ROUNDUP: Bundesregierung will Frachtflüge auch weiterhin ermöglichen

BERLIN (dpa-AFX) - Die Bundesregierung hat sich dafür ausgesprochen, den Frachtflugverkehr während der aktuellen Coronavirus-Krise aufrecht zu erhalten. Frachtflüge seien für Lieferketten relevant und hätten eine große Bedeutung dafür, dass andere Industrien nicht zum Erliegen kommen, sagte der Koordinator für Luft- und Raumfahrt der Bundesregierung, Thomas Jarzombek (CDU), nach einem Krisentreffen der Luftverkehrswirtschaft im Bundeswirtschaftsministerium am Montag. Bei dem Treffen ging es um die wirtschaftlichen Auswirkungen des Coronavirus auf den Luftfahrtsektor.

Infolge der Ausbreitung des Coronavirus hat es bei Fluggesellschaften einen Einbruch bei der Ticketnachfrage sowie drastische internationale Reisebeschränkungen gegeben.

Jarzombek betonte die "Systemrelevanz" des Luftverkehrs, der nicht vollkommenen zum Erliegen kommen dürfe. Die Luftfahrt-Industrie sei eine wichtige Arbeitgeberin, "mit fast einer Million direkt und indirekt Beschäftigten".

Bei dem Branchentreffen am Montag sei auch über Stundungen und Moratorien für bestimmte Steuern und Abgaben gesprochen worden, sagte Jarzombek. Genaue Angaben über das finanzielle Volumen möglicher Maßnahmen machte er jedoch nicht. Auf die Frage, ob die Bundesregierung plane, krisengeschüttelte Airlines zu verstaatlichen, sagte Jarzombek: "Die Verstaatlichung von Unternehmen ist definitiv nicht das Ziel unseres Hauses oder auch der Bundesregierung."

Laut Daniel Flohr, Chef der Kabinengewerkschaft Ufo, benötigt die Branche nicht nur Kurzarbeitergeld und Kredite: "Es geht darum, bereits jetzt über Entlastungen zu verhandeln, damit alle Mitarbeiter an Bord gehalten werden können und diese aber auch wirtschaftlich überleben." Die schnellen Maßnahmen der Bundesregierung seien begrüßenswert, "aber bei weitem nicht ausreichend" sagte Flohr.

Ralph Beisel, Hauptgeschäftsführer des Flughafenverbandes ADV, sagte: "Die Mobilität der Menschen wird für den Gesundheitsschutz immer mehr begrenzt. Was richtig und nachvollziehbar ist, hat gleichwohl verheerende wirtschaftliche Auswirkungen für Airlines und Flughäfen." Die Terminale an den Flughäfen seien "so leer wie im Supermarkt die Regale", ergänzte Beisel.

Am Frankfurter Flughafen etwa läuft der Betrieb wegen immer neuer Einreisebeschränkungen in verschiedenen Ländern sowie Flugabsagen der Gesellschaften deutlich eingeschränkt. In Baden-Württemberg will die Landesregierung den Betrieb an allen Flughäfen des Bundeslandes wegen des Coronavirus einstellen, wie die Deutsche Presse-Agentur am Montag aus Regierungskreisen in Stuttgart erfuhr.