ROUNDUP/Großbritannien: Ansprüche auf Arbeitslosenhilfe steigen mit Rekordtempo

LONDON (dpa-AFX) - Die Corona-Krise hat im April voll auf den britischen Arbeitsmarkt durchgeschlagen. Die Zahl der Menschen mit Anspruch auf Arbeitslosenhilfe ("Claimant Count") ist im April um 856 500 gestiegen, wie das Statistikamt ONS am Dienstag in London mitteilte. Dies ist der höchste jemals gemessene Anstieg. Im Vormonat hatte der Wert noch bei revidierten 5400 (zunächst 12 200) gelegen

Die britische Regierung hat in der Krise einen Schutzschirm für den Arbeitsmarkt aufgespannt. Laut Schätzungen wurden zunächst rund 7,5 Millionen Arbeitsplätze gerettet. Die britische Regierung orientierte sich hier am deutschen Kurzarbeitergeld. Allerdings steht das Schlimmste dem britischen Arbeitsmarkt laut Experten noch bevor. Die Wirtschaft könnte nach Berechnungen der britischen Notenbank in diesem Jahr um bis zu 14 Prozent schrumpfen.

Gleichzeitig wurden die Daten zur Arbeitslosenquote veröffentlicht, die nach den Methoden der Internationalen Arbeitsagentur (ILO) erhoben werden. Die Zahlen beziehen sich aber noch auf den März. Die Arbeitslosenquote ist in drei Monaten bis März von 4,0 auf 3,9 Prozent gefallen. Ökonomen hatten im Schnitt mit einer Quote von 4,3 Prozent gerechnet. Allerdings war die Corona-Krise im März noch nicht mit voller Wucht in Großbritannien angekommen. Die britische Regierung hatte später als andere Länder das öffentliche Leben eingeschränkt.

Die Beschäftigung stieg in den drei Monaten bis März stärker als erwartet. Es wurden in den drei Monaten 210 000 neue Arbeitsplätze geschaffen. Volkswirte hatten im Schnitt nur mit 30 000 neuen Stellen gerechnet. Arbeiter die sich in Kurzarbeit befinden, werden allerdings weiter als beschäftigt gezählt.

Die durchschnittlichen Löhne und Gehälter stiegen bis März ohne Bonuszahlungen um 2,7 Prozent. Im Vormonat hatten sie noch um 2,9 Prozent zugelegt.