ROUNDUP: Lieferando-Mutter Just Eat Takeaway erwägt Verkauf von Grubhub

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AMSTERDAM (dpa-AFX) - Keine zwei Jahre nach der Übernahme des US-Lieferdienstes Grubhub lotet Just Eat Takeaway <NL0012015705> bereits wieder neue Wege für die amerikanische Tochter aus. Zugleich belastet die aufkommende Konkurrenz durch wiedereröffnete Restaurants die Jahresziele der Lieferando-Mutter. In der Folge dürfte nun der Bruttowarenwert (GTV) - also alles, was Kunden in den digitalen Warenkorb werfen - nicht mehr so stark wachsen wie bislang gedacht. Dennoch könnte der operative Verlust im laufenden Jahr etwas geringer ausfallen. An der Börse überwog der Optimismus: Die Just-Eat-Takeaway-Papiere gewannen sieben Prozent und halfen damit auch den Aktien anderer Lieferdienste wie etwa denen von Delivery Hero <DE000A2E4K43>.

Das Management prüfe derzeit mehrere Optionen wie etwa den teilweisen oder vollständigen Verkauf von Grubhub, teilte Just Eat Takeaway am Mittwoch in Amsterdam mit. Auch könnte sich der Vorstand vorstellen, einen strategischen Partner an Bord zu nehmen. Ob tatsächlich eine der Optionen getroffen wird, sei hingegen unklar. UBS-Experte Sreedhar Mahamkali wertete die Überlegungen als eine gute Nachricht für Anleger.

Nach der Zahlenvorlage für das erste Quartal musste das Management seine Prognose überarbeiten: Das Bruttowarenvolumen für das laufende Jahr solle verglichen mit dem Vorjahr nur noch im mittleren einstelligen Prozentbereich wachsen. Bislang hatte das Management noch ein Plus im mittleren Zehnerprozentbereich in Aussicht gestellt.

Der schwache Ausblick für das Bruttowarenvolumen sei der Unsicherheit geschuldet, wie sich gelockerte Corona-Maßnahmen auf das Geschäftsmodell auswirkten, schrieb Giles Thorne vom Analysehaus Jefferies. So strömten die Menschen aktuell wieder in die Restaurants und bestellten in der Folge weniger Essen für daheim. Dem schwächeren Ausblick für das Bruttowarenvolumen stehe aber eine etwas optimistischere Prognose für die Bruttomarge gegenüber, schrieb Thorne.

Denn das Unternehmen rechnet jetzt damit, dass der bereinigte Verlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) 0,5 bis 0,7 Prozent des Bruttowarenwerts betragen wird. Zuletzt hatte das Ziel für die Marge bei minus 0,6 bis 0,8 Prozent betragen. 2022 dürfte also erneut ein operativer Verlust anfallen, wenn auch weniger als im Vorjahr. 2021 betrug der bereinigte Verlust 1,2 Prozent des Bruttowarenwerts.

Dass sich das Unternehmen nun ein wenig schneller als bislang in Richtung Gewinnzone bewegen wolle, sei wohl den Marktzwängen geschuldet, fuhr Jefferies-Experte Thorne fort. Schließlich seien die Kapitalkosten angesichts des Inflationstrends zuletzt stark gestiegen, womit das Unternehmen fast schon zu einem rationaleren Verhalten mit Blick etwa auf die Marketingausgaben gezwungen worden sei. Aber immerhin nutze das Management die Chance, den Fokus auf die Ergebnisentwicklung zu lenken.

Bereits im ersten Quartal des laufenden Jahres nagte die Konkurrenz am Geschäftsmodell der Niederländer. So verfehlte Just Eat Takeaway mit rund 264 Millionen Bestellungen nicht nur deutlich die durchschnittlichen Erwartungen der Analysten, sondern verzeichnete damit auch einen leichten Rückgang gegenüber dem Vorjahr. Der Bruttowarenwert stieg hingegen um vier Prozent auf 7,2 Milliarden Euro.

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