ROUNDUP: Munich Re hält sich nach Sturmschäden mit Gewinnprognose zurück

dpa-AFX

MÜNCHEN (dpa-AFX) - Der weltgrößte Rückversicherer Munich Re traut sich nach dem Hurrikan-Sommer mit Milliardenverlust keine konkrete Gewinnprognose für 2017 mehr zu. Statt dessen blickt Finanzvorstand Jörg Schneider auf das nächste Jahr - und hofft auf höhere Prämien im Schaden- und Unfallgeschäft. "Wir rechnen für die kommenden Verhandlungen wieder mit steigenden Preisen", sagte der Manager bei der Vorlage der Quartalszahlen am Donnerstag in München. Dies gelte vor allem für die von Naturkatastrophen getroffenen Gebiete. Die Hurrikan-Serie in den USA und der Karibik sowie zwei Erdbeben in Mexiko hatten verheerende Schäden angerichtet.

Allein die Zerstörungen durch die Wirbelstürme "Harvey", "Irma" und "Maria" dürften die Versicherungsbranche weltweit rund 100 Milliarden US-Dollar (86 Mrd. Euro) kosten, schätzt die Munich-Re-Führung. Bei dem Münchner Konzern schlagen sie nach bisheriger Berechnung mit 2,7 Milliarden Euro zu Buche. Die Schätzungen hält der Konzern weiter für unsicher: Die Abwicklung der Schadensfälle werde noch Monate dauern.

Im dritten Quartal rutschte der Konzern infolge der Schäden unter dem Strich mit 1,4 Milliarden Euro in die roten Zahlen - nach 685 Millionen Euro Gewinn ein Jahr zuvor. Im Gegensatz zur Rivalin Hannover Rück besserte der Dax-Konzern sein Ergebnis nicht durch den Verkauf von Aktien auf. Am Finanzmarkt sorgten die Nachrichten am Donnerstag kaum für Bewegung - die Aktie legte nur leicht zu.

Das Papier befindet sich aber seit einigen Wochen auf einem Höhenflug und ist zurzeit so teuer wie seit April 2015 nicht mehr. Seit Anfang September - also kurz nach den vielen Naturkatastrophen - legte der Kurs um fast ein Fünftel zu, da viele Analysten und Investoren auf ein Ende des massiven Preiskampfs in der Branche hoffen. Trotz der Rally in den vergangenen Wochen hinkt das Papier mit einem Jahresplus von zehn Prozent dem Dax, der derzeit von Rekord zu Rekord eilt, hinterher.

Der Vorstand um den neuen Munich-Re-Chef Joachim Wenning hatte seine ursprüngliche Gewinnprognose von 2,0 bis 2,4 Milliarden Euro für 2017 im Oktober kassiert und nur noch einen "kleinen Gewinn" in Aussicht gestellt. Finanzchef Schneider äußerte sich auch jetzt nicht konkreter dazu, was "klein" in diesem Zusammenhang bedeutet. Analysten gingen zuletzt im Schnitt von rund 560 Millionen Euro aus.

Sicher ist sich der Vorstand jedoch, dass die Prämieneinnahmen der Schaden- und Unfall-Rückversicherung in diesem Jahr nicht ausreichen, um die Aufwendungen für Schäden, Verwaltung und Vertrieb zu decken. Die kombinierte Schaden-Kosten-Quote dürfte mit 112 Prozent deutlich über der kritischen 100-Prozent-Marke liegen. Im dritten Quartal lag sie sogar bei 160,9 Prozent und damit weit im roten Bereich. Vor den Katastrophen hatte der Vorstand für das Gesamtjahr noch eine Quote von 97 Prozent ins Auge gefasst.

Vergleichsweise stabil lief das Geschäft der Erstversicherungssparte Ergo. Die Konzerntochter aus Düsseldorf, die in einem jahrelangen Sanierungsprogramm steckt, verdiente im dritten Quartal 29 Millionen Euro nach 19 Millionen Verlust im Vorjahreszeitraum. Im Gesamtjahr soll sie weiterhin 200 bis 250 Millionen Euro Gewinn erreichen - auch dank eines steuerlichen Sondereffekts in der ersten Jahreshälfte.

Bei der Sanierung sieht der Vorstand die Ergo auf einem guten Weg. Ergo-Chef Markus Rieß baut den Versicherer für die digitale Welt um. Die klassische Lebensversicherung wird abgewickelt, erst vor kurzem ging das Unternehmen mit einem rein digitalen Versicherer namens Nexible an den Start. Der Umbau des Sorgenkinds und Allianz-Konkurrenten soll aber noch bis ins nächste Jahrzehnt dauern. Ab dem Jahr 2021 soll Ergo pro Jahr rund 600 Millionen Euro Gewinn abwerfen.