ROUNDUP: Batteriekonzern Varta erhält kräftigen Dämpfer - Aktie unter Druck

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ELLWANGEN (dpa-AFX) - Der Batteriekonzern Varta <DE000A0TGJ55> hat im dritten Quartal einen satten Dämpfer zu spüren bekommen. Insbesondere das in den vergangenen Jahren so stark wachsende Geschäft mit wiederaufladbaren Lithium-Ionen-Knopfzellen enttäuschte wiederum. Bereits im ersten Halbjahr hatte es da gehapert, nun beschleunigte sich der schwächere Trend. Neue Kundenprojekte mit den Zellen seien verzögert angelaufen, hieß es von Varta am Donnerstag in Ellwangen. Bereits in der vergangenen Woche hatte der Konzern die Umsatzprognose wegen der Schwäche in der Sparte empfindlich gesenkt.

Dennoch missfielen nun auch die Details des Zwischenberichts zu den ersten neun Monaten den Anlegern, wie ein Händler sagte. Die Aktie verlor nach dem Handelsstart 2,4 Prozent auf 113,45 Euro. Das Hoch aus dem August bei fast 166 Euro bleibt damit in weiter Ferne - ganz zu schweigen vom Jahreshoch bei über 181 Euro Ende Januar, als Börsenspekulationen den Kurs kurzfristig auf Rekordhöhen trieben. Die Prognosesenkung in der vergangenen Woche hatte die Aktie gar unter 100 Euro fallen lassen. Mit dem deutlichen Zuwachs des Kurses ist es bereits seit längerem vorbei: Aktuell liegt das Papier unter dem Niveau von Ende 2019. In dem Jahr war Varta an der Börse der Shooting-Star und der stärkste MDax<DE0008467416>-Wert gewesen.

Sorgen macht den Anlegern schon seit längerem, dass Varta gerade in dem Bereich mit den Knopfzellen größere Probleme mit Billig-Konkurrenz bekommen könnte. Vergangenes Jahr schloss Varta unter anderem eine neue Liefervereinbarung mit dem koreanischen Elektronikriesen Samsung <KR7005930003> ab, nachdem man zuvor über Patente gestritten hatte. Das beruhigte die Investoren zunächst. Auch Apple <US0378331005> gilt als Großkunde von Varta. Die Knopfzellen kommen unter anderem in teuren kabellosen Kopfhörern zum Einsatz, die seit geraumer Zeit boomen, aber auch in Hörgeräten.

In den ersten neun Monaten bot sich nun ein ungewohntes Bild für Varta - der Gesamtumsatz ging zurück. Wegen der Schwäche bei Lithium-Ionen-Zellen und Mikrobatterien fiel der Erlös insgesamt um 1,3 Prozent auf 622,3 Millionen Euro. In der Sparte mit Knopfzellen beschleunigte sich der Rückgang - war es nach sechs Monaten noch ein Minus von 2,7 Prozent, lag dieses nun nach neun Monaten schon bei 5,9 Prozent. Rechnerisch bedeutet das im dritten Quartal allein einen Umsatzschwund von gut 11 Prozent. Neue Projekte mit

Kunden für kleinformatige Lithium-Ionen-Zellen seien in Planung, hieß es vom Unternehmen. Das Segment mit Haushaltsbatterien entwickle sich sehr positiv.

Vorstandschef Herbert Schein hatte die Konzern-Umsatzprognose für 2021 Anfang November von 940 Millionen Euro auf 900 Millionen gesenkt. Auch in den kommenden beiden Jahren wird in Ellwangen nur mit einem Umsatzwachstum um jeweils rund 100 Millionen Euro kalkuliert. Die Profitabilität stimmt dem Management zufolge aber weiter. So sollen es Ende dieses Jahres rund 30 Prozent Marge beim bereinigten Ergebnis vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen sein, nach Konzernrechnung absolut rund 275 Millionen Euro.

In den ersten neun Monaten wuchs das bereinigte operative Ergebnis dank einer guten Margenentwicklung in den beiden Sparten konzernweit um 3,2 Prozent auf 182,5 Millionen Euro. Beim auf die Aktionäre entfallenden Nettogewinn sorgten höhere Abschreibungen und Zinsbelastungen für einen Rückgang von 3 Prozent auf 75,8 Millionen Euro.

Varta investiert in den kommenden Jahren stark in den Aufbau einer Batteriezellen-Fertigung für Elektroautos. Mit der eigens entwickelten Zelle sollen die Akkus von leistungsfähigen Premiumautos bestückt werden, einen ersten Kunden hat Varta nach eigenen Angaben bereits gewonnen. Eine Pilotproduktion soll Ende dieses Jahres starten, die Massenfertigung zwei Jahre später. Erste Umsätze sind ab 2024 einkalkuliert. Geplant ist eine jährliche Produktionskapazität von mindestens 2 Gigawatt-Stunden. Details zu dem Vorhaben will Varta im kommenden Frühjahr nennen.

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