ROUNDUP: Berlin will 9-Euro-Folgeticket möglichst gemeinsam mit Brandenburg

BERLIN (dpa-AFX) - Der Berliner Senat will zügig eine regionale Nachfolgelösung für das 9-Euro-Ticket vorbereiten und auch das Nachbarland Brandenburg noch von der Idee überzeugen. Das kündigten die Regierende Bürgermeisterin Franziska Giffey (SPD) und Mobilitätssenatorin Bettina Jarasch (Grüne) am Dienstag nach einer Senatssitzung an.

Gleichzeitig machten sie deutlich, dass Berlin das neue Ticket für Oktober, November und Dezember notfalls im Alleingang einführen will. Es würde dann für den Öffentlichen Personennahverkehr (ÖPNV) in den Tarifzonen AB im Stadtgebiet gelten, nicht jedoch in Zone C, also im Umland in Brandenburg.

"Für uns ist es jetzt wichtig, alle an einen Tisch zu holen und über die konkreten Schritte zu beraten", sagte Giffey. "Klar ist, dass, wenn wir es schaffen wollen, ein Anschlussticket ab dem 1. Oktober bis zum Dezember in Berlin zu gestalten, wir sehr zügig agieren müssen."

Daher sei bereits an diesem Donnerstag eine Videoschaltkonferenz mit allen Beteiligten geplant, darunter mit Vertretern Brandenburgs, der BVG, der S-Bahn und des Verkehrsverbundes Berlin-Brandenburg (VBB). Dort solle es um den "Wirkungskreis" des aus Landesmitteln finanzierten temporären Tickets gehen, aber auch um den Preis.

Sie habe über das Thema am Montag auch mit Brandenburgs Regierungschef Dietmar Woidke (SPD) telefoniert, so Giffey. Ja, es gebe bei dem Thema noch Gesprächsbedarf mit dem Nachbarland. Sie sehe dort aber "keine völlige kategorische Ablehnung".

Beide Länder legen ihren Nahverkehrstarif im VBB fest. "Wir werden ganz sicher nicht riskieren, den VBB dabei aufzusprengen", sagte Jarasch mit Blick auf die Berliner Ticketpläne. Sie glaube vielmehr an eine Verständigung mit dem VBB.

"Und es gibt Möglichkeiten, die Berlin notfalls auch alleine machen kann", fügte Jarasch hinzu. "Allerdings ist das nicht unser Wunsch. Unser Wunsch ist tatsächlich, etwas gemeinsam mit Brandenburg hinzubekommen." Sie habe dazu verschiedene Modelle durchgerechnet.

Auch Giffey bezeichnete eine gemeinsame Lösung mit dem Nachbarland als wünschenswert, vor allem in Hinblick auf Pendlerströme. "Wir werden mit den Brandenburgern darüber sprechen, was geht", sagte sie. Berlin selbst könne aber nur den Tarifbereich AB in den Blick nehmen - ähnlich dem kostenlosen Schülerticket, das auch nicht in der Tarifzone C gelte.

Nach Einschätzung Giffeys hat eine preiswerte Anschlusslösung ebenso wie das seit drei Monaten geltende 9-Euro-Ticket eine breite Akzeptanz in der Bevölkerung. Die Menschen sähen darin nicht nur einen Beitrag für Klimaschutz und Mobilitätswende, sondern auch eine sozialpolitische Maßnahme mit konkreten Entlastungen in Zeiten hoher Preise etwa für Energie und Lebensmittel.

Die Spitzen der rot-grün-roten Koalition in Berlin hatten sich am vergangenen Freitag darauf verständigt, nach Auslaufen des vom Bund finanzierten 9-Euro-Tickets am Mittwoch (31. August) übergangsweise eine vom Land finanzierte, preiswerte Nachfolgelösung anzubieten. Die Hoffnung ist, dass ab Januar dann wieder ein bundesweit einheitliches Ticket gilt, an dessen Finanzierung sich der Bund wie auch die Länder beteiligen.

Brandenburgs Landesregierung hatte sich am Wochenende irritiert über den Vorstoß aus Berlin gezeigt, der nicht abgesprochen gewesen sei. Am Dienstag kam Ablehnung von der SPD-Fraktion im Brandenburger Landtag. Man wolle zunächst eine Nachfolgevereinbarung im Bund abwarten, sagte SPD-Fraktionschef Daniel Keller. "Wir brauchen eine bundeseinheitliche Lösung, keine Sonderwege einzelner Länder." Grüne und Linke im Landtag zeigten sich hingegen offen für regionale Übergangslösungen gemeinsam mit Berlin - möglichst im ganzen VBB-Netz, also nicht nur in den Tarifzonen ABC.

In Berlin warf die AfD-Fraktionsvorsitzende Kristin Brinker dem Senat "billige Schaufensterpolitik" in der Energiekrise vor. Nötig seien mehr Investitionen in den öffentlichen Nahverkehr. Der FDP-Politiker Felix Reifschneider erklärte: "Die Idee einer Verlängerung des 9-Euro-Tickets in Berlin ist teurer Populismus."

Vertreter mehrerer Initiativen übergaben mehr als 10 000 Unterschriften für ein preiswertes ÖPNV-Ticket an Senatorin Jarasch. Die Unterzeichner fordern den Senat auf, eine langfristige Lösung für ein 9-Euro-Ticket zu finden.