ROUNDUP/EU-Länder: Grenzkontrollen in Corona-Krise behutsam lockern

BRÜSSEL (dpa-AFX) - Die EU-Staaten wollen die in der Corona-Krise eingeführten Grenzkontrollen nur mit aller Vorsicht lockern. Man sei sich darüber einig gewesen, dass man beim Öffnen der europäischen Binnengrenzen ebenso behutsam vorgehen müsse wie bei einer möglichen Öffnung der EU-Außengrenzen, sagte der kroatische Innenminister Davor Bozinovic am Dienstag nach einer Videoschalte mit seinen EU-Kollegen. Kroatien hat derzeit den Vorsitz der EU-Staaten inne.

Bozinovic betonte, die 27 Länder wollten alle Lockerungen der Corona-Maßnahmen in enger Abstimmung miteinander vornehmen, um eine zweite Infektionswelle zu vermeiden. "Die Einschränkungen werden nach und nach gelockert und zuerst in Feldern und Bereichen mit einem vergleichsweise geringen Risiko, was die Verbreitung des Virus angeht", sagte Bozinovic. Auch EU-Innenkommissarin Ylva Johansson betonte, die Grenzkontrollen dürften nicht auf einmal, sondern nach und nach aufgehoben werden. Zu Beginn der Coronavirus-Krise hatten etliche Länder wieder Kontrollen im eigentlich kontrollfreien Schengenraum eingeführt, zu dem insgesamt 26 europäische Länder gehören.

PORTUGAL NIMMT 50 MINDERJÄHRIGE AUS GRIECHISCHEN MIGRANTENLAGERN AUF

Zugleich kündigte Johansson an, dass schon bald weitere unbegleitete Minderjährige aus den völlig überfüllten Flüchtlingslagern auf den griechischen Inseln umgesiedelt würden. Zuletzt hatten Deutschland und Luxemburg insgesamt 59 Kinder und Jugendliche aufgenommen. In Kürze werde auch Portugal Kinder von den griechischen Inseln aufnehmen, sagte die Schwedin. Aus der EU-Kommission hieß es am Dienstag, Lissabon werde im Mai 50 Kinder umsiedeln.

Insgesamt haben sich nach von Johansson zehn EU-Staaten dazu bereiterklärt, zusammen mindestens 1600 Kinder aufzunehmen. Wegen der Corona-Krise hatte sich das Vorhaben zuletzt allerdings verzögert.

Zugleich rief Johansson die EU-Staaten auf, Italien und Malta bei der Versorgung aus Seenot geretteter Migranten zu helfen. Beide Staaten stünden sowohl wegen der Coronavirus-Pandemie als auch wegen der Migranten enorm unter Druck.

Die Innenkommissarin will schon bald den angekündigten Vorschlag der EU-Kommission für eine neue EU-Asyl- und Migrationspolitik vorlegen. Die Arbeit daran sei mehr oder weniger abgeschlossen, sagte Johansson. Derzeit gebe es wegen der Pandemie allerdings Änderungen am Arbeitsprogramm der Kommission. Aber sie sehe die Dringlichkeit, die neuen Vorschläge schon bald vorzulegen.

Die EU-Staaten streiten seit Jahren über die gemeinsame Asylpolitik. Eine Einigung scheitert vor allem an der Verteilung von Asylbewerbern auf alle Länder. Ungarn, Polen, Österreich und andere lehnen es ab, sich zur Aufnahme zu verpflichten.