ROUNDUP: Kritik an Siemens-Führung nimmt an Schärfe zu

dpa-AFX

MÜNCHEN (dpa-AFX) - Der Konflikt um die geplanten Einschnitte in zwei Sparten des Elektrokonzerns Siemens verschärft sich zusehends. In einem offenen Brief an Siemens-Chef Joe Kaeser und Personalchefin Janina Kugel warfen Gesamtbetriebsratschefin Birgit Steinborn und IG-Metall-Vorstandsmitglied Jürgen Kerner der Führung des Dax -Konzerns eine indirekte Kommunikation über die Medien vor.

Das sei "unwürdig und beschämend" und ein "Schlag ins Gesicht der Mitarbeiter und der Mitbestimmungskultur". Das geht aus dem Beschäftigten-Forum "Siemens Dialog" der IG Metall hervor. Mehrere Regierungschefs ostdeutscher Bundesländer warnten vor einem radikalen Umbau und möglichen Auswirkungen für die Regionen.

Siemens will in der Kraftwerkssparte sowie im Geschäftsfeld Prozessindustrie und Antriebe wohl mehrere Tausend Jobs streichen, über bis zu 4000 gefährdete Stellen wird spekuliert. Die IG Metall hatte Widerstand gegen die Pläne angekündigt.

"Der Osten darf industriell nicht abgehängt werden", teilten Michael Müller (SPD, Berlin), Dietmar Woidke (SPD, Brandenburg), Stanislaw Tillich (CDU, Sachsen) und Bodo Ramelow (Linke, Thüringen), am Mittwoch gemeinsam mit. Sollte Siemens beschließen, "die Standorte in unseren Ländern zu reduzieren bzw. ersatzlos zu schließen, können und werden wir dies nicht akzeptieren". Es müssten Alternativen und Perspektiven vorgelegt werden.

Mitten in diesem Wirbel legt Siemens-Chef Kaeser an diesem Donnerstag die Jahresbilanz vor. Experten gehen davon aus, dass das Unternehmen seinen Gewinn vor allem dank guter Geschäfte in der Sparte digitale Fabrik steigern konnte. Auch der Umsatz dürfte nach Einschätzung von Analysten zugelegt haben.

In dem Internet-Forum wurde kritisiert, dass der 16. November als Termin für die entscheidende Sitzung des Wirtschaftsausschusses dem Gesamtbetriebsrat erst mitgeteilt worden sei, nachdem er bereits in den Medien verbreitet gewesen sei. In dem Ausschuss wird die Konzernführung die Arbeitnehmervertreter über die Details der Pläne informieren. Danach sollen sie auch der Öffentlichkeit vorgestellt werden.

Steinborn und Kerner appellierten an die Siemens-Führung, Alternativen für die beiden Sparten sowie für die deutschen Standorte zu erarbeiten: "Unsere Belegschaften müssen beteiligungsorientiert und fair einbezogen werden", hieß es. Die Energieerzeugung bleibe ein global wachsender Markt, für den neue Geschäftsmodelle und Produkte entwickelt werden müssten, um Beschäftigung und Know-how in Deutschland zu sichern.