ROUNDUP: LafargeHolcim rudert bei Prognosen zurück - Markt reagiert verschnupft

dpa-AFX

ZÜRICH (dpa-AFX) - Der Schweizer Zementriese LafargeHolcim setzt die Messlatte etwas tiefer. Zum Jahresende rechnet der Konzern mit einer nachlassenden Wachstums-Dynamik und senkt in der Folge seine Prognosen für das laufende und das kommende Jahr. Der neue Chef Jan Jenisch setzt sich nun die Vereinfachung der Strukturen, Kostendisziplin und Leistungsmanagement als Ziele. Die Prognosesenkung kam Aktienmarkt nicht gut an.

"Wir waren für die Entwicklung im zweiten Semester optimistischer und für das vierte Quartal bildet der Vorjahreswert eine starke Vergleichsbasis", sagte Jenisch in einer Telefonkonferenz am Freitag zur Vorlage der Zahlen zum dritten Quartal. "Wir haben die Erwartungen zum Ausblick für den Konzern auf ein Niveau angepasst, das der aktuellen Geschäftsdynamik entspricht." Für März 2018 kündigte der Zementkonzern ein Strategieupdate an.

Für das laufende Jahr werde nun beim bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) auf vergleichbarer Basis ein Wachstum von 5 bis 7 Prozent erwartet. Zuvor wurde ein Plus im zweistelligen Prozentbereich prognostiziert. Der wiederkehrende Gewinn soll wachsen, heißt es jetzt. Zuvor sollte er um mehr als 20 Prozent zulegen.

Für 2018 ist der Konzern nun auch zurückhaltender. Einige der Absatz- und Preisannahmen seien an die gegenwärtige Entwicklung der Geschäftsdynamik angepasst, hieß es. Das Wachstum des bereinigten betrieblichen Ebitda auf vergleichbarer Basis solle nun bei mindestens 5 Prozent liegen wird. Zuvor wurden hier 7 Milliarden Franken als Ziel genannt.

Im dritten Quartal ist der Baustoffkonzern auf vergleichbarer Basis ordentlich gewachsen. LafargeHolcim erzielte von Juli bis September einen Umsatz von 6,94 Milliarden Franken. Das entspricht im Vergleich zum Vorjahr einem Minus von 1,3 Prozent, auf vergleichbarer Basis wurde jedoch ein Plus von 4,1 Prozent ausgewiesen. Der um die Fusions- und Einmalkosten angepasste betriebliche Gewinn (Ebitda) stieg um 1,9 Prozent auf 1,75 Milliarden Franken und die entsprechende Marge auf 25,2 Prozent von 24,4 Prozent im Vorjahreszeitraum. Der Konzerngewinn sank hingegen aufgrund hoher Veräusserungsgewinne im Vorjahr um rund 59 Prozent auf 433 Millionen Franken.

Die Aktien von LafargeHolcim gerieten am Freitag im frühen Handel unter Druck und lagen über drei Prozent im Minus. Der Zementhersteller blickt auf ein durchwachsenes drittes Quartal zurück: Zwar liegt der Nettoumsatz leicht über den Analystenerwartungen. Doch sowohl beim organischen Wachstum als auch beim bereinigten operativen Ebitda wurden die Erwartungen verfehlt.

Für Gesprächsstoff sorgten insbesondere die neuen Zielvorgaben für das laufende sowie das kommende Jahr. Als Folge müssten Analysten nicht nur ihre diesjährigen, sondern auch die nächstjährigen Schätzungen mit dem Rotstift überarbeiten. Der neue Konzernchef sei jetzt erst recht gefordert und eine strategische Neuausrichtung wahrscheinlicher denn je, so lautete der Tenor am Markt.