ROUNDUP: Credit-Suisse-Chef Thiam verspricht Ende der Krise - Aktie gefragt

dpa-AFX

ZÜRICH (dpa-AFX) - Der seit fast zweieinhalb Jahren amtierende und lange glücklose Credit-Suisse-Chef Tidjane Thiam hat den Investoren ein Ende der Krise versprochen. Er vertröstete sie aber noch bis 2019. Dann sollen der für Belegschaft und Aktionäre schmerzhafte Umbau beendet und die Bank endgültig wieder richtig aufgestellt sein, um hohe Renditen zu erwirtschaften und über genügend Kapital zu verfügen. Den Aktionären stellte Thiam eine hohe Beteiligung an den erhofften Gewinnen in Aussicht.

"2018 soll das letzte Jahr der Restrukturierung sein", sagte der im Sommer 2015 als Hoffnungsträger angetretene Thiam bei einer Investorentagung am Donnerstag. In den Jahren danach will die Bank die Hälfte der Gewinne über Aktienrückkäufe oder Dividenden an die Anteilseigner ausschütten. An der Börse kam das gut an, genauso wie die von ihm genannten Renditeziele. Die Aktie legte gegen Mittag deutlich zu.

Das Kursplus von rund 3 Prozent ist aber auch nur ein Tropfen auf den heißen Stein: Die Aktie befindet sich seit Jahren auf Talfahrt. Seit Ende 2007 - also vor dem Ausbruch der weltweiten Finanzkrise - verlor das Papier fast drei Viertel seines Werts. Auch Thiam, der aus der Versicherungsbranche kommt und vor seiner Zeit den britischen Konzern Prudential durch die Krise geführt hatte, konnte diesen Trend nicht aufhalten.

Im Gegenteil: Unter seiner Ägide verlor die Aktie inklusive des Anstiegs am Donnerstag rund 30 Prozent an Wert. Da tröstet es auch wenig, dass es seinem Kollegen John Cryan von der Deutschen Bank, der seinen Job am gleichen Tag angetreten hatte, noch etwas schlechter ging in Sachen Kursentwicklung. Etwas mehr Hoffnung stiftet da schon der Kursverlauf seit Mitte 2016. Seitdem geht es zumindest etwas bergauf und Thiam konnte das Vertrauen der Anleger ein wenig zurückgewinnen.

Inzwischen sitzt Thiam, der Anfang des Jahres auch wegen seines zweistelligen Millionengehalts in der Kritik gestanden hatte, wieder fest im Sattel. Doch jetzt muss seine Strategie aufgehen, nachdem er diese in den ersten Jahren mehrmals nachgebessert hatte. Letzte Kehrtwende war die Absage des Börsengangs des lukrativen Schweizer Geschäfts, mit dem er die Kapitallöcher stopfen wollte. Stattdessen holte er sich wie schon Ende 2015 weiteres Geld am Kapitalmarkt - zusammengenommen waren es 10 Milliarden Franken.

Thiam setzt vor allem auf das Geschäft mit der Verwaltung von großen Vermögen sowie ein starkes Wachstum in Asien. Damit will er die starken Schwankungen im Investmentbanking ausgleichen, das weiter im Konzern bleibt, aber nicht mehr so eine hohe Bedeutung haben soll. Die Strategie ähnelt der des Schweizer Rivalen UBS , der aber früher und konsequenter umsteuerte und deshalb inzwischen besser dasteht als die Credit Suisse.

Um sein Ziel einer Rendite von 11 bis 12 Prozent im Jahr 2020 zu erreichen, braucht Thiam zum einem Wachstum und muss dabei zum anderen strikt auf Kosten achten. So sollen die jährlichen Kosten ab 2019 in der Spanne zwischen 16,5 und 17 Milliarden Franken liegen. Bei diesem Ziel kommt die Bank bislang etwas schneller voran als gedacht, so werden die um Sondereffekte bereinigten Kosten in diesem Jahr wahrscheinlich unter den bislang angepeilten 18,5 Milliarden Franken liegen. Für 2018 wird ein Wert unter 17 Milliarden Franken angepeilt.