ROUNDUP: Flugpassagiere aus London in Hannover gestoppt - ein positiver Test

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LANGENHAGEN (dpa-AFX) - Vom Flughafen direkt in die Quarantäne: Aus Sorge wegen der in Großbritannien entdeckten Variante des Coronavirus haben 62 Passagiere aus London die Nacht auf dem Flughafen Hannover verbringen müssen - bei einem Fluggast hat sich eine Infektion bestätigt. Weitere Labortests sollten nun klären, ob der Passagier sich mit der neuen, besonders ansteckenden Virus-Variante infiziert habe, teilte die Region Hannover am Montag mit. Wegen der neuen Virus-Variante war die Einreise von Flugpassagieren aus Großbritannien am Sonntagabend an mehreren deutschen Flughäfen zunächst gestoppt worden.

Der betroffene Fluggast in Hannover und die Begleitpersonen sollten nach Angaben der Region in einem Quarantäne-Transport zu ihrem Zielort gebracht werden. Dort müssten sie "separiert" werden. Die übrigen Passagiere hätten ein negatives Testergebnis erhalten, sie müssten nun aber an ihrem jeweiligen Zielort ebenfalls für zehn Tage in Quarantäne. Nach fünf Tagen hätten sie aber die Möglichkeit, sich "frei-testen" zu lassen - bei einem erneut negativen Testergebnis könne die Quarantäne vorzeitig beendet werden. Eine Frau, die zu den ursprünglich 63 Fluggästen aus Heathrow zählte, flog zurück nach London.

Angesichts der neuen Variante des Coronavirus schottet sich Europa immer mehr vom Vereinigten Königreich ab. Zum Schutz vor der Mutation dürfen seit Montag bis zunächst zum 31. Dezember keine aus Großbritannien kommenden Flugzeuge mehr in Deutschland landen. Das hatte das Bundesverkehrsministerium verfügt. Ausgenommen sind reine Frachtflüge. Auch andere europäische Länder hatten Flugverbote oder Grenzschließungen zum Vereinigten Königreich verkündet.

Grund für die Beschränkungen ist eine kürzlich entdeckte Mutation des Virus in Großbritannien, die nach ersten Erkenntnissen britischer Wissenschaftler um bis zu 70 Prozent ansteckender als die bisher bekannte Form sein soll. Die Variante breitet sich vor allem in London und Südostengland rasant aus. Der Virologe Christian Drosten geht aber davon aus, dass die Mutation Deutschland bereits erreicht hat. Das Virus komme seit Ende September in England vor.

Am Airport Hannover in Langenhagen wurden Feldbetten im Terminal D aufgebaut, die Passagiere wurden dort auch verpflegt. Es herrsche "große Vernunft", die Reisenden zeigten "ziemlich viel Verständnis für die Maßnahmen", betonte ein Sprecher der Bundespolizei.

Das Terminal D wird nach Angaben einer Flughafensprecherin normalerweise nur als Ausweichort bei Umbauarbeiten eines anderen Terminals oder für die Ankunft von Flüchtlingen genutzt - und ist für den Publikumsverkehr ohnehin gesperrt. Nach der Abreise der Fluggäste aus London wirkte das Gebäude wieder verlassen, von außen gab es keine Hinweise auf die Unterbringung der Menschen. Das Gebäude, das etwa so groß wie ein Fußballplatz ist, liegt rund 100 Meter entfernt von den anderen größeren Terminals. Es werde geprüft, wie die Halle nun gereinigt werden soll, sagte die Sprecherin. Dafür werde man sich bei Firmen, die sich auf professionelle Desinfektion spezialisiert haben, informieren.

Am Frankfurter Flughafen mussten rund 120 Passagiere aus Großbritannien die Nacht zum Montag im Transitbereich verbringen. Betroffen waren nach Angaben des Flughafens insgesamt fünf Flüge. Später gab es nach Angaben eines Sprechers der Bundespolizei ähnliche Anweisungen für Reisende aus Südafrika: Während einreisende Deutsche sich sofort in Quarantäne begeben, müssen Südafrikaner und Reisende aus Drittstaaten, die mit einem Flug aus Südafrika ankommen, zunächst einen Corona-Test machen.

Am Berliner Hauptstadtflughafen in Schönefeld warteten 77 Passagiere auf eine Klärung durch einen Corona-Test - überwiegend polnische Staatsbürger. Betroffen waren vier Flüge aus Großbritannien. Auch in Stuttgart mussten sich Flugreisende aus London testen lassen, im Transitbereich des Münchner Flughafens verbrachten rund 50 Passagiere aus Großbritannien die Nacht.