ROUNDUP/Eurozone: Inflation klettert auf Rekordwert von 10,7 Prozent

LUXEMBURG (dpa-AFX) -Die Inflation in der Eurozone hat im Oktober erneut einen Rekordwert erreicht. Gegenüber dem Vorjahresmonat stiegen die Verbraucherpreise um 10,7 Prozent, wie das Statistikamt Eurostat am Montag in Luxemburg in einer ersten Schätzung mitteilte. Volkswirte hatten mit einer Rate von 10,3 Prozent gerechnet. Die Oktober-Rate ist die höchste seit Einführung des Euro als Buchgeld 1999. Im Vormonat waren die Verbraucherpreise um 9,9 Prozent gestiegen.

"Die Inflationsdynamik erschreckt", kommentierte Thomas Gitzel, Chefvolkswirt der VP Bank. "Die Inflation ist mittlerweile ein gewaltiger Tanker, dessen Bugwelle das Wirtschaftswachstum beiseiteschieben wird." Im dritten Quartal war die Wirtschaft der Eurozone mit 0,2 Prozent zum Vorquartal noch etwas stärker gewachsen als erwartet. "Es waren vor allem Corona-Nachholeffekte, die das BIP über Wasser hielten", schreibt Gitzel.

"Die Inflationsrate hat wahrscheinlich noch immer nicht den Hochpunkt erreicht", schreibt Commerzbank-Volkswirt Christoph Weil. Das Ziel der Europäische Zentralbank (EZB), die Inflationsrate wieder nachhaltig auf knapp zwei Prozent zu drücken, rücke in weite Ferne. "Sie wird ihre Inflationsprojektionen im Dezember einmal mehr deutlich nach oben revidieren müssen." Damit nehme auch der Druck auf den EZB-Rat zu, die Leitzinsen weiter kräftig zu erhöhen. Die Commerzbank erwarte daher im Dezember wiederum eine Leitzinserhöhung um 0,75 Prozentpunkte. Die Notenbank hatte am vergangenen Donnerstag ihr Leitzinsen erneut um 0,75 Prozentpunkte erhöht.
Seit Juli hat die EZB den Hauptrefinanzierungssatz von null Prozent auf 2,0 Prozent angehoben.

Getrieben wurde die Teuerung erneut durch den starken Anstieg der Energiepreise, die sich zum Vorjahresmonat um 41,9 Prozent erhöhten. Zudem beschleunigte sich aber auch der Preisauftrieb bei Lebens- und Genussmittel, die um 13,1 Prozent zum Vorjahr zulegten. Stärker stiegen auch die Preise von Industriegütern ohne Energie und von Dienstleistungen. Die Kerninflation, bei der besonders schwankungsanfällige Preise von Energie, Lebens- und Genussmitteln nicht berücksichtigt werden, stieg zum Vorjahr von 4,8 auf 5,0 Prozent.

Im Vergleich zum Vormonat stiegen die Verbraucherpreise im Oktober um 1,5 Prozent. Hier war ein Zuwachs um 1,2 Prozent erwartet worden.

Die höchsten Inflationsraten im Währungsraum wiesen mit mehr als 20 Prozent einmal mehr die drei baltischen Staaten auf. So betrug die Jahresinflationsrate in Estland 22,4 Prozent. In Deutschland zog die nach europäischen Standards berechnete Inflationsrate auf 11,6 Prozent an. Frankreich hat mit 7,1 Prozent die niedrigste Inflationsrate in der Eurozone.