ROUNDUP: Bayer trotzt Corona-Krise - betont auf Hauptversammlung auch Risiken

LEVERKUSEN (dpa-AFX) - Die Corona-Pandemie hat dem Pharma- und Agrarchemiekonzern Bayer <DE000BAY0017> bisher wenig anhaben können, dennoch sieht Konzernchef Werner Baumann Risiken. "Wir stecken mitten in einer Krise, deren weiterer Verlauf derzeit nicht abgeschätzt werden kann", sagte der Manager auf der Hauptversammlung des Konzerns am Dienstag. Wegen der Pandemie wird das Aktionärstreffen erstmals komplett online durchgeführt.

Baumann betonte nach einem vorab verteilten Manuskript, für den Konzern komme es in den nächsten Monaten entscheidend darauf an, die "Lieferketten so widerstandsfähig wie möglich zu halten" und damit den Geschäftsbetrieb zu sichern.

Zu den Unsicherheiten, mit denen sich Bayer in den nächsten Monaten konfrontiert sehe, gehörten nicht zuletzt die Fragen, wie sich der weitere Verlauf der Krise auf die Finanzmärkte oder auf die Zahlungsfähigkeit der Bayer-Kunden auswirke.

Auch die Folgen der Krise für die Nachfrage nach Bayer-Produkten ließen sich nur schwer prognostizieren. "Es kann sein, dass sich die Nachfrage nach einigen unserer Pharmaprodukte verringert, wenn Patienten nicht zum Arzt können und geplante Behandlungen verschoben werden", sagte Baumann. Bei den verschreibungsfreien Produkten sei noch ungewiss, ob es sich bei der derzeit hohen Nachfrage vor allem um Vorratshaltung handele oder tatsächlich um einen erhöhten Verbrauch.

In der Landwirtschaft sei ebenfalls offen, wie sich die Nachfrage entwickele. Dies gelte etwa bei Nutzpflanzen, die auch für Biotreibstoff eingesetzt würden. Eine realistische Bewertung der positiven und negativen Effekte der Pandemie werde "erst im weiteren Jahresverlauf möglich sein", sagte Baumann.

Mit Blick auf die massiven Rechtsrisiken in den USA durch viele tausende Klagen wegen angeblicher Krebsrisiken glyphosathaltiger Unkrautvernichter des 2018 übernommenen Saatgutherstellers Monsanto bekräftigte Baumann seine Aussage, die er am Vortag im Rahmen der Vorlage der Zahlen für das erste Quartal gemacht hatte.

Bayer beteilige sich weiterhin konstruktiv an den Mediationsgesprächen, hieß es. "Wir haben dabei einige Fortschritte erzielt, bevor der Ausbruch von Covid-19 auch dieses Thema üerlagert und den Verhandlungsfortschritt damit erheblich verlangsamt hat", sagte Baumann. Zahlreiche Termine hätten abgesagt werden müssen.

Und: "Unsere grundsätzliche Haltung hat sich nicht verändert: Unabhängig von der Dauer der Verhandlungen werden wir weiterhin eine Lösung nur dann in Betracht ziehen, wenn sie wirtschaftlich sinnvoll und so strukturiert ist, dass zukünftige Fälle effizient zu einem Abschluss gebracht werden. Vor dem Hintergrund der sich abzeichnenden Rezession und teils erheblichen Liquiditätsherausforderungen gilt das mehr denn je."

Anteilseigner hielten sich schon vor der Hauptversammlung mit Kritik nicht zurück. "Bisher ist bei der Lösung der Rechtsfragen zu wenig geschehen", sagte Ingo Speich, Experte für Nachhaltigkeit und Corporate Governance bei der Fondsgesellschaft Deka Investment. "Solange sich Bayer nicht von den Klagen befreien kann, werden wir wahrscheinlich keine Erholung des Aktienkurses sehen."

Dass ein Vergleich nicht vor der Hauptversammlung gefunden wurde sieht Marc Tüngler von der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) allerdings nicht als Makel. "Entscheidend ist, dass ein nicht zu schmerzhafter Vergleich kommt, nicht wann er kommt."

Vorstand und Aufsichtsrat wurde dennoch deutlich entlastet. Bei den entsprechenden Abstimmungen gab es jeweils (ohne Berücksichtigung von Enthaltungen) über 90 Prozent Ja-Stimmen bei einer Teilnahmequote von etwa 60 Prozent.