ROUNDUP: Linde-Fusionspartner Praxair macht 2017 Schritt nach vorn

dpa-AFX

DANBURY (dpa-AFX) - Der US-Gasekonzern Praxair fiebert der Fusion mit dem deutschen Rivalen Linde entgegen. Er freue sich auf den Zusammenschluss, mit der sich die beiden Konzerne in ihrer Stärke ergänzten, betonte Praxair-Chef Steve Angel am Donnerstag bei der Vorlage der Jahreszahlen. Dabei ließ Angel keinen Zweifel daran, dass er weiterhin mit der Verschmelzung der beiden Unternehmen im zweiten Halbjahr rechnet. Aktuell liegt der Fall aber bei den Regulierungsbehörden, die dem Deal noch zustimmen müssen.

Angel soll künftig an der Spitze des neu fusionierten Unternehmen stehen und dessen Geschicke von den USA aus lenken. Auch bei Praxair hat er im vergangenen Jahr nach Ansicht von Anlegern einen guten Job gemacht: Nach einem Rückgang in 2016 konnte der Konzern den Umsatz und das Ergebnis wieder steigern. Dabei konnte der Industriegasehersteller die Erwartungen der Analysten und die eigenen - bereits angehobenen Prognosen - noch toppen. Im laufenden Jahr will Praxair nun ebenfalls besser abschneiden als noch vor einem Jahr.

Angels Aussagen und die Jahreszahlen sorgten bei der Linde-Aktie für Schwung. Sie zog zuletzt um mehr als 3 Prozent an. Auch Praxair-Papiere notierten vorbörslich um rund 3 Prozent höher.

Dank eines starken Schlussquartals erhöhte sich der Umsatz bei Praxair im Gesamtjahr um 9 Prozent auf 11,4 Milliarden Dollar. Der um Sonderfaktoren bereinigte Gewinn je Aktie (EPS) kam bei 5,85 Dollar (Vorjahr: 5,48) heraus. Damit wurde die nach dem dritten Quartal angehobene Prognose noch getoppt, der Konzern hatte zuletzt zwei Cent weniger als Maximum angepeilt.

Unter dem Strich kostetet die US-Steuerreform den Konzern allerdings Gewinn: Weil im Schlussquartal wegen der steuerlichen Änderungen eine Belastung von fast 400 Millionen Dollar anfiel, ging der Jahresüberschuss von 1,5 Milliarden auf knapp 1,25 Milliarden Dollar zurück. Belastend hinzu kamen fast 50 Millionen Dollar an Kosten für die geplante Fusion mit Linde. Beide Faktoren herausgerechnet wäre das Nettoergebnis gestiegen.

Für den Jahresauftakt stellt Praxair nun im ersten Quartal ein EPS von 1,53 bis 1,58 Dollar in Aussicht. Kosten für die beabsichtigte Transaktion mit Linde sind in dieser Prognose nicht eingerechnet. Angel sieht Praxair für die Fusion gut vorbereitet: Der Konzern habe in den abgelaufenen zwölf Monaten des Geschäftsjahres 2017 durch den verstärkten Fokus auf stabilere Endmärkte sein Portfolio optimiert und sei nun gut gerüstet für eine Erholung der Branche. Dabei habe Praxair deutliche Fortschritte in Richtung der Verschmelzung mit Linde gemacht.

Angel begrüßte auch die US-Steuerreform, die für neue Investitionsanreize in den USA sorge und damit Praxair neue Wachstumschancen in seinem größten Absatzmarkt eröffne.

Linde und sein US-Rivale Praxair hatten im vergangenen Juni die Fusion zum Weltmarktführer mit 80 000 Mitarbeitern vereinbart. Der deutsche Industriegasekonzern hatte aus Sorge vor einem Scheitern der Fusion vorsorglich die Annahmeschwelle abgesenkt, am Ende gab es eine deutliche Zustimmung der Anteilseigner: Bis zum Ablauf der Frist reichten mehr als 90 Prozent der Aktionäre der Linde AG ihre Aktien zum Umtausch in Anteile des neuen fusionierten Unternehmens ein - der künftigen Linde plc. Deshalb ist ein sogenannter "Squeeze out" möglich, also das Herausdrängen der verbliebenen Aktionäre. Bislang gab es hierzu aber noch keine offizielle Entscheidung.