ROUNDUP: Deutsche Börse leidet unter ruhigen Märkten - Jahresprognose wackelt

dpa-AFX

FRANKFURT (dpa-AFX) - Die Ruhe an den Finanzmärkten macht der Deutschen Börse zu schaffen. Das Wachstum im ersten Halbjahr wurde merklich gebremst. Zudem belasteten die Ermittlungen gegen Börsenchef Carsten Kengeter wegen möglichen Insiderhandels die Zwischenbilanz - die Deutsche Börse legte für etwaige Geldbußen in diesem Zusammenhang 10,5 Millionen Euro zurück, wie aus dem am Mittwochabend vorgelegten Halbjahresbericht hervorgeht.

Angesichts der ruhigen Märkte ist die Frage nun, ob die Deutsche Börse ihre Ziele fürs Gesamtjahr noch erreichen kann. Die Anleger zeigten sich verunsichert: Nach dem Ende des Xetra-Hauptgeschäfts rutschte die Aktie des Frankfurter Börsenbetreibers auf der Handelsplattform Tradegate um 3 Prozent ab.

FINANZCHEF: UMFELD IM ZWEITEN HALBJAHR MUSS SICH BESSERN

Die Geschäftsentwicklung habe insgesamt leicht unter den Erwartungen gelegen, sagte Finanzvorstand Gregor Pottmeyer in Eschborn bei Frankfurt. Es sei aber weiterhin möglich, das untere Ende der Ergebnisprognose für das Gesamtjahr zu erreichen. "Voraussetzung hierfür ist eine Verbesserung des zyklischen Umfelds im zweiten Halbjahr."

Die Nettoerlöse sollen eigentlich zum Vorjahr um 5 bis 10 Prozent zulegen, der Überschuss auf bereinigter Basis um 10 bis 15 Prozent. Die Deutsche Börse lag bei beiden Kennziffern im ersten Halbjahr unter diesen Werten: Das Wachstum bei den Nettoerlösen lag bei 3 Prozent, der bereinigte Überschuss stieg um 6 Prozent.

HOFFEN AUF POLITISCHE EREIGNISSE

Der Börsenbetreiber hofft nun insbesondere darauf, dass der Handel an den Aktienmärkten wieder in Schwung kommt. Die Chancen dafür stünden gar nicht schlecht, sagte die Deutsche Börse und verwies auf die begonnenen Verhandlungen um den Austritt Großbritanniens aus der Europäischen Union sowie die im Herbst anstehenden Wahlen in Deutschland und Italien.

Nach den politischen Wirren um das Brexit-Referendum und um die Wahl Donald Trumps zum US-Präsidenten war in den vergangenen Monaten relative Ruhe am Finanzmarkt eingekehrt. Das hatte sich bereits in den Geschäftsergebnissen der großen US-Banken niedergeschlagen. An diesem Donnerstag (27. Juli) wird die Deutsche Bank einen Einblick in ihr Geschäft geben.

CLEARSTREAM IST WACHSTUMSTREIBER

Die Deutsche Börse konnte die ruhigen Märkte zumindest etwas abfedern dank ihrer breiten Aufstellung mit Handel, Abwicklung und Informationsdienstleistungen. Lichtblick im zweiten Quartal war einmal mehr die Abwicklungs- und Verwahrtochter Clearstream. Auch der Handel mit Zinsprodukten an der Terminbörse Eurex zog merklich an.

Insgesamt stiegen die Nettoerlöse im zweiten Quartal im Vergleich zum Vorjahreszeitraum um 4 Prozent auf 623,6 Millionen Euro. Der Gewinn vor Sondereffekten legte um 7 Prozent zu. Unter dem Strich indes musste die Deutsche Börse unter anderem wegen einer Steuerrückstellung einen Gewinnrückgang um 4 Prozent auf 176,3 Millionen Euro hinnehmen. Auch die Rückstellungen für die möglichen Geldbußen im Zusammenhang mit den laufenden Ermittlungen schlugen hier durch.

CHEF WEGEN AKTIENGESCHÄFT IM FOKUS DER ERMITTLER

Die Staatsanwaltschaft ermittelt gegen Börsenchef Kengeter wegen eines Aktiengeschäfts aus dem Dezember 2015 - wenige Monate vor der Verkündung der letztlich gescheiterten Fusion mit der Londoner Börse LSE. Der Vorwurf ist, dass der Manager bereits im Sommer 2015 erste Gespräche mit der LSE über einen Zusammenschluss geführt hatte und in diesem Wissen in großem Stil Deutsche-Börse-Aktien kaufte. Der Aufsichtsrat der Börse hatte die Vorwürfe als haltlos bezeichnet und sich hinter Kengeter gestellt.

Nicht nur die Staatsanwaltschaft kümmert sich um den Fall. Das hessische Wirtschaftsministerium als Aufsichtsbehörde prüft derzeit, inwieweit die Führungskräfte der Börse wegen der vorgeworfenen Rechtsverstöße noch als zuverlässig eingeschätzt werden können. Zuletzt hatte die Deutsche Börse mit einer missverständlichen Pflichtmitteilung, in der die möglichen Geldbußen aufgeführt wurden, auch noch die Finanzaufsicht Bafin auf den Plan gerufen.