ROUNDUP: Finanzinvestoren wollen Aareal Bank schlucken - Übernahmeofferte

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WIESBADEN (dpa-AFX) - Die Finanzinvestoren Advent und Centerbridge machen mit der Übernahme der Aareal Bank <DE0005408116> Ernst. Die Unternehmen wollen für jede Aktie des Gewerbeimmobilien-Finanzierers 29 Euro bieten, wie sie und die Bank am Dienstag mitteilten. Damit bewerten sie das Wiesbadener Institut mit mehr als 1,7 Milliarden Euro. Die Bank hatte Anfang Oktober Gespräche öffentlich gemacht und Preis von 29 Euro je Aktie bereits als Verhandlungsgrundlage genannt. Damals war noch der Finanzinvestor Towerbrook mit an Bord, der inzwischen abgesprungen ist.

An der Börse kamen die Nachrichten gut an. Die Aareal-Bank-Aktie, die am Montagabend mit 28,10 Euro aus dem Handel gegangen war, legte nach Handelsbeginn am Dienstag zeitweise auf bis zu 29,30 Euro zu und war zuletzt mit einem Plus von 3,91 Prozent auf 29,20 Euro klarer Spitzenreiter im Nebenwerte-Index SDax <DE0009653386>.

Als Bedingung für die Übernahme gilt nun, dass die Anteilseigner den Finanzinvestoren mindestens 70 Prozent der Aktien andienen. Außerdem müssen die Aufsichtsbehörden dem Deal noch zustimmen. Die Aareal-Bank-Aktie hatte bereits nach Bekanntwerden der Gespräche am 7. Oktober kräftig zugelegt. Das Gebot der Finanzinvestoren von 29 Euro entspreche einer Prämie von rund 35 Prozent auf den volumengewichteten Drei-Monats-Durchschnittskurs vor Bestätigung der Gespräche, hieß es nun.

Den Mitteilungen zufolge stehen die Investoren hinter der Strategie der Bank und wollen das Wachstum der Gruppe beschleunigen. "Wir wollen in die Gruppe investieren, um die Segmente der Bank weiterzuentwickeln", sagte Advent-Deutschlandchef Ranjan Sen. Centerbridge-Europa-Manager Ben Langworthy zeigte sich "überzeugt, dass die Aareal Bank mit einer stabilen Aktionärsbasis den Fokus besser auf ihre längerfristigen Ziele legen kann".

Die Finanzinvestoren wollen dabei nach eigenen Angaben die bestehende strategische Ausrichtung der Bank unterstützen. Zudem wollen sie ihre Position als internationaler Anbieter von Immobilien- und anderen immobilienbasierten Finanzierungen sowie von Software, digitalen Lösungen und Zahlungsverkehrsdienstleistungen stärken. Dabei gehe es auch um verstärkte Investitionen. Die Investoren sind der Aareal Bank zufolge bereit, weiteres Eigenkapital zur Verfügung zu stellen, um weiteres Geschäftswachstum zu ermöglichen.

Vorstand und Aufsichtsrat der Bank stehen hinter dem Vorhaben. "In unseren Gesprächen sind wir zu der Überzeugung gelangt, dass wir dieses Potenzial gemeinsam noch besser ausschöpfen können, durch kräftige Investitionen ebenso wie durch unsere kombinierte Expertise und unsere Marktzugänge", sagte der neue Vorstandschef Jochen Klösges.

Mit zusätzlichem Kapital könnte die Bank ihr Neugeschäft nach eigenen Angaben wesentlich stärker ausweiten als bisher geplant. Das angekündigte Angebot sei deshalb im besten Interesse der Bank und ihrer Stakeholder. Das Institut peilt für die kommenden etwa fünf Jahre nun eine Steigerung des Kreditportfolios um rund ein Drittel auf bis zu 40 Milliarden Euro an.

Der frühere Commerzbank-Manager <DE000CBK1001> Klösges war erst Mitte September an die Spitze der Aareal Bank gerückt. Eine Übernahme des Instituts durch Finanzinvestoren gehörte ihm zufolge nicht zu seinen Ideen. "Wir haben diese Gespräche nicht gesucht", hatte er kürzlich betont. "Die Investoren sind an uns herangetreten."

Um die geplanten Investitionen zu finanzieren, soll die Bank ihre Gewinne künftig nicht mehr an die Anteilseigner ausschütten. Der bisher geplante zweite Teil der Dividende für 2020 soll daher bei einem Erfolg des Angebots nicht ausgezahlt werden. Eigentlich hätten die Aktionäre bei einer außerordentlichen Hauptversammlung am 9. Dezember über die Ausschüttung von 1,10 Euro je Aktie entscheiden sollen, die die Bank wegen der Corona-Krise zunächst zurückgehalten hatte. Dieser Punkt werde nun von der Tagesordnung gestrichen, hieß es.

Der Finanzinvestor Advent, der die Übernahme nun mit Centerbridge und weiteren Investoren angeht, ist für die Aareal Bank kein Unbekannter. Das Institut hatte den Finanzinvestor im vergangenen Jahr als Anteilseigner bei seiner IT-Tochter Aareon ins Boot geholt. Advent hält seitdem 30 Prozent an der Tochtergesellschaft, die Software und Dienstleistungen für die Immobilienbranche anbietet und ihr Geschäft seit einiger Zeit mit kleineren Zukäufen ausbaut.

Falls Advent und Centerbridge mit ihrer Offerte durchschlagenden Erfolg haben, könnten sie die Aareal Bank von der Börse nehmen. Wiederholt wurde spekuliert, dass die Finanzinvestoren die IT-Tochter Aareon von dem Konzern abtrennen könnten. Davon ist in den Mitteilungen zur geplanten Übernahme aber nicht die Rede - im Gegenteil. Die Bieter hätten zugesagt, den Konzern in der bestehenden Zusammensetzung fortzuführen, stellte die Bank klar.

Im Sommer hatte sich die Bank im Tagesgeschäft von den Einschlägen durch die Corona-Krise erholt. Nach einem aus Sicht des Managements "erfreulichen" dritten Quartal peilt der Vorstand für 2021 einen Betriebsgewinn zwischen 100 und 175 Millionen Euro an. Angesichts der sich verschärften Corona-Lage zeigte sich der Vorstand zuletzt allerdings weiter vorsichtig und verwies auf die bitteren Erfahrungen aus dem vergangenen Winter. Da hatte die Bank die Rückstellungen für gefährdete Kredite deutlich nach oben gesetzt - und das Corona-Jahr 2020 mit roten Zahlen abgeschlossen.

Unterdessen wurde am Freitagabend bekannt, dass der tschechische Investor Daniel Kretinsky seinen Aareal-Anteil von 3,08 auf 7,80 Prozent erhöht hatte. Zuletzt wurde spekuliert, dass Kretinsky sich in das Ringen um die Zukunft der Aareal einmischen könnte.

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