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ROUNDUP: Hohe Kosten machen Zulieferer Schaeffler vorsichtig - Aktie sackt ab

HERZOGENAURACH (dpa-AFX) -Der Auto- und Industriezulieferer Schaeffler DE000SHA0159 kämpft weiter mit hohen Kosten. Neben Ukraine-Krieg und Lieferschwierigkeiten machen Konzernchef Klaus Rosenfeld auch die hohen Energiepreise Sorgen - und zunehmend auch die Lohnsteigerungen. Ins neue Jahr geht das Unternehmen nach einem Gewinneinbruch 2022 ausdrücklich vorsichtig, auch wenn das Geschäft weiter anziehen sollte. Den Anlegern schmeckte der Ausblick auf die Profitabilität allerdings nicht, die im SDax notierte Aktie der Herzogenauracher fiel deutlich.

Am Vormittag sackte das Vorzugspapier um 7,4 Prozent auf 6,83 Euro ab. Zuletzt war die Aktie allerdings gut gelaufen: Seit den Tiefs im vergangenen September hat der Kurs noch immer um über die Hälfte zugelegt. Im laufenden Jahr steht inklusive des Rücksetzers vom Dienstag noch ein Plus von über 7 Prozent zu Buche.

Der vorsichtige Ausblick dürfte die Laune der Anleger trüben, schrieb JPMorgan-Analyst Jose Asumendi in einer ersten Einschätzung. Auch im vierten Quartal schon sei Schaeffler wegen einer ineffizienten Auslastung von Werken beim Ergebnis hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Die Auftragslage im Geschäft mit der allgemeinen Industrie sei allerdings trotz des konjunkturellen Gegenwinds noch solide.

Der Konzerngewinn sank im vergangenen Jahr trotz einer Erholung der Nachfrage um gut ein Viertel auf 557 Millionen Euro, wie das SDax-Unternehmen DE0009653386 am Dienstag in Herzogenaurach mitteilte. Neben hohen Material- und Energiepreisen sowie Verwerfungen in den weltweiten Lieferketten, belasteten auch Einmalkosten für ein Sparprogramm und den Stellenabbau. Das um Sondereffekte bereinigte Ergebnis vor Zinsen und Steuern fiel um gut 14 Prozent auf 1,05 Milliarden Euro.

Der Umsatz kletterte 2022 hingegen um 14 Prozent auf 15,8 Milliarden Euro. Vorzugsaktionäre sollen eine um 5 Cent gekürzte Dividende von 0,45 Euro je Papier erhalten.

Vorstandschef Klaus Rosenfeld bezeichnete den Jahresabschluss als "solide". Vor allem im Industriebereich sei es gelungen, die gestiegenen Kosten beim Einkauf auch an Kunden weiterzugeben.

Das neue Jahr geht er bei den Ergebniszielen aber nun vorsichtig an. Der Umsatz soll zwar um 5 bis 8 Prozent klettern, wenn Wechselkurseffekte herausgerechnet werden - das ist etwas mehr als von Experten erwartet.

Die bereinigte operative Gewinnmarge jedoch dürfte zwischen 5,5 und 7,5 Prozent vom Umsatz liegen, nach 6,6 Prozent im Vorjahr. Dabei seien im Vergleich mit dem Vorjahr insbesondere größere Lohnsteigerungen und Energiekosten einkalkuliert, hieß es. Analysten am Aktienmarkt hatten bisher im Schnitt mit einer Marge von mehr als 7 Prozent gerechnet und damit eher einen Wert am oberen Ende der Prognosespanne erwartet.

Bei Schaeffler hapert es vor allem in der größten Sparte - der Autozulieferung. Der Umsatz legte währungsbereinigt zwar um fast 8 Prozent zu, was angesichts der Erholung der weltweiten Autoproduktion vor allem im zweiten Halbjahr 2022 erwartet worden war. Denn im zweiten Halbjahr 2021 hatten Lockdowns in China und fehlende Elektronikchips die Branche noch schwer unter Druck gesetzt. Doch beim Ergebnis sieht es mau aus, der Betriebsgewinn vor Sondereffekten fiel um fast die Hälfte.

Rosenfeld hatte im November angekündigt, in der Sparte 1300 Jobs zu streichen, davon 1000 in Deutschland. Damit sollen die jährlichen Kosten um bis zu 100 Millionen Euro gesenkt werden, erreicht werden soll das bis 2026. Hoffnung macht der Auftragseingang im Geschäft mit den Autobauern. Dieser stieg von 10,2 Milliarden im Vorjahr auf 12,3 Milliarden an - rund 5 Milliarden davon waren für Komponenten in Elektroautos vorgesehen.

Doch auch im neuen Jahr wird sich die Ergebnislage in der Sparte - wenn überhaupt - aus Sicht des Managements nur graduell verbessern. Nach 3,1 Prozent bereinigter operativer Marge 2022 sind bislang nun 2 bis 4 Prozent veranschlagt. So recht zu alter Stärke wird die weltweite Autoproduktion auch in diesem Jahr wohl nicht zurückfinden: Schaeffler will zwar 2 bis 5 Prozentpunkte stärker wachsen als diese, doch nach Schätzungen des Marktforschers S&P Global Mobility dürfte die Weltautoproduktion 2023 nur stagnieren oder um bis zu 2 Prozent wachsen.

Im bisher gut laufenden sonstigen Industriegeschäft normalisiert sich die Auftragsflut derzeit wieder von den hohen Niveaus im Jahr 2021. Der Umsatz dürfte auf vergleichbarer Basis daher mit 9 bis 11 Prozent hier weniger stark ansteigen als zuletzt. Die Marge dürfte mit einkalkulierten 11 bis 13 Prozent aber womöglich im Vergleich zu den 11,5 Prozent im Vorjahr anziehen.

Schaeffler liefert in der Autosparte unter anderem Wälzlagersysteme und Ketten- und Riemenantriebe für Motoren, aber auch Getriebe- und Fahrwerkskomponenten. Daneben bietet Schaeffler Ersatzteile für Pkw und Nutzfahrzeuge in einer eigenen Sparte an. Das Geschäft der Industriesparte umfasst Wälzlager und Antriebstechnik unter anderem für Motorräder, Fahrräder und landwirtschaftliche Maschinen, aber auch Teile für den Anlagenbau, Produktionsmaschinen und Luftfahrtkomponenten.