ROUNDUP: Andres Ruff übernimmt Co-Chefposten bei Tönnies

dpa-AFX

RHEDA-WIEDENBRÜCK (dpa-AFX) - Nach der Beilegung des jahrelangen Familienstreits um Deutschlands größten Fleischkonzern Tönnies ist die Geschäftsführung neu geordnet worden. Neben Clemens Tönnies arbeitet seit dem 1. November als Co-Vorsitzender gleichberechtigt Andres Ruff, wie das Unternehmen am Donnerstag mitteilte.

Ruff hat langjährige Erfahrung in der Lebensmittelbranche. Der 56-Jährige war zuletzt Vorstandsvorsitzender bei der WIV Wein International in Bingen und zuvor bei der Apetito AG in Rheine (2006 bis 2014). Von 2002 bis 2006 führte Ruff die Molkerei Alois Müller im Allgäu als Geschäftsführer.

Die Personalie ist Teil einer Einigung nach einem jahrelangen Familienstreit. Clemens Tönnies (61) und sein Neffe Robert (39) hatten sich als Gesellschafter in mehreren Gerichtsverfahren um das Sagen im Konzern mit weltweit 12 500 Mitarbeitern und einem Umsatz (2016) von 6,35 Milliarden Euro gestritten. Beide halten 50 Prozent an dem Unternehmen. Im Frühjahr hatten sich die Beiden dann geeinigt und alle Streitereien vor Gericht beendet. Andres Ruff vertritt nun die Seite von Robert Tönnies an der Spitze der Geschäftsleitung.

Zur Einigung zählen weitere Personalien. Bereits im April 2017 hatten die Streitparteien verkündet, dass der Sohn von Clemens Tönnies, Maximilian (27), als Mitgesellschafter einsteigt. Dieser Schritt zum Generationswechsel wird zum Jahresanfang 2018 vollzogen. Zur Höhe seines Gesellschafter-Anteils wollte die Familie am Donnerstag keine Angaben machen. Anfang 2018 wird auch die "Zur Mühlen"-Gruppe ("Böklunder") in die Tönnies-Gruppe eingebracht. Auch um diesen Teil, den Clemens Tönnies auf eigene Rechnung gekauft hatte, gab es vor Gericht Streit.

Neben Clemens Tönnies und Andres Ruff bilden der 54-jährige Reinhard Quante, bislang bei Unilever, Ferrero und Europcar, sowie Daniel Nottbrock (41) die Geschäftsführung. Nottbrock war bislang bereits für Finanzen und Steuern verantwortlich. Quante kümmert sich um die Bereiche Beteiligungen und Recht.

Teil der Einigung unter den Gesellschaftern war auch, einen siebenköpfigen Beirat als Kontroll- und Beratungsgremium zu schaffen. Auch bei möglichen Pattsituationen unter den Gesellschaftern soll der Beirat entscheiden. Den Vorsitz übernimmt Reinhold Festge (71). Der Unternehmer aus Oelde im Münsterland war bis 2016 Präsident des Verbandes der Deutschen Maschinen- und Anlagenbauer. Er wird unterstützt von Helmut Limberg (62, früher Vorstand der Jungheinrich AG) sowie Siegried Russwurmm (54), ehemaliges Vorstandsmitglied bei Siemens . Neben den Gesellschaftern Clemens und Robert Tönnies sitzen noch Daniel Nottbrock und der Wirtschaftsprüfer und Steuerberater Jens-Uwe Göke (41) im Beirat.