ROUNDUP: Neuer Investor, neuer Name - Insolventer Fahrradbauer Mifa verkauft

dpa-AFX

SANGERHAUSEN (dpa-AFX) - Rettung in letzter Sekunde: Kurz vor dem endgültigen Aus des traditionsreichen Fahrradherstellers Mifa aus dem Südharz ist ein Investor eingestiegen. Am Donnerstag unterzeichneten der Insolvenzverwalter Lucas Flöther und der Coburger Unternehmer Stefan Zubcic den Kaufvertrag. Über den Kaufpreis wurde Stillschweigen vereinbart. Zubcic hatte bereits vor drei Jahren Teile des insolventen Sachsenrings in Zwickau gekauft. Dort wurde früher das DDR-Kultauto "Trabi" produziert.

Mifa war Anfang des Jahres - mit 500 Beschäftigten - in Insolvenz gegangen - bereits zum zweiten Mal in gut zwei Jahren. Mit dem Verkauf geht für die 130 verbliebenen Beschäftigten eine lange Zitterpartie um ihre Arbeitsplätze vorerst zu Ende. Die Suche nach einer Lösung für den insolventen Betrieb war mehrmals ins Stocken geraten, Investoren sprangen ab oder überzeugten die Gläubiger nicht. Bis Ende Juni musste eine Lösung gefunden werden, sonst hätte das Unternehmen schließen müssen - Zubcic kam kurzfristig an Bord.

Der Unternehmer verfüge über viel Erfahrung und könne Mifa mit "seinem kaufmännisch soliden Zukunftskonzept wieder eine langfristige Perspektive bieten", betonte der Insolvenzverwalter. Der Betriebsübergang ist für den 1. August geplant. Das Wirtschaftsministerium erklärte, der Verkauf sei ein positives Signal, vor allem für die Mitarbeiter sowie für die Region insgesamt.

Zubcic kündigte an, dass die bisherige Mifa Bike GmbH in Sachsenring Bike Manufaktur umbenannt werden soll. Dabei spiele die künftige Positionierung des Markenportfolios eine wesentliche Rolle. Mifa werde als Fahrradmarke weiter bestehen bleiben. "Wir werden uns auf alte Tugenden der Mifa zurückbesinnen, aber zusätzlich auch ein stringentes Kostenmanagement umsetzen", sagte er. "In Summe werden wir uns auf einem deutlich abgesenkten Umsatzvolumen konsolidieren und dann langfristig und mit Augenmaß wieder wachsen."

Mit seiner Sachsenring-Gruppe ist Zubcic in den Bereichen Automotive, Medizintechnik und Flachglasveredelung tätig. Er sei für Mifa "der richtige Partner", erklärte Flöther. Die Gläubiger hätten dem Verkauf bereits zugestimmt. Von Seiten der bisherigen Hauptkunden gebe es "sehr konkrete, positive Rückmeldungen bezüglich der weiteren Zusammenarbeit". Zubcic hatte sich auf einer Betriebsversammlung in Sangerhausen vorgestellt.

Michael Perner von der IG Metall sagte, die Mitarbeiter von Mifa seien erleichtert darüber, dass die Firma wieder eine Zukunft habe. "Sie schauen nach vorn, sie wollen Mifa wieder groß und stark machen". Von dem neuen Eigentümer habe er den Eindruck: "Er scheint zu wissen, was er möchte und wie er das umsetzen möchte".

Zubcic hatte 2014 aus der Insolvenz der HQM Sachsenring in Zwickau den Bereich Karosseriebau übernommen. 2016 folgte die Übernahme der Nündel Kunststofftechnologie in Wendelstein/Nürnberg (Automotive/Medizintechnik). Im März dieses Jahres kam dann noch das Saxo Glaswerk in Brand-Erbisdorf/Erzgebirge (Flachglasveredelung) hinzu.

Der Fahrradmarkt gilt als hart umkämpft. Laut Zweiradverband wurden 2016 in Deutschland 1,3 Millionen Fahrräder produziert - 2,7 Millionen Fahrräder und 554 000 Pedelecs wurden importiert. Als Wachstumsmarkt sehen Experten E-Bikes. In Sangerhausen gehörten elektrobetriebene Fahrräder auch zum Sortiment. Die vor 110 Jahren gegründete Mifa war der ehemals größte Produzent von Zweirädern in Europa. Die Beschäftigten in der strukturschwachen Region erlebten seit 1990 mehrere Pleiten des Unternehmens, jeweils verbunden mit einem drastischen Personalabbau.

2014 hatte der Unternehmer Heinrich von Nathusius das damals ebenfalls in Insolvenz befindliche Unternehmen übernommen. Er entwickelte die Vision vom effektivsten Fahrradbauer Europas. Mit einem dafür eigens an der Autobahn 38 (Halle-Göttingen) gebauten, 17 Millionen Euro teuren Werk scheiterte er. Ende 2016 meldete er Insolvenz an. Die Produktion zieht nun wieder zurück in die Stadt.