ROUNDUP: Finnen bei Uniper unter 50 Prozent - nur wenige Aktien angeboten

dpa-AFX

DÜSSELDORF (dpa-AFX) - Der finnische Energieversorger Fortum wird wohl neuer Großaktionär des Düsseldorfer Kraftwerksbetreibers Uniper - auch wenn sein Übernahmeangebot nur wenige Aktionäre angenommen haben. Genau 47,12 Prozent der Uniper-Anteile haben die Finnen bis zum Ende der zweiten Annahmefrist eingesammelt und damit eine Mehrheit der Papiere verfehlt. Darunter sind 46,65 Prozent, die ihnen der bisherige Großaktionär Eon für knapp 3,8 Milliarden Euro verkauft. Das gab Fortum am Mittwoch bekannt. Das Geschäft muss noch von den Kartellbehörden genehmigt werden.

Eon hatte Uniper 2016 abgespalten und an die Börse gebracht. In Deutschland betreibt der Versorger unter anderem große Kraftwerke in Nordrhein-Westfalen, Hessen, Niedersachsen und Sachsen-Anhalt.

Für Uniper-Chef Klaus Schäfer ist das Ergebnis zumindest ein Teilerfolg. Es ist ihm unter anderem mit der Ankündigung einer satten Dividendenerhöhung gelungen, die Aktionäre bei der Stange zu halten. "Wir sehen uns gestärkt durch das Vertrauen der Aktionäre", kommentierte er das Ergebnis. Der Kapitalmarkt glaube weiter an "unsere dauerhafte Wettbewerbsfähigkeit als unabhängiges Unternehmen".

Schäfer hatte die Kaufofferte der Finnen zunächst als "feindlichen Vorstoß" gebrandmarkt. Sogar Anzeigen in finnischen Tageszeitungen, die das Angebot madig zu machen versuchten, ließen die Düsseldorfer schalten. Ihre Befürchtungen: Fortum könne die zu seinem Portfolio passenden Teile aus seiner Neuerwerbung herauslösen und den Rest verkaufen.

Fortum-Chef Pekka Lundmark hat in den vergangenen Monaten versucht, solche Befürchtungen zu zerstreuen. Fortum strebe eine Zusammenarbeit an, von der beiden Seiten profitierten. Uniper produziere seinen Strom überwiegend aus Gas und mit Wasserkraft, das sei die große Stärke der Fortum-Neuerwerbung. "Gas wird eine immer größere Rolle spielen, um die Energieversorgung zu sichern." Gerade nach dem Ende der Atomkraft in Deutschland. Deshalb sei Uniper ein gutes Investment für Fortum.

Lundmark versicherte am Mittwoch erneut, er sei mit den bisher von Eon gehaltenen rund 47 Prozent an Uniper vollkommen zufrieden. Fortum hatte inklusive Dividende 22 Euro je Aktie für Uniper geboten. Während der Annahmefrist lag der Börsenkurs aber zumeist deutlich darüber. Auch das Eon-Paket allein dürfte aber ausreichen, um den Finnen zu einer Hauptversammlungs-Mehrheit und damit zu großem Einfluss zu verhelfen.

Zu Lundmarks Charmeoffensive gehört auch die Versicherung, Fortum werde die Zusagen des Uniper-Managements an die Mitarbeiter respektieren. Im Zuge eines Sparpakets hatte Uniper unter anderem den Verzicht auf betriebsbedingte Kündigungen zugesagt. Der Uniper-Betriebsrat hatte befürchtet, mehr als 1000 der 13 000 Jobs könnten in Gefahr sein.

Mittlerweile reden beide Seiten miteinander. Es gehe dabei um die berechtigten Belange der Mitarbeiter und die strategische und finanzielle Unabhängigkeit von Uniper, sagte Schäfer. "Erste kleine Schritte dazu haben wir bereits unternommen. Aber ein gutes Stück Weg liegt noch vor uns." Und das könnte dauern. Denn Lundmark hat betont: "Wir haben keine Eile."