ROUNDUP: Laut Verband 300 000 Schüler in Quarantäne - Wechselbetrieb gefordert

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BERLIN (dpa-AFX) - Mehr als 300 000 Schüler und bis zu 30 000 Lehrer befinden sich derzeit nach Angaben des Deutschen Lehrerverbandes in Quarantäne. Das berichtete die "Bild"-Zeitung am Mittwoch. Die Schulen sollen offen bleiben - darüber herrscht breiter Konsens. Doch wie das gelingen kann, dazu gehen die Meinungen auseinander. Die Forderungen nach kleineren Klassen und einem Wechsel aus Präsenz- und Fernunterricht bei starkem Infektionsgeschehen werden lauter.

"Wir erleben an den Schulen jetzt einen Salami-Lockdown." Die Politik habe sich zurückgezogen, sagte Lehrerverbands-Präsident Heinz-Peter Meidinger. In der "Passauer Neuen Presse" forderte er, an Schulen Vorsichtsmaßnahmen hochzufahren, wenn die Infektionszahlen exponentiell wachsen. Dazu zähle neben der Maskenpflicht auch die vorübergehende Wiedereinführung der Abstandsregel, was halbierte Klassen und Wechselbetrieb bedeuten würde.

Auch Ilka Hoffmann von der Gewerkschaft Erziehung und Wissenschaft (GEW) kritisiert ein "starres Festhalten" am Präsenzunterricht ohne Abstufungen. Stattdessen sollten Klassen halbiert werden und im Wechselunterricht gelernt werden - in Abhängigkeit von regionalen Inzidenzwerten "und nicht egal wie es ist, alle gehen in die Schule und wir kucken mal wie lange es gut geht und wenn nicht, machen wir alles zu".

Von einem hohen Infektionsgeschehen in Schulen und Gesellschaft spricht der Verband Bildung und Erziehung (VBE). "Es ist höchste Zeit, dass sich die Kultusministerien hierzu verhalten und transparente Regelungen aufstellen." Und auch von den Eltern kommt Kritik: "Es ist ein Versagen der Kultusminister, dass es hier an einer klaren Linie fehlt", sagte der Vorsitzende des Bundeselternrats, Stephan Wassmuth, dem Redaktionsnetzwerk Deutschland (RND).

Der sächsische Kultusminister Christian Piwarz (CDU) zeigte sich Forderungen nach einem Wechselmodell gegenüber skeptisch: Dieses Modell bedeute deutlich weniger Lernstoff und damit weniger Bildung. Auch die baden-württembergische Kultusministerin Susanne Eisenmann (CDU) verteidigte im SWR das Festhalten am Präsenzunterricht: "Wir setzen auf Präsenz und wollen dort, wo ein Infektionsgeschehen auftritt, regional, standortbezogen reagieren, aber nicht im ganzen Bundesland alle 4500 Schulen schließen."

Bundesbildungsministerin Anja Karliczek (CDU) warb mit Blick auf die für kommenden Montag geplanten Beratungen von Bund und Ländern für eine positive Sichtweise. Man habe es geschafft, bis hierhin die Schulen offen zu halten. Für den Fall, dass die Infektionszahlen nicht sinken würden, setzten sich alle Länder damit auseinander, was sie tun könnten. "Aber ich denke, wir gehen jetzt erst einmal positiv davon aus, dass die Zahlen sinken werden", betonte sie.

Im Gegensatz zum Frühjahr sind die Schulen vom Teil-Shutdown im November verschont geblieben. In Deutschland gibt es rund 40 000 Schulen mit insgesamt 11 Millionen Schülern und rund 800 000 Lehrern. Bereits am Dienstag hatte die SPD-Vorsitzende Saskia Esken angeregt, Modelle, wonach kleinere Gruppen abwechselnd im Präsenz- und im Fernunterricht lernen, flächendeckend einzusetzen. Daneben hatte sich Bundesbildungsministerin Karliczek für eine Ausweitung der Maskenpflicht im Unterricht auch auf Grundschulen ausgesprochen. Auch Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) zeigte sich am Mittwoch offen für eine Ausweitung der Maskenpflicht an Schulen.