ROUNDUP: Bauernsorgen und Rekordzahlen - Grüne Woche beginnt

dpa-AFX

BERLIN (dpa-AFX) - Lebensmittel in Deutschland sollen in diesem Jahr nur leicht teurer werden. Der Deutsche Bauerverband rechne in seiner aktuellen Prognose mit einem Anstieg der Nahrungsmittelpreise um 1,5 Prozent, sagte der Präsident Joachim Rukwied am Mittwoch vor Beginn der Agrarmesse Grüne Woche (19. bis 28. Januar) in Berlin. Das wäre die Hälfte des Vorjahreswertes.

Nach einem Rekordjahr für die Lebensmittelhersteller gehen Industrie und Landwirte etwas pessimistischer ins Jahr 2018. Die Bio-Branche forderte angesichts des Streits um das Unkrautgift Glyphosat deutlich mehr Forschung für Pflanzenschutz ohne Chemie.

Der Hauptgeschäftsführer der Bundesvereinigung der Deutschen Ernährungsindustrie (BVE), Christoph Minhoff, sagte, den Unternehmen machten zunehmend Fachkräftemangel, höhere Personalkosten und Handelsbarrieren zu schaffen. Im vergangenen Jahr erreichte die Branche mit ihren 599 000 Beschäftigten einen Rekordumsatz von 181 Milliarden Euro, was zum Vorjahr einen Zuwachs von 5,7 Prozent bedeutete. Der Inlandskonsum zog kräftig an (plus 5,1 Prozent), noch stärker legte der Export zu (plus 6,9 Prozent).

Die deutschen Landwirte machten sich nach einem positiven Jahr 2017 wieder mehr Sorgen, sagte Bauernpräsident Rukwied. Denn die Erzeugerpreise für Schweinefleisch, Milch und Getreide seien derzeit wieder unter Druck. Das bedeute geringere Einnahmen für die Bauern.

Dennoch wollten sie nach einer aktuellen Erhebung in den kommenden sechs Monaten vier Milliarden Euro in Maschinen und Ställe investieren. Das sind rund 400 Millionen Euro mehr als vor einem Jahr

- aber das ist noch weit entfernt von den sechs Milliarden der guten

Jahre 2013 und 2014.

Die Grüne Woche wird am Donnerstag mit einem Empfang des Partnerlandes Bulgarien feierlich eröffnet. Von Freitag an sind Fach- und Privatbesucher in den Messehallen willkommen, rund 400 000 werden an den zehn Tagen zu der Leistungsschau aus Landwirtschaft, Ernährung und Gartenbau erwartet.

Angemeldet haben sich 1660 Aussteller aus 66 Ländern. Zudem werden zu einem Forum 70 Landwirtschaftsminister aus aller Welt erwartet. Die Messe sei so international wie nie zuvor, sagte Messechef Christian Göke. Zugleich benannte er "Regionalität" als "dominanten Trend". Laut Minhoff spielt nachhaltige Produktion eine immer größere Rolle.

Nach zweijähriger Abwesenheit als Folge des Ukraine-Konflikts werde Russland wieder auf die Grüne Woche zurückkehren, berichtetet Göke. Ebenso erfreulich es, dass Japan, Schweden und die Slowakei wieder dabei seien. Erstmals beteiligt sich das Emirat Katar an der Messe.

In der Diskussion um den Pflanzenschutz argumentierte der Bund Ökologische Lebensmittelwirtschaft, wenn die Bundesregierung eine Bio-Produktion auf 20 Prozent der Agrarfläche anstrebe, müssten schon jetzt 20 Prozent des Geldes in die Öko-Forschung gehen. Bisher seien es nur 1,5 Prozent. Der Öko-Flächenanteil liegt bei 7,5 Prozent.

Union und SPD wollen nach dem Streit über das deutsche Ja zur weiteren EU-Zulassung von Glyphosat den Einsatz national beschränken, wie sie in Sondierungen für eine gemeinsame Regierung vereinbarten. Ziel ist, die Anwendung schnellstmöglich grundsätzlich zu beenden.