ROUNDUP: Heidelbergcement verdient deutlich weniger - Prognosen aber bestätigt

HEIDELBERG (dpa-AFX) - Der Baustoffkonzern Heidelbergcement <DE0006047004> zeigt sich trotz eines deutlichen Ergebnisrückgangs im Auftaktquartal weiter zuversichtlich für das laufende Jahr. "Das erste Quartal war kein einfaches für Heidelbergcement", sagte der Vorstandsvorsitzende Dominik von Achten am Mittwoch laut Mitteilung nach Börsenschluss. Auch wenn die Unsicherheiten in Bezug auf Energie- und Rohstoffverfügbarkeit sowie -kosten weiter hoch blieben, sehe das Unternehmen nach wie vor eine gute Nachfrage nach seinen Produkten in allen Regionen. Die Prognosen für das Gesamtjahr bestätigte das Unternehmen.

An der Börse überwog nach dem Ergebnisrückgang aber die Skepsis bezüglich der Prognose. Die Aktie verlor am Donnerstag am Vormittag mehr als sieben Prozent auf 50,74 Euro und gehörte damit zu den größten Verlierern im Leitindex Dax. Zwar habe der Zementhersteller die Jahresziele bekräftigt, schrieb Analystin Elodie Rall von der US-Bank JPMorgan. Ein schwaches erstes Quartal wecke aber Zweifel, ob das Unternehmen diese Ziele erreichen könne. Nach Ansicht von Analyst Pierre de Fraguier von der US-Investmentbank Goldman Sachs beinhalteten die Preis- und Kostentrends des Konzerns Risiken für den bestätigten Ergebnisausblick.

Im ersten Quartal kletterte der Umsatz im Jahresvergleich um 11,8 Prozent auf 4,4 Milliarden Euro. Der bereinigte Gewinn nach Steuern, Zinsen und Abschreibungen - das sogenannte RCOBD - ging um knapp 27 Prozent auf 394 Millionen Euro zurück. Heidelbergcement begründete den Ergebnisrückgang vor allem mit den deutlich gestiegenen Kosten für Energie und Transport. Der Konzern habe diese trotz Erhöhungen der Absatzpreise nur teilweise ausgleichen können. Zum Ergebnis unter dem Strich machte der Konzern zunächst keine Angaben.

Bei Umsatz und operativem Ergebnis übertrafen die Heidelberger die Schätzungen der Analysten. Das operative Ergebnis (Ebitda) liege um acht Prozent über seiner Annahme, schrieb Analystin Glynis Johnson vom Investmenthaus Jefferies. Allerdings seien die Markterwartungen an die Zahlen des Zementherstellers in den vergangenen Wochen gestiegen.

Um gut durch die Corona-Krise zu kommen, hatte Heidelbergcement bereits vor zwei Jahren ein Sparprogramm aufgesetzt. Zudem verkauft Unternehmenschef von Achten weniger rentable Konzernteile. 2021 verkaufte der Konzern unter anderem sein Geschäft im Westen der USA für 2,3 Milliarden US-Dollar (damals 1,9 Mrd Euro). Gleichzeitig baut der Konzern mit Zukäufen sein Geschäft aus. Erst jüngst erwarb das Unternehmen Meriwether Ready Mix, einen führenden Hersteller von Transportbeton im Großraum Atlanta.

Für das laufende Jahr rechnet Heidelbergcement weiter mit einem deutlichen Anstieg des Umsatzes und einer leichten Steigerung des operativen Ergebnisses. 2021 hatte der bereinigte Gewinn vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen fast 3,9 Milliarden Euro und der Umsatz 18,7 Milliarden Euro betragen. In den Prognosen werden Währungseffekte sowie der Kauf und Verkauf von Unternehmensteilen ausgeklammert.

Heidelbergcement ist eines der größten Baustoffunternehmen der Welt, in Deutschland nach eigenen Angaben Marktführer bei Zement und Transportbeton sowie bei Sand und Kies. Zement dient als Bindemittel bei der Herstellung von Beton für den Bau von Häusern oder Brücken. Das Unternehmen mit 51 000 Mitarbeitern will bis 2050 klimaneutralen Beton herstellen.

Der Umweltschutzverband Nabu kritisiert, dass acht Prozent der weltweiten Kohlendioxid-Emissionen auf das Konto der Zementproduktion gehen, die sich seit 1990 vervierfacht habe. Das entspricht etwa der vierfachen Menge des gesamten jährlichen Treibhausgasausstoßes Deutschlands.

Heidelbergcement will mit einer Minderheitsbeteiligung am kanadischen Technologieunternehmen Giatec Scientific in Höhe eines niedrigen einstelligen Millionenbetrags gegensteuern. Mit dem neuen Partner will Heidelbergcement Sensortechnologie und KI-gesteuerte Software entwickeln, um den CO2-Fußabdruck von Beton zu reduzieren und die Prozesse für seine Transportbetonkunden zu optimieren. Mithilfe intelligenter Sensoren können bis zu 20 Prozent Zement eingespart werden, hatte das Unternehmen am Dienstag mitgeteilt.

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