ROUNDUP: Comdirect profitiert von Wertpapier-Geschäft

dpa-AFX

QUICKBORN/FRANKFURT (dpa-AFX) - Ein reger Handel mit Wertpapieren hat die Onlinebank Comdirect im vergangenen Jahr angetrieben. Die Privatkunden hätten ein Fünftel mehr Transaktionen abgewickelt als im Vorjahr, schlüsselte die Commerzbank-Tochter am Dienstag in Frankfurt auf. Zu der deutlichen Steigerung trug auch die Übernahme des Onlinebrokers Onvista bei.

Bankchef Arno Walter will das Geschäft nun weiter ausbauen - und setzt dabei große Hoffnungen auf die digitale Vermögensverwaltung namens Cominvest, die seit einem knappen Jahr am Start ist und über die Kunden bislang mehr als 200 Millionen Euro investiert haben. "Wir wollen die erste Adresse für das Sparen, Anlegen und Handeln mit Wertpapieren in Deutschland sein", so Walters Credo.

Comdirect verdient am Wertpapier-Handel über Gebühren. Dadurch konnte die Onlinebank ihren Provisionsüberschuss auf einen Rekordwert steigern. Dagegen schrumpfte der sogenannte Zinsüberschuss weiter - also das, was die Bank aus dem Spar- und Kreditgeschäft herausholt. Hintergrund ist die Niedrigzins-Politik der Europäischen Zentralbank, die auch die meisten anderen Banken belastet.

Bankchef Walter sieht jedoch das Schlimmste überstanden: "Wir gehen davon aus, dass wir die Bodenbildung im Zinsüberschuss erreicht haben." Einen genaueren Ausblick aufs laufende Jahr will er im Sommer geben.

Im vergangenen Jahr hatte Comdirect das eigene Gewinnziel übertroffen: Vor Steuern kamen 94,9 Millionen Euro heraus, wie die Commerzbank-Tochter am Dienstag mitteilte. Angepeilt waren rund 85 Millionen Euro. Zu dem Ergebnis trug auch bei, dass Comdirect angesichts der Rekordstände an den Börsen eigene Wertpapiere versilberte: Das Ergebnis aus Finanzanlagen lag bei 21,9 Millionen Euro.

Dennoch schrumpfte der Vorsteuergewinn gegenüber dem Vorjahr um etwa ein Fünftel. Hintergrund ist, dass der Verkauf der Beteiligung am europäischen Zweig des Kreditkartenanbieters Visa das damalige Ergebnis um 41 Millionen Euro nach oben getrieben hatte. Ohne diesen Effekt, so rechnete Comdirect vor, sei das Vorsteuerergebnis wiederum um ein Fünftel gestiegen.

Nach Steuern fiel der Gewinn von 92,5 Millionen auf 71,5 Millionen Euro. Die Dividende soll stabil bei 25 Eurocent liegen. Damit würde Comdirect knapp die Hälfte des Nettoergebnisses ausschütten - der Rest soll in die Rücklagen fließen zur Absicherung des weiteren Wachstums. "Aktuell sind keine Akquisitionen geplant, aber würde etwas auf den Markt kommen, würden wir uns das anschauen", sagte Walter.

Der letzte große Zukauf war Onvista, zu dem neben dem Onlinebroker auch das gleichnamige Finanzportal gehört. Beides soll ausgebaut werden. Parallel dazu setzt Comdirect zur Gewinnung insbesondere junger Kunden auf Smartphone-Apps, sprachgesteuerte Dienste wie Amazons Alexa und Online-Tools wie eben die digitale Vermögensverwaltung Cominvest. "Ich sehe keine Grenzen für die Digitalisierung", sagte Walter. Das Tempo nehme eher noch zu.

Zuletzt hatte Comdirect 3,34 Millionen Privat- und Geschäftskunden, ein Plus von 221 000 binnen eines Jahres. Etwa die Hälfte davon kamen über Onvista zu Comdirect. Das betreute Kundenvermögen stieg um 15,6 Milliarden Euro auf den Rekordwert von 91,4 Milliarden Euro.

Comdirect ist börsennotiert und gehört zu 82 Prozent der Commerzbank , die am Donnerstag nächster Woche (8. Februar) ihre Geschäftszahlen vorlegt. Im Spätsommer war die Investmentgesellschaft Petrus Advisers bei der Onlinebank eingestiegen und hatte für Unruhe gesorgt, indem sie unter anderem die Kosten monierte. "Wir sind im Gespräch mit all unseren Investoren", sagte Finanzchef Dietmar von Blücher.

Nach der Bekanntgabe der Geschäftszahlen rutschte die Comdirect-Aktie um mehr als 2 Prozent ab - und damit noch etwas stärker als die gesamte europäische Bankenbranche. Seit Jahresbeginn summiert sich das Minus auf ein halbes Prozent, während der Branchenindex Stoxx Europe 600 Banks annähernd 6 Prozent gewonnen hat.