ROUNDUP: Cevian trennt sich von fast der Hälfte seines Thyssenkrupp-Anteils

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ESSEN/STOCKHOLM (dpa-AFX) - Der Finanzinvestor Cevian hat sich von fast der Hälfte seiner Beteiligung an dem Industrie- und Stahlunternehmen Thyssenkrupp <DE0007500001> getrennt. Der Anteil sei von zirka 15 Prozent auf 7,9 Prozent gesenkt worden, erklärte der schwedische Investor am Dienstag auf Anfrage der Finanznachrichtenagentur dpa-AFX. Finanzielle Details zur Transaktion nannte Cevian nicht. Der Aktienkurs fiel am Vormittag um rund 6,5 Prozent auf gut 10,56 Euro im Vergleich zum Xetra-Schlusskurs von 11,29 Euro.

Cevian will einer von Thyssenkrupps größten Investoren bleiben und das Management in seinem Kurs weiter unterstützen. "Die jetzt von Thyssenkrupp vorgelegten neuesten Zahlen und die Steigerung des Aktienkurses spiegeln wieder, dass der Turnaround Erfolge zeigt", hieß es von den Schweden. Thyssenkrupp hatte im vergangenen Geschäftsjahr 2020/21 (per Ende September) sein Ergebnis deutliche verbessert und bei der Vorlage der Zahlen vergangene Woche für das laufende Jahr einen Milliardengewinn in Aussicht gestellt. Größter Aktionär ist weiterhin die Krupp-Stiftung mit einem Anteil von rund 21 Prozent. Diese wollte sich zu dem Schritt Cevians nicht äußern. "Als Ankeraktionärin bleiben wir weiterhin in Thyssenkrupp investiert", hieß es von der Stiftung.

Die Nachrichtenagentur Bloomberg hatte am Vorabend unter Berufung auf ihr vorliegende Dokumente bereits von dem Verkauf Cevians berichtet. Demzufolge bot der Finanzinvestor mehr als 43 Millionen Anteilsscheine in einer Preisspanne von 10,20 bis 11,29 Euro an und stieß auf eine gute Nachfrage. Ausgehend vom obersten Ende der Spanne hätte das Paket einen Wert von gut 485 Millionen Euro.

Damit nutzte Cevian auch den guten Lauf der Aktie in den vergangenen Monaten. Das Papier hat im Laufe des Jahres nach Fortschritten bei der Sanierung sowie den deutlich besseren Geschäftszahlen um knapp 30 Prozent zugelegt. Allerdings hatte der Kurs in den vergangenen Jahren massiv an Wert eingebüßt und war im Zuge der Corona-Krise im Frühjahr 2020 auf unter vier Euro gerutscht.

Zuletzt war es jedoch wieder aufwärts gegangen. Die seit Oktober 2019 amtierende Konzernchefin Martina Merz dreht derzeit jeden Stein im Unternehmen um. So spülte der Verkauf des gewinnträchtigen Aufzugsgeschäfts im vergangenen Jahr mehr als 17 Milliarden Euro in die klammen Kassen. Verlustträchtige Geschäfte wurden verkauft oder geschlossen, für weitere Bereiche sucht das Management Käufer oder auch einstiegswillige Partner. Flankiert wird das Ganze von einem umfassenden Sparprogramm, das auch den Wegfall tausender Stellen vorsieht.

Für das zukunftsträchtige Wasserstoffgeschäft strebt Thyssenkrupp zurzeit einen Börsengang an. Mit einer zuletzt kolportierten möglichen Bewertung von bis zu fünf Milliarden Euro wäre Uhde Chlorine Engineers nicht viel weniger wert als Thyssenkrupp selbst. Die Essener kommen derzeit auf eine Marktkapitalisierung von mehr als sechs Milliarden Euro, davon etwas mehr als vier Milliarden Euro im Streubesitz.

Cevian war 2013 bei Thyssenkrupp eingestiegen, zunächst mit etwas mehr als fünf Prozent. Als das Engagement bekannt geworden war, hatten die Papiere an der Börse um die 16 bis 18 Euro gekostet. Thyssenkrupp steckte damals in einer tiefen Krise, hatte sich zuvor mit dem Bau zweier Stahlwerke in Amerika übernommen und war dadurch in finanzielle Schwierigkeiten geraten. Cevian hatte sich von dem begonnenen Konzernumbau eine deutliche Wertsteigerung versprochen und stockte die Anteile später bei Kapitalerhöhungen auf.

Zunächst schien die Rechnung auch aufzugehen: Nach Fortschritten bei der Sanierung des Konzerns und dem Verkauf der verlustreichen Geschäfte in Amerika zog die Aktie deutlich an und erreichte in den darauf folgenden Jahren zwischenzeitlich Kurse von fast 27 Euro. Doch Cevian gingen die weiteren Fortschritte nicht schnell genug und kritisierte dies auch öffentlich. Im Sommer 2018 kam es dann zum großen Knall, Konzernchef Heinrich Hiesinger, der Cevian 2013 mit an Bord gelotst hatte, warf das Handtuch.

Danach kam Thyssenkrupp nicht mehr zur Ruhe - mehrere Strategiewechsel innerhalb des Konzerns ließen das Vertrauen der Aktionäre in die Essener sinken. Mit im Zentrum stand dabei das kapitalfressende traditionelle Stahlgeschäft. Eine Zusammenlegung mit dem europäischen Teil von Tata Steel, über Jahre vorbereitet, scheiterte 2019 an den Wettbewerbsbehörden, eine geplante Aufspaltung des Konzerns war damit zunächst vom Tisch. Kurze Zeit später trennte sich Thyssenkrupp von Hiesinger-Nachfolger Guido Kerkhoff.

Die Zukunft der Stahlsparte ist derzeit weiter offen. Das Management um Merz will das Geschäft nun auf eigene Füße stellen. Ein möglicher Verkauf an das Unternehmen Liberty Steel war zuvor aufgrund unterschiedlicher Vorstellungen der beiden Unternehmen geplatzt. Merz will die Stahlsparte nun aus eigener Kraft wieder wettbewerbsfähig machen. Am Ende könne eine Abspaltung stehen oder eine selbstständige Tochter mit eigener Finanzierung, hatte sie zuletzt gesagt.

Eine endgültige Entscheidung hängt jedoch von einer Vielzahl von Faktoren ab. Unter anderem braucht es Merz zufolge Planungssicherheit bei den regulatorischen Rahmenbedingungen, gerade hinsichtlich der Transformation zu "grünem Stahl", welche hohe Investitionen verlangt und bei der Thyssenkrupp auf politische Unterstützung setzt.

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