ROUNDUP: MTU bleibt trotz Corona auf Gewinnkurs - Einigung bei neuem Kampfjet

·Lesedauer: 4 Min.

MÜNCHEN (dpa-AFX) - Der Münchner Triebwerksbauer MTU <DE000A0D9PT0> rechnet nach einem eher schwachen Start ins Jahr in den nächsten Quartalen mit deutlich besseren Geschäften. "Wir arbeiten auch in der schwersten Krise unserer Branche weiterhin profitabel und sind zuversichtlich, dass wir die Ziele erreichen, die wir uns für das Gesamtjahr gesteckt haben", sagte MTU-Chef Reiner Winkler bei der Vorlage der Quartalszahlen am Freitag in München. Nach dem Geschäftseinbruch im Corona-Jahr 2020 soll es 2021 wieder aufwärts gehen. Und für das europäische Kampfjet-Projekt FCAS will MTU demnächst zusätzliche Ingenieure einstellen.

An der Börse wurden die Nachrichten positiv aufgenommen. Nach einem kurzen Kursrutsch am Morgen legte die MTU-Aktie deutlich zu und war am späten Vormittag mit plus 4,65 Prozent auf 209,40 größter Gewinner im Dax <DE0008469008>. Seit dem Jahreswechsel hat das Papier damit aber immer noch rund zwei Prozent verloren. Das Rekordhoch von 289,30 Euro, das die Aktie kurz vor dem Ausbruch der Corona-Pandemie Anfang 2020 erreicht hatte, ist ohnehin weit entfernt.

Trotz eines deutlichen Umsatzeinbruchs ist MTU mit klar schwarzen Zahlen ins neue Jahr gestartet. Im ersten Quartal sackte infolge der schweren Krise der Luftfahrtbranche im Jahresvergleich um 22 Prozent auf 989 Millionen Euro ab. Der operative Gewinn vor Zinsen, Steuern und Sondereffekten (bereinigtes Ebit) sackte um 52 Prozent auf 86 Millionen Euro nach unten und lag damit etwas niedriger als von Analysten im Schnitt erwartet. Der Nettogewinn brach noch etwas stärker auf 49 Millionen Euro ein.

Winkler erinnerte daran, dass "die ersten drei Monate 2020 ein sehr starkes Quartal waren, in dem die Corona-Pandemie noch keine Auswirkungen auf die Geschäftszahlen hatte". Die Lockdowns und die finanzielle Notlage der Fluggesellschaften waren erst ab April 2020 auf das Geschäft durchgeschlagen. Im Gegensatz zu anderen Unternehmen der Branche konnte sich MTU in der Krise durchweg in den schwarzen Zahlen halten.

Allerdings muss sich der Hersteller in den kommenden Quartalen strecken, um die Ziele des Managements im Gesamtjahr zu erreichen. So soll der Umsatz nach dem Einbruch von 2020 in diesem Jahr wie geplant auf 4,2 bis 4,6 Milliarden Euro steigen. Davon sollen 9,5 bis 10,5 Prozent als operativer Gewinn übrig bleiben. Im ersten Quartal erreichte diese Marge nur 8,7 Prozent. Analysten gingen für das Gesamtjahr zuletzt im Schnitt von einem Umsatz von über 4,4 Milliarden und einer operativen Marge von 10,3 Prozent aus.

Im ersten Quartal sackte der Umsatz im Seriengeschäft mit neuen Antrieben für Passagier- und Frachtjets um mehr als ein Drittel nach unten. In der Triebwerkswartung fiel der Rückgang glimpflicher aus. Dabei stammte der Großteil der Erlöse in beiden Bereichen von den Antrieben für die Airbus-Modellfamilie <NL0000235190> A320 und deren Neuauflage A320neo, für die MTU als Partnerin der Raytheon-Technologies-Tochter <US75513E1010> Pratt & Whitney mit verantwortlich zeichnet.

Der Erfolg der A320neo stimmt Winkler zuversichtlich für den Rest des Jahres und darüber hinaus. Denn das Modell ist trotz der schweren Krise der Luftfahrtbranche weiterhin vergleichsweise stark gefragt. Zwar hat Airbus die Produktion im vergangenen Jahr von 60 auf 40 Maschinen pro Monat gedrosselt. Doch bis Ende 2021 soll sie wieder auf monatlich 45 Exemplare steigen. Für 2022 sei ein weiteres Hochfahren der Airbus-Produktion in Sicht, erklärte Winkler. Für MTU wäre es ihm zufolge kein Problem, weitere Steigerungen zu stemmen.

Bereits am Vorabend hatte MTU einen wichtigen Schritt auf dem Weg zu den Triebwerken für ein neues europäisches Kampfflugzeug gemacht, den sogenannten Next Generation Fighter (NGF), der etwa ab dem Jahr 2040 den Eurofighter ablösen soll. Die Münchner vereinbarten mit dem französischen Safran-Konzern <FR0000073272> und der spanischen ITP Aero, das Triebwerk gemeinsam herzustellen und zu betreuen.

Dazu gründeten MTU und Safran das Gemeinschaftsunternehmen Eumet. ITP soll Partner werden, die Arbeitsanteile sollen zu je einem Drittel zwischen den Ländern aufgeteilt werden. Der MTU-Vorstand zeigte sich am Freitag zuversichtlich, dass nun auch bald die politischen Weichenstellungen für das Projekt erfolgen. Der NGF ist Teil des künftigen europäischen Luftabwehrsystems FCAS (Future Combat Air System).

Riesige Umsätze kann MTU aus dem Projekt vorerst nicht erwarten. Für 2021 rechnet der Vorstand höchstens mit einem mittleren zweistelligen Millionenbetrag. Entwicklung und Bau des FCAS sind ein Projekt für Jahrzehnte. Während der Konzern wegen der Krise der zivilen Luftfahrt rund 1500 Arbeitsplätze abbaut, will er für den NGF zusätzliche Entwickler einstellen. Es gehe um eine dreistellige Zahl von Ingenieuren, sagte Winkler.