ROUNDUP: Drohendes Aus für LNG-Terminal in Wilhelmshaven 'in bisheriger Form'

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ESSEN/WILHELMSHAVEN (dpa-AFX) - Das seit langem geplante Flüssigerdgas-Terminal in Wilhelmshaven steht in seinem ursprünglichen Umfang auf der Kippe. Es gebe zu wenig konkretes Interesse von Partnern, dort Kapazitäten für Importe des Rohstoffes fest zu reservieren, teilte der bei dem Großprojekt federführende Energiekonzern Uniper <DE000UNSE018> am Freitag mit. Die Absichten der Marktteilnehmer reichten für eine "Fortsetzung in bisheriger Form" nicht aus. Man prüfe nun eine geringere Dimension und kürzere Laufzeit.

Nach Uniper-Angaben wurde ein Verfahren zur Ermittlung des konkreten Interesses beendet. "Zahlreiche Unternehmen hatten teilgenommen und ihr allgemeines Interesse erklärt, aber zu wenige hatten verbindliche Buchungen vorgenommen", hieß es. "Die Projektgesellschaft überlegt nun mehrere neue Optionen, wie der Standort Wilhelmshaven als Importhafen für umweltfreundliches Gas genutzt werden kann." Dabei könne es langfristig auch um die Einfuhr von Wasserstoff gehen.

"Sicher haben wirtschaftliche Unsicherheiten in dem aktuellen Umfeld eine Rolle gespielt", sagte Projektleiter Oliver Giese zu den Überlegungen. "Die Ergebnisse des Interessenbekundungsverfahrens machen es erforderlich, die Dimension und Ausrichtung des geplanten Terminals so zu überarbeiten, dass eine Investition für die Marktakteure attraktiv und für (...) Uniper wirtschaftlich berechenbar ist." Die Investitionsentscheidung war bereits länger geprüft worden.

Verflüssigtes Erdgas gilt als möglicher "Brückenträger" in der Energiewende, es gibt jedoch auch Kritik an seiner stärkeren Nutzung. Vor allem Katar fördert den Rohstoff, auch die USA wollen ihn in großem Maßstab nach Europa exportieren und sind aus diesem Grund strikt gegen den Weiterbau der Ostsee-Pipeline Nord Stream 2 zwischen Russland und Deutschland. Im Juli hatte es geheißen, der Wilhelmshavener Standort stehe zudem wegen eines geschützten Unterwasser-Biotops noch nicht fest. Neben Wilhelmshaven laufen auch in Brunsbüttel, Stade und Rostock Planungen für LNG-Terminals.