ROUNDUP: EZB beschleunigt Wertpapierkäufe - Debatte über Ausstieg

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FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Europäische Zentralbank (EZB) scheint ihre Ankündigung erhöhter Wertpapierkäufe in die Tat umzusetzen. In der vergangenen Woche zogen die Käufe spürbar an, wie aus Daten der EZB vom Montag hervorgeht. Demnach beliefen sich die gesamten Wertpapierkäufe auf 28,7 Milliarden Euro. Die Käufe über das Corona-Kaufprogramms PEPP betrugen 21,1 Milliarden Euro. Das sind jeweils die höchsten Werte seit Anfang Dezember. In der Vorwoche hatten die Käufe deutlich niedriger gelegen.

Die EZB hatte auf ihrer jüngsten Zinssitzung Anfang März angekündigt, die Wertpapierkäufe über ihr 1,85 Billionen Euro schweres Corona-Notprogramm PEPP übergangsweise zu beschleunigen. Hintergrund ist der aus den USA nach Europa drängende Anstieg der Kapitalmarktzinsen, der die Finanzierung von Haushalten und Unternehmen verteuert und die wirtschaftliche Entwicklung zu belasten droht. Bisher hatten sich die wöchentlichen Käufe der Notenbank allerdings nicht nennenswert beschleunigt.

Unterdessen scheint die Diskussion über eine perspektivisch weniger lockere Geldpolitik langsam in Fahrt zu kommen. Der niederländische Notenbankchef Klaas Knot sagte am Montag, die EZB könnte das Wertpapier-Kauftempo im Sommer wieder verringern, falls sich die Wirtschaft erwartungsgemäß entwickele. Im späteren Jahresverlauf könnte dann eine Debatte beginnen, wie die extrem lockere Geldpolitik wieder zurückgedreht werden könne.

"Solange wir uns in einer Situation mit Kontaktbeschränkungen befinden, ist klar, dass das Pandemie-Notfallkaufprogramm nicht gestoppt wird", sagte Knot während einer Pressekonferenz. "Aber wenn wir mit den Impfungen gute Fortschritte machen, wird dieser Moment irgendwann später in diesem Jahr kommen." Knot gilt ähnlich wie Bundesbankchef Jens Weidmann als Vertreter einer eher straffen Geldpolitik.

EZB-Präsidentin Christine Lagarde schlug solche Töne nicht an. In einem Beitrag für den Internetblog der EZB bekräftigte sie ihre Einschätzung, dass der kurzfristige Wirtschaftsausblick ungewiss sei. Sie verwies auf das Tempo der europäischen Impfkampagne. Die europäischen Impfungen verlaufen wesentlich langsamer als die Kampagnen anderer Länder und Wirtschaftsräume. Die EZB stehe bereit, alle geldpolitischen Instrumente soweit nötig anzupassen, bekräftigte Lagarde.