ROUNDUP: IG Metall will mehr Geld und kürzere Arbeitszeit - Bezirke ziehen mit

dpa-AFX

FRANKFURT (dpa-AFX) - In der anstehenden Tarifrunde für die Metall- und Elektroindustrie tragen die Bezirke der IG Metall die vom Vorstand empfohlene harte Linie mit. Bundesweit beschlossen am Dienstag die regionalen Tarifkommissionen, neben sechs Prozent mehr Lohn auch verkürzte Arbeitszeiten für die rund 3,9 Millionen Beschäftigten in deutschen Schlüsselindustrien wie Auto oder Maschinenbau zu fordern. Die Auftragsbücher seien voll und die Kapazitäten vielfach am Anschlag, sagte der baden-württembergische IG-Metall-Bezirkschef Roman Zitzelsberger.

Alle Beschäftigten sollen auf eigenen Wunsch ihre Wochenarbeitszeit für einen befristeten Zeitraum von zwei Jahren auf bis zu 28 Stunden verringern können. Für bestimmte Gruppen wie Schichtarbeiter, Eltern junger Kinder oder Pflegende verlangt die Gewerkschaft "tarifdynamische Zuschüsse" in unterschiedlicher Höhe zwischen 750 und 2400 Euro im Jahr. Viele Beschäftigte könnten es sich sonst nicht leisten, kürzer zu arbeiten, argumentierte Zitzelsberger.

Die bundesweit einheitliche Forderung wie auch die Kündigung der bestehenden Tarifverträge wird an diesem Donnerstag (26.10.) vom Vorstand der IG Metall endgültig festgezurrt, Änderungen sind aber nicht mehr zu erwarten. Die Verhandlungen beginnen dann am 15. November unter anderem im Südwesten, wo schon häufig Pilotabschlüsse verabredet worden sind. Warnstreiks sind nach dem Ende der Friedenspflicht ab dem 1. Januar möglich.

Die Arbeitgeber lehnten die gewerkschaftlichen Vorstellungen erneut im scharfen Ton ab. "Mehr Geld für weniger Arbeit geht gar nicht", erklärte beispielsweise der Hauptgeschäftsführer von Hessenmetall, Dirk Pollert, angesichts des Fachkräftemangels. Sein bayerischer Kollege Bertram Brossardt ergänzt: "Das Gesamtpaket ist ein Sprengsatz für die Tarifbindung. Die IG Metall nimmt mit ihrem Forderungspaket Tarifflucht in Kauf, obwohl gerade sie Tarifbindung einfordert."

"Angesichts der guten Konjunktur in unserer Industrie ergibt sich sicherlich die Möglichkeit einer angemessenen Entgelterhöhung", sagte der Vorsitzende des Arbeitgeberverbands Südwestmetall, Stefan Wolf. "Aber die geforderten sechs Prozent sind fern jeglicher Realität." Die Forderungen zur Arbeitszeit bezeichnete er als teuer, ungerecht und betrieblich nicht umsetzbar.

Für die Tarifgebiete im Osten erwarten die Metaller zudem eine belastbare Verhandlungsperspektive, um die dortigen Tarifbedingungen vollständig an den Westen anzugleichen. 27 Jahre nach der Einheit müssten die Kollegen dort immer noch drei Stunden pro Woche länger arbeiten als im Westen und erhielten unter dem Strich geringere Entgelte, hieß es beispielsweise in Thüringen und Radebeul in Sachsen. Die Spaltung des Landes und häufig sogar innerhalb des gleichen Konzerns müsse überwunden werden.