ROUNDUP/Handwerk: Corona-Hilfen müssen schnell bei Betrieben ankommen

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BERLIN (dpa-AFX) - Handwerkspräsident Hans Peter Wollseifer dringt darauf, dass Wirtschaftshilfen in der Corona-Krise schnell und zielgenau bei Betrieben ankommen. Er sagte der Deutschen Presse-Agentur: "Viele Betriebe sind schon beim ersten Lockdown ans Eingemachte gegangen und haben ihre Eigenkapitaldecke fast aufgebraucht. Erspartes ist jetzt nahezu vollständig aufgezehrt."

Die schärferen Maßnahmen zur Eindämmung der Pandemie nun seien eine harte Bewährungsprobe für viele Betriebe und könnten manche Firma endgültig überfordern. Die bisherigen Erfahrungen mit den Novemberhilfen seien ernüchternd, was das Tempo anbetrifft, mit dem die Verfahren laufen. "Das dauert alles viel zu lang, bis die Abschlagszahlungen dann tatsächlich bei den Betrieben ankommen. Die Durststrecke lässt sich so nicht überbrücken, sondern wird immer länger. Und damit nimmt auch der Druck auf die Betriebe zu."

Es gebe sehr viele betroffene Bereiche im Handwerk, zum Beispiel Dienstleister und Zulieferer der Hotellerie und Gastronomie, also etwa Wäschereien, Gebäudereiniger, aber auch Bäcker, Konditoren, Metzger und Bierbrauer. Dazu kämen Messebauer oder Friseure und Kosmetiker. "Den Betrieben muss so lange geholfen werden, wie der Lockdown andauert", sagte der Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks.

Die Bundesregierung hatte wegen der Beschränkungen im November und Dezember für betroffene Firmen etwa in der Gastronomie Hilfen angekündigt, erstattet werden Umsatzausfälle. Abschlagszahlungen der Novemberhilfe werden bereits ausbezahlt, für die Dezemberhilfe soll dies nach Angaben des Wirtschaftsministeriums spätestens Anfang Januar geschehen. Ab Januar gilt die Überbrückungshilfe III, erstattet werden dann betriebliche Fixkosten wie Mieten und Pachten.

Wollseifer rechnet in diesem Jahr nach einer konjunkturellen "Achterbahnfahrt" mit einem Umsatzminus von rund 4 Prozent für das deutsche Handwerk. "Das ist das erste Minus seit 2013, nach wirklich guten Jahren." Die Lage sei aber sehr unterschiedlich - vom Totalausfall bis zu relativ gut laufenden Betrieben, wie etwa beim Bau und Ausbau sowie bei Elektrikern, Sanitär, Heizung oder Klima.

Allerdings ließen Aufträge aus dem Wirtschafts- und öffentlichen Bau stark nach. "Grund dafür sind vermutlich die klammen Finanzen gerade im öffentlichen Bereich, aber eben auch die unzureichende digitale Arbeitsfähigkeit von Verwaltungen." Viele Betriebe bemängelten, dass in den Kommunalverwaltungen manches noch nicht digital ausgestattet sei.

"Das Handwerk ist mittlerweile auf einem sehr digitalen Weg, aber die Verwaltungen nicht, das muss sich schnellstens ändern", sagte Wollseifer. "Die digitale Bauakte fordern wir seit Jahren. In sehr vielen Kfz-Zulassungsstellen kann man die Autos nicht digital anmelden. All das müsste passieren. Bei den Kfz-Betrieben haben wir große Einbrüche auch deshalb, weil die Zulassungsstellen nicht ausreichend besetzt sind und die Zulassungen Wochen auf sich warten lassen. Dann stehen die Autos auf dem Hof und können nicht abgeholt werden."