ROUNDUP/Laschet: NRW-Impftempo jetzt wie in den USA

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BERLIN (dpa-AFX) - Das Impftempo im bevölkerungsreichsten Bundesland Nordrhein-Westfalen erreicht nach Angaben von Ministerpräsident Armin Laschet (CDU) inzwischen das der USA. An diesem Mittwoch werde aller Voraussicht nach an nur einem einzigen Tag rund ein Prozent der Bevölkerung in Nordrhein-Westfalen geimpft. "Das ist ein Tempo wie in den USA", sagte Laschet am Montagabend nach dem Treffen der Länderchefs mit Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) in Berlin.

In den vergangenen Wochen habe man noch neidvoll in die USA geschaut. Inzwischen sei man so weit, das gleiche Tempo hier an den Tag legen zu können. Das zeige, die Organisation und Infrastruktur in NRW funktionierten bestens. "Wir brauchen bloß genug Impfstoff und der wird in den nächsten Wochen weiter in großem Umfang zur Verfügung stehen, so dass wir bis zum Sommer dieses Tempo beibehalten können", so Laschet.

Vom Impfstoff von Astrazeneca <GB0009895292> werde mehr genutzt als anderswo, weil es in NRW möglich sei, aus den Fläschchen eine elfte und zwölfte Dosis zu entnehmen. Das hätten diejenigen, die die Impfungen verabreichen, mit großer Akribie hinbekommen. In dieser Woche werde in NRW bereits die einmillionste Impfstoff-Dosis in einer Praxis verabreicht. "Wir wollen das Tempo hochhalten."

Das voraussichtliche Ende der Impfpriorisierung im Juni ermögliche, zuvor noch Berufsgruppen mit hohen Risiken zu schützen. Laschet: "Ich finde, das Datum, das heute festgelegt ist, der Monat Juni, ist sachgerecht. Denn in der dritten Priorisierungsgruppe sind viele Menschen, die in den letzten 15 Monaten hohe Risiken für uns in Kauf genommen haben."

Laschet verwies dabei insbesondere auf die Verkäuferinnen und Verkäufer in den immer geöffneten Lebensmittelgeschäften, die am Anfang ohne Maske und Plexiglas ihre schwere Arbeit für alle geleistet hätten. "Die sind jetzt dran mit dem Impfen und ich finde, die sollten auch eine besondere Priorität genießen." Ebenso die Busfahrer, Feuerwehrleute und viele Menschen im Justizvollzugsdienst.

Im Monat Juni habe man dann die Chance, das Impfen für alle möglich zu machen. In NRW würden diese Impfungen dann auch von Hausärzten angeboten, die derzeit besonders die chronisch Kranken bevorzugt berücksichtigten. In den Impfzentren werde dann jeder und jede einen Termin vereinbaren können. Sie würden weiter gebraucht, um die großen Mengen Impfstoff spritzen zu können.

Das erste, was man jetzt brauche, seien weiterhin Rücksichtnahme und viel Verständnis füreinander, so der Ministerpräsident. "Nicht alle werden gleichzeitig wieder alles machen können. Der Übergang zu einer Normalität wird auch für die Geimpften und die Genesenen noch Einschränkungen beinhalten. Maske und Abstand gehören weiterhin dazu", verdeutlichte Laschet und fügte hinzu: "Aber das Licht am Ende des Tunnels wird heller."

Mit dem Impf-Fortschritt tauchten ethische und rechtliche Fragen auf. "Mir war es immer wichtig, zu sagen, wir müssen recht bald für alle die Grundrechtseingriffe aufheben - für die Geimpften und für die Nichtgeimpften." Aber die Gruppe der Geimpften, die müsse auch - damit die Notbremse vor dem Bundesverfassungsgericht standhalten könne - besondere Regelungen haben. Dafür habe die Bundesregierung Eckpunkte vorgelegt, der eine Verordnung folgen soll. "Ich finde, das sollte möglichst schnell geschehen, damit wir Klarheit haben."

Der NRW-SPD-Chef Thomas Kutschaty warnte vor schnellen Privilegien für Geimpfte. "Die Frage der Sonderrechte für Geimpfte hat Potenzial für gesellschaftliche Sprengkraft", sagte Kutschaty, Oppositionsführer im Landtag, der "Westdeutschen Allgemeinen Zeitung" (Dienstag). "Der Impfstoff ist noch so knapp, dass Geimpfte sich schon durch die Impfung zu Recht privilegiert fühlen können." Viele würden sich lieber heute als morgen impfen lassen. "Wenn wir also über die Privilegierung von Geimpften sprechen, müssen wir auch an die vielen denken, die noch länger auf eine Impfung warten müssen."