Deutschland stellt Flugverkehr aus Großbritannien ab Mitternacht ein

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Deutschland und andere EU-Länder stellen wegen einer neuen Variante des Coronavirus den Flugverkehr mit Großbritannien ein. In Deutschland werden alle Flüge aus dem Königreich ab Sonntag um Mitternacht gestoppt, wie Bundesgesundheitsminister Jens Spahn (CDU) ankündigte. Auch die Niederlande, Belgien, Luxemburg, Italien, Österreich und Irland kappten ihre Flugverbindungen mit Großbritannien oder kündigten dies an. Die britische Regierung warnte, die mutmaßlich ansteckendere Virus-Mutation in England sei "außer Kontrolle".

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Deutschland will den Flugverkehr aus Großbritannien stoppen (Bild: AFP)

Die neue Virus-Mutation wird für einen starken Anstieg der Infektionszahlen im Süden Englands verantwortlich gemacht. Ersten Erkenntnissen zufolge ist die Mutation "bis zu 70 Prozent ansteckender" als die bisher verbreitete Form des Coronavirus, wie der britische Premierminister Boris Johnson sagte. Sie führe aber wohl nicht zu schweren Krankheitsverläufen und einer höheren Sterblichkeit. Es gebe auch keine Hinweise, dass die Wirksamkeit von Impfstoffen durch den neuen Virus-Stamm beeinträchtigt werde, versicherte Johnson.

In London und Südostengland trat wegen der neuen Virus-Mutation am Sonntag ein strenger Lockdown mit weitgehenden Ausgangsbeschränkungen in Kraft. Die Menschen sind mindestens bis zum 30. Dezember angewiesen, ihre Wohnungen nur noch in Ausnahmefällen zu verlassen. Alle Geschäfte, die nicht der Grundversorgung dienen, müssen schließen. Auch in Wales gilt seit Sonntag ein harter Lockdown, Schottland und Nordirland folgen am 26. Dezember.

Außerhalb Großbritanniens wurden bisher elf Fälle der neuen Virus-Mutation gemeldet - neun in Dänemark und je einer in den Niederlanden und Australien. In Deutschland sei die Mutation bisher noch nicht nachgewiesen worden, sagte Spahn in der ARD. Eine deutlich schnellere Übertragbarkeit, wie sie vermutet werde, würde aber "viel verändern" - ein Einschleppen nach Deutschland und Kontinentaleuropa müsse daher unterbunden werden.

Einreisestopp: Frankreich stoppt gesamten Personenverkehr aus Großbritannien für 48 Stunden

Nach Angaben aus Regierungskreisen in Berlin wird der Flugverkehr mit Großbritannien vorerst bis zum 31. Dezember ausgesetzt. An weiteren Regelungen werde noch gearbeitet. Für den See- und Straßenverkehr arbeitet die EU demnach noch an einer gemeinsamen Entscheidung zu Einschränkungen. In einer Verordnung sollten ab Montag auch Einreisen aus Südafrika eingeschränkt werden, sagte Spahn. Auch dort zirkuliert eine mutierte Variante, die ansteckender sein soll.

Bundeskanzlerin Angela Merkel (CDU) hatte am Sonntag bereits mit Frankreichs Präsident Emmanuel Macron sowie mit EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident Charles Michel beraten. Wie die "Bild"-Zeitung berichtete, will die EU Anfang der Woche über die komplette Einstellung des Personenverkehrs zwischen dem europäischen Festland und dem Königreich entscheiden. Waren sollen demnach allerdings weiter transportiert werden dürfen.

Zuerst hatten die Niederlande ein Landeverbot für Passagiermaschinen aus Großbritannien verhängt. Die Regelung trat bereits am Sonntagmorgen in Kraft und gilt bis zum 1. Januar. Belgien kappt in der Nacht zum Montag ebenfalls die Verkehrsverbindungen zum Vereinigten Königreich. Flüge und Züge würden ab Mitternacht gestoppt, teilte die Regierung mit. Regierungschef Alexander De Croo kündigte an, die Maßnahme werde für mindestens 24 Stunden gelten.

Auch die italienische Regierung stoppte Flüge von und nach Großbritannien. Außenminister Luigi Di Maio erklärte auf Facebook, dies sei zum "Schutz der Italiener" nötig. Gesundheitsminister Roberto Speranza kündigte auch ein Einreiseverbot für Menschen an, die sich in den vergangenen 14 Tagen in Großbritannien aufgehalten haben.

Irland kündigte einen Stopp aller Flüge aus Großbritannien ab Mitternacht für mindestens 48 Stunden an. Auch Österreich wollte ein Landeverbot für Flüge aus Großbritannien verhängen, wie die Nachrichtenagentur APA unter Berufung auf das Gesundheitsministerium berichtete. In Paris fand am Abend ein Krisentreffen unter Vorsitz von Präsident Macron zur Corona-Lage und zur Reaktion auf die neue Virus-Mutation statt.

Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) forderte ihre europäischen Mitgliedsstaaten zu einer Verschärfung ihrer Corona-Maßnahmen auf. Die Länder sollten "ihre Kontroll- und Vorbeugemaßnahmen verstärken", sagte eine Sprecherin.

Bisher ist die Mutation in Deutschland noch nicht nachgewiesen worden, wie der Chefvirologe der Berliner Charité, Christian Drosten, bei Twitter schrieb.

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