den Markt für Kochboxen einsteigen, hieß es. Es sei bereits die Marke "Dinner for 2 in about 30 minutes" samt Kochlogo registriert worden. Ein Einstieg in den deutschen Markt hätte dem Bericht zufolge auch Auswirkungen für das Start-up Hello Fresh.

Auch die Global Fashion Group (GFG) konnte ihren Umsatz deutlich steigern und den Verlust reduzieren. In GFGs sind internationale Online-Modeshops ähnlich dem deutschen Zalando gebündelt. Sie sind in Russland, Lateinamerika und dem nahen Osten aktiv. Neben Rocket Internet ist die schwedische Beteiligungsgesellschaft Kinnevik beteiligt.

Die Online-Möbelhändler Unternehmen Home24 und Westwing konnten im ersten Halbjahr dagegen beim Umsatz nur leicht zulegen, zudem waren die Geschäfte nicht mehr ganz so verlustträchtig.