ROUNDUP: Kering-Tochter Gucci trennt sich von Chefdesigner Michele

ROM (dpa-AFX) -Das Luxus-Modehaus Gucci hat sich von Kreativdirektor Alessandro Michele getrennt. Das teilte der französische Modekonzern Kering FR0000121485, dem Gucci gehört, am Mittwochabend mit und bestätigte damit entsprechende Medienberichte. Der 49 Jahre alte Römer sprach in der Mitteilung von "unterschiedlichen Vorstellungen". Das Fachmagazin "Women's Wear Daily" hatte zuvor berichtet, dass Michele und Kering-Chef François-Henri Pinault unterschiedliche Auffassungen über die kreative Zukunft von Gucci hatten. Analysten sehen in dem Schritt Licht und Schatten. Die Kering-Aktien notierten nach anfänglichen Verlusten am Vormittag nahezu unverändert.

Michele war seit Januar 2015 Chefdesigner bei Gucci. In den fast acht Jahren seitdem habe er einen zentralen Teil dazu beigetragen, die Marke weiterzuentwickeln "mit seiner wegweisenden Kreativität, während er dem renommierten Kodex des Hauses treu blieb", hieß es in der Mitteilung. Wer Michele nachfolgt, war zunächst noch offen.

Gucci hatte zuletzt vor allem Probleme in China, auch wegen der strikten Corona-Maßnahmen des Landes. Das Wachstum der Marke hinkte hinter demjenigen anderer Luxusmarken wie Hermes FR0000052292 oder Louis Vitton FR0000121014 hinterher. So blieb das Wachstum von Gucci im dritten Quartal hinter den Erwartungen von Experten zurück, wenngleich sich die Lage im Vergleich zum zweiten Quartal etwas besserte. Auffällig: Anderen Kering-Marken wie Yves Saint Laurent (YSL) und Bottega Veneta schnitten besser ab, als Analysten erwartet hatten.

Michele habe seit seinem Antritt 2015 für riesige Erfolge gesorgt, mit einem Anstieg Gucci-Umsätze von 4 auf fast 10 Milliarden im Jahr 2021, erklärte Analystin Chiara Battistini von der Bank JPMorgan. Zuletzt habe sich aber eine gewisse "Markenmüdigkeit" breit gemacht. Und: Investoren hätten Michele zunehmend kritisch beäugt. Nun werde in Sachen Design ein neues Kapitel aufgeschlagen, wenngleich das kurzfristig erst einmal für Unsicherheit sorge.

Zuzanna Pusz, Analystin bei der Schweizer Großbank UBS, wertete die Gucci-Personalie unter dem Strich ebenfalls positiv. Die Kering-Führung dürfte sich die Entscheidung nicht leicht gemacht haben und daher einen klaren Nachfolgeplan haben, um die Störungen möglichst gering zu halten. Allerdings könnte es nach einer Neubesetzung rund ein Jahr dauern, bis Designveränderungen wirklich erkennbar würden.