ROUNDUP: Deutsche Telekom erhöht Prognose - T-Systems belastet unterm Strich

dpa-AFX

(neu: Aussagen aus Telefonkonferenz, Kurs aktualisiert, Analystenstimme.)

BONN (dpa-AFX) - Die Deutsche Telekom ist dank guter Geschäfte in den USA und in Deutschland erneut optimistischer geworden. Vorstandschef Tim Höttges hob am Donnerstag mit den Geschäftszahlen aus dem dritten Quartal zum zweiten Mal nacheinander die Ergebnisprognose an. Änderungen am Ausblick haben beim Dax-Konzern eigentlich Seltenheitswert - doch das gute Abschneiden in den Kerngeschäften spielt den Bonnern in die Hände. Nach dem Aus der Fusionsgespräche für das US-Geschäft wollte Höttges weiteren Gesprächen zudem keinen Riegel vorschieben. Die T-Aktie konnte wieder etwas Boden gut machen.

Für das Gesamtjahr stellt Finanzchef Thomas Dannenfeldt nun ein um Sondereffekte bereinigtes Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (Ebitda) zwischen 22,4 und 22,5 Milliarden Euro in Aussicht, klammert dabei aber Währungseffekte aus. Vorher standen 22,3 Milliarden Euro im Plan. "Unser boomendes US-Geschäft und unsere starke Performance in Deutschland sowie die positiven Trends in den europäischen Landesgesellschaften machen das möglich", sagte Höttges. US-Spartenchef John Legere hatte vor gut zwei Wochen ebenfalls die eigene Ergebnisprognose angehoben.

Die T-Aktie lag am Mittag mit 0,3 Prozent im Plus, während der Dax und der europäische Telekomsektor nachgaben. Nach der Absage an eine geplante Fusion mit dem US-Mobilfunker Sprint vom vergangenen Wochenende war das Papier deutlich unter Druck gekommen. Vom Mehrjahreshoch aus dem Juni bei über 18 Euro ist die Aktie mit gut 15 Euro aber ohnehin weit entfernt.

Höttges schloss weitere Gespräche über eine mögliche Fusion in den USA nicht aus. "Ich werde keine Tür zuschlagen, warum sollten wir das auch", sagte er in einer Telefonkonferenz. Es sei die Pflicht des Managements, Möglichkeiten für Einsparungen und Größenvorteile zu prüfen, wenn sie sich böten. T-Mobile US sei aber auch für eine eigenständige Zukunft hervorragend positioniert. Mit dem japanischen Softbank-Konzern sowie dessen US-Mobilfunktochter Sprint hatte Höttges seit Monaten einen Zusammenschluss durchgesprochen.

Doch letztlich bliesen er und Softbank-Chef Masayoshi Son das Vorhaben ab - vor allem die Kontrolle über ein neues US-Unternehmen war ein Knackpunkt. Höttges und auch Son sehen in dem US-Markt soviel Potenzial, dass sie die Zügel jeweils nicht aus der Hand geben wollten. Im April erst hatte T-Mobile US in einer Frequenzversteigerung 8 Milliarden Dollar für Mobilfunklizenzen ausgegeben.

Von Juli bis Ende September belastete die Telekom eine 1,2 Milliarden Euro schwere Abschreibung auf das schwächelnde Geschäft der IT-Tochter T-Systems. Der Auftragseingang habe sich nicht so entwickelt wie erwartet, sagte Dannenfeldt - und das sei auch nicht mehr aufzuholen. In dem Geschäft wandert viel klassisches IT-Outsourcing von Unternehmen wegen Kosten- und Technologievorteilen derzeit in die Cloud, also ins Internet. Hier wächst auch T-Systems ordentlich, doch das Neugeschäft kann die wegbrechenden Verträge nicht wettmachen.

Auch ein Sonderertrag aus der Neubewertung von US-Mobilfunklizenzen konnte die Belastungen nicht ganz auffangen. Der Konzerngewinn rutschte um gut die Hälfte auf 507 Millionen Euro ab. Ohne Sondereffekte hätte er um rund ein Fünftel zugelegt.

Im Tagesgeschäft lief es rund, auch dank des deutschen Mobilfunkgeschäfts. Der Umsatz kletterte konzernweit um 0,8 Prozent auf 18,25 Milliarden Euro, das bereinigte operative Ergebnis um 3,3 Prozent auf 5,72 Milliarden Euro. Dabei lieferte der wiedererstarkte Euro kräftig Gegenwind. Aus eigener Kraft, ohne Zu- und Verkäufe sowie Wechselkurseinflüsse, hätte der Erlös um 3,3 Prozent zugelegt, das operative Ergebnis um 5,7 Prozent.

Der Mobilfunkserviceumsatz in Deutschland legte trotz Belastungen aus abgeschaffter EU-Roaminggebühr sowie gekappten Durchleitungsentgelten überraschend und kräftig um 0,9 Prozent zu. Ohne die Regulierungseinschnitte hätte es sogar ein Plus von 3,7 Prozent gegeben, rechnete das Unternehmen vor. Seit einiger Zeit fährt das Unternehmen im Mobilfunk die Strategie "Mehr für mehr" gegen Wettbewerbsdruck und sinkende Preise - mehr Datenvolumen und schnellere Datenraten sollen die Kunden von teureren Tarifen überzeugen.

Im Festnetz bremste der Konzern die Umsatzrückgänge vor allem dank weiter steigender Erlöse mit dem Fernsehgeschäft über die Internetleitung. Analystin Heike Pauls von der Commerzbank wertete diesmal gar das starke operative Ergebnis in Deutschland als den Grund, warum die Telekom besser abschnitt als vom Kapitalmarkt gedacht - in letzter Zeit war zunehmend T-Mobile US der Star in der Telekom-Bilanz gewesen.

Unter anderem für den Glasfaserausbau in Europa und schnelle Mobilfunkabdeckung steckt die Telekom aber weiter viel Geld ins Netz. Ohne Ausgaben für Mobilfunklizenzen investierte die Telekom im dritten Quartal konzernweit gut 3 Milliarden Euro, rund 10 Prozent mehr als vor einem Jahr. Höttges erneuerte zudem die Kampfansage an die Konkurrenten von Vodafone und United Internet (1&1 Versatel) beim Anschluss von Gewerbegebieten mit schnellen Glasfaseranschlüssen.