ROUNDUP: Nutzfahrzeugzulieferer Jost Werke trotzt Corona und bestätigt Prognose

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NEU-ISENBURG (dpa-AFX) - Der Nutzfahrzeugzulieferer Jost Werke <DE000JST4000> hat der Corona-Krise im dritten Quartal getrotzt und dabei von guten Geschäften in der Region Asien-Pazifik-Afrika und der Alö-Übernahme profitiert. Umsatz und das bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern ( Ebit) legten im Vergleich zum Vorjahreszeitraum zu, wie das im Nebenwerteindex SDax <DE0009653386> notierte Unternehmen am Donnerstag im hessischen Neu-Isenburg mitteilte.

Während die Erlöse um 10,7 Prozent auf 196,9 Millionen Euro stiegen, legte das bereinigte Ebit um 7 Prozent auf 20,3 Millionen Euro zu. Nach Steuern sackte der Gewinn allerdings auf 4,6 Millionen Euro ab. Das waren rund 59 Prozent weniger als ein Jahr zuvor, was vor allem auf ein schlechteres Finanzergebnis wegen der Finanzierung der Alö-Übernahme und höhere Kosten zurückzuführen ist. Ohne Währungseffekte und die Übernahme des schwedischen Frontladerherstellers Alö war der Konzernumsatz aus eigener Kraft um 11,4 Prozent rückläufig gewesen.

Am Kapitalmarkt wurden die Nachrichten positiv aufgenommen. Die Jost-Werke-Aktie lag gegen Mittag rund 4 Prozent im Plus. Im laufenden Jahr steht für die Titel damit nur noch ein minimales Minus zu Buche. Auf längere Sicht sieht es mit einem Wertverlust von rund einem Fünftel in den zurückliegenden drei Jahren aber deutlich schlechter aus.

Das Unternehmen sprach in Anbetracht der Pandemie von einer "guten Leistung", die sich auch in Europa und Nordamerika widergespiegelt habe. Zudem hätten sich die Transportmärkte weltweit erholt. Im dritten Quartal seien alle Produktionsnetzwerke durchgängig in Betrieb gewesen und es sei im Gegensatz zu den Vorquartalen nicht zu längeren Schließungen wegen verordneter Quarantänemaßnahmen gekommen. Dies habe Jost Werke mit Blick auf das bereinigte Ebit in die Karten gespielt.

Durch das neu erworbene landwirtschaftliche Geschäft der Alö-Gruppe habe Jost Werke den pandemiebedingten Rückgang der Märkte überkompensieren können, sagte Konzernchef Joachim Dürr. Zudem habe das Unternehmen seine Marktposition in der Asien-Pazifik-Afrika-Region weiter verbessert und dort auch ohne den Alö-Beitrag ein deutliches Wachstum erzielt. "Die relevanten Indikatoren für Transport und Landwirtschaft haben sich in allen Regionen kontinuierlich verbessert", befand Dürr. Jost sei daher in der Lage gewesen, "zügig die entstehenden Wachstumsmöglichkeiten für sich zu nutzen".

Aus Sicht von Analyst Jose Asumendi von der US-Bank JPMorgan hat Jost Werke ein "solides Ergebnis" abgeliefert, das über den Erwartungen gelegen habe und auch durch die Nachfrage in Europa gestützt worden sei. Auch die Entwicklung des freien Barmittelzuflusses (Free Cashflow) sei ansprechend gewesen. Nach der Ankündigung weiterer Lockdowns in verschiedenen Regionen des Kontinents werde es interessant sein, vom Unternehmen etwas über das Produktionsniveau von Trucks und Trailern in Europa zu erfahren.

Seinen kürzlich abgegebenen Ausblick für das Gesamtjahr bestätigte Jost Werke. Demnach rechnen die Hessen für das Gesamtjahr weiter mit einem Umsatzrückgang im einstelligen Prozentbereich im Vergleich zu den 736,7 Millionen Euro aus dem Jahr 2019. Ohne die Übernahme von Alö würde das Minus allerdings größer ausfallen.

Das bereinigte Ebit dürfte den Angaben zufolge angesichts pandemiebedingter Werkschließungen im ersten Halbjahr stärker fallen als der Umsatz. Entsprechend soll die bereinigte Ebit-Marge gegenüber dem Vorjahreswert von 10,4 Prozent signifikant sinken. Im Vergleich zu dem ersten Halbjahr 2020 soll sie sich aber verbessern.

Der Ausblick setzt allerdings voraus, dass es im verbleibenden Geschäftsjahr 2020 zu keinen weiteren pandemiebedingten Werksschließungen beim Unternehmen oder bei wichtigen Kunden kommt. Zudem stehen die Ziele unter der Bedingung, dass nationale Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie nur regional umgesetzt werden und keine weiteren landesweiten Lockdowns eingeführt werden.

Jost Werke ist laut eigenen Angaben ein weltweit führender Hersteller und Lieferant für die Nutzfahrzeugindustrie und stellt diverse Komponenten her. Der Konzern beschäftigt weltweit über 3500 Mitarbeiter und ist seit Juli 2017 an der Frankfurter Börse notiert.