ROUNDUP: Kieler Wirtschaftsinstitut rechnet mit stärkerem Wachstum

dpa-AFX

KIEL (dpa-AFX) - Der deutsche Konjunkturmotor droht heißzulaufen. Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) hat seine Erwartungen für Deutschland deutlich angehoben. Die Konjunkturexperten gehen jetzt von einem Wirtschaftswachstum in diesem Jahr von 2 Prozent aus und von 2,2 Prozent im nächsten Jahr. Das geht aus der Prognose hervor, die das Institut am Donnerstag veröffentlichte. Doch die Wirtschaft steigere ihre Leistung schneller, als ihr guttue, hieß es.

Im Juni hatte das IfW für dieses Jahr noch 1,7 Prozent vorausgesagt und 2,0 Prozent für 2018. Nach Einschätzung des Instituts nimmt die sogenannte Überauslastung - also eine Überhitzung der Produktion - zu, was eine schmerzhafte spätere Korrektur wahrscheinlicher werden lasse. Für 2019 erwartet das Institut jetzt eine Erhöhung des Bruttoinlandsprodukts von 2,1 Prozent.

Bei bereits überdurchschnittlich ausgelasteten Produktionskapazitäten nähere sich die Wirtschaft der Hochkonjunktur, analysierten die Wissenschaftler. "Eine Hochkonjunktur fühlt sich gut an, sie ist aber gesamtwirtschaftlich schädlich", sagte der Leiter des IfW-Prognosezentrums, Stefan Kooths. "Die Übertreibungen im Boom verführen die privaten Akteure zu Fehlentscheidungen, meist flankiert von einer allzu leichtfertigen Wirtschaftspolitik." Geschäftsmodelle, die nur im Boom funktionierten, müssten früher oder später wieder kassiert werden. "Ähnlich ist es mit staatlichen Leistungen, denen die nachhaltige Finanzierung fehlt", sagte Kooths. Insgesamt würden so knappe Mittel fehlgelenkt und der Strukturwandel gehemmt.

Der Aufschwung habe an Breite gewonnen. Neben den Konsumausgaben würden Investitionen und Exporte zunehmend zu weiteren Standbeinen des Aufschwungs, stellte das IfW weiter fest. Die stark anziehende Konjunktur im Euroraum spreche für eine Abkehr der Europäischen Zentralbank von der Niedrigzinspolitik.

"Das Gesamtbild der deutschen Wirtschaft ist ziemlich genau so, wie von uns bereits Ende 2016 erwartet, als sich das Überschreiten der Normalauslastung ankündigte", sagte Kooths. "Eine etwas schwächere Dynamik bei den Konsumausgaben wird überkompensiert durch das lebhaftere Auslandsgeschäft und wieder stärker anziehende Investitionen."

Die Arbeitslosenquote werde von derzeit 5,7 Prozent auf rund 5 Prozent gegen Ende 2019 sinken, erwartet das IfW. Das Arbeitsvolumen dürfte dann ein gesamtdeutsches Allzeithoch erreichen. Die Phase sehr niedriger Preissteigerungen der letzten drei Jahre sei vorbei.

Im Euroraum zeichne sich eine nachhaltige konjunkturelle Erholung ab, erwartet das Institut. In diesem Jahr werde das Bruttoinlandsprodukt voraussichtlich um 2,2 Prozent wachsen. Nach verhaltenem Start in das Jahr habe auch die Weltproduktion im zweiten Quartal angezogen.