ROUNDUP: Heidelberger Druck profitiert vom Umbau und schreibt wieder Gewinn

HEIDELBERG (dpa-AFX) - Nach langer Zeit auf Tauchstation kommt der Maschinenbauer Heidelberger Druck <DE0007314007> zunehmend in Tritt. Der noch von Ex-Chef Rainer Hundsdörfer eingeläutete Umbau trägt Früchte, trotz der angespannten Lieferketten und steigender Kosten blieb die Firma zuletzt auf Erholungskurs. Im abgelaufenen Geschäftsjahr 2021/22 erzielte Heideldruck nach zwei verlustreichen Jahren erstmals wieder einen Gewinn. An der Börse erfreute das die Investoren, die in den vergangenen Wochen und Monate unter Druck stehende Aktie legte zu.

33 Millionen Euro Überschuss fuhr das Heidelberger Traditionsunternehmen vorläufigen Berechnungen zufolge in dem am 31. März beendeten vergangenen Geschäftsjahr ein. Der Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) legte um gut zwei Drittel auf 160 Millionen Euro zu, wie Heidelberger Druck am Freitag mitteilte. Die operative Marge habe damit bei 7,3 (Vorjahr: 5,0) Prozent und damit im zuletzt ausgegebenen Zielkorridor gelegen.

Eine effizientere Handhabung der Kosten und auch Teilverkäufe hätten zu den Verbesserungen beigetragen. Zudem steigt das Interesse der Kunden: Ende des Geschäftsjahres habe der Auftragsbestand bei rund 900 Millionen Euro gelegen, so hoch wie seit mehr als zehn Jahren nicht mehr.

Der seit April amtierende Firmenchef Ludwin Monz sprach laut Mitteilung von einem herausfordernden Umfeld, in dem der Konzern gleichwohl in allen Kerngeschäftsfeldern sowohl bei Umsatz als auch Ergebnis gewachsen sei. Eine Prognose für das neue Jahr gab er nicht, erklärte aber: "Der aus der spürbaren Markterholung im abgeschlossenen Geschäftsjahr resultierende hohe Auftragsbestand bildet ein gutes Fundament für den Umsatz im laufenden Jahr."

Der Ukraine-Krieg stelle das Unternehmen gleichwohl wie die meisten Firmen vor Herausforderungen, ergänzte der Manager. "Es gilt, mit der konjunkturellen Unsicherheit und den signifikant gestiegenen Rohmaterial- und Energiepreisen umzugehen."

Die Aktie legte zuletzt um rund zwei Prozent zu und war damit einer der Favoriten im Index der kleineren Werte SDax <DE0009653386>. Das Papier war wegen der Probleme bei Heidelberger Druck zeitweise zum Pennystock verkommen, hatte 2021 angesichts der erfolgreichen Restrukturierung aber massiv aufgewertet. Dadurch war die Aktie in den SDax zurückgekehrt. Das aktuell schwierige Börsenjahr ging aber auch an Heideldruck bei weitem nicht spurlos vorbei, seit Jahresbeginn hat das Papier rund ein Viertel an Wert eingebüßt.

Kursrutsch, Kosteninflation, Ukraine-Krieg: Damit sind die Startbedingungen für den neuen Mann am Ruder bei Heideldruck alles andere als leicht. Monz, der zuvor Chef von Carl Zeiss Meditec <DE0005313704> war, gilt jedoch als erfahrener Manager und steuerte bereits den Jenaer Technologiekonzern erfolgreich. Zudem hinterlässt sein Vorgänger dem neuen Heideldruck-Chef reichlich gut bestellten Boden, denn nach jahrelangen Problemen hatte Hundsdörfer den Konzern zuletzt neu ausgerichtet.

Das ursprünglich auf Schnellpressen und Druckmaschinen fokussierte Unternehmen konzentriert sich nunmehr auf den Verpackungsdruck. Mit Abo-Angeboten und mehr Softwareautomatisierung für die Kunden brachte Hundsdörfer Heidelberger Druck in die moderne Zeit.

Außerdem versucht der Konzern in neuen Geschäftsfeldern wie etwa der Elektromobilität Fuß zu fassen. Seit 2018 vertreibt das Unternehmen selbst entwickelte Wallboxen; zuletzt übernahm der Konzern die Ladesäulentechnologie des Energieunternehmens EnBW <DE0005220008>, wodurch auch Produkte für den öffentlichen Raum hinzukamen.

Dieser noch junge Geschäftsbereich wuchs nach Unternehmensangaben im vergangenen Jahr am stärksten. Konzernweit legte der Umsatz in den zwölf Monaten bis Ende März um 14 Prozent auf 2,18 Milliarden Euro zu. Damit erfüllte Heidelberger Druck auch die erst im Februar erhöhte Umsatzprognose. Die endgültigen Zahlen will Heidelberger Druck am 9. Juni veröffentlichen.

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