ROUNDUP/Aktien New York Schluss: Weitere Gewinne trotz offenen Wahlausgangs

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NEW YORK (dpa-AFX) - Trotz der anhaltenden Unsicherheit über den Ausgang der US-Präsidentschaftswahl haben die US-Aktienmärkte am Donnerstag ihren Erholungskurs fortgesetzt. Frische Konjunkturdaten hatten ebenso kaum Einfluss auf die Notierungen, wie die Ergebnisse der US-Notenbanksitzung. Die Fed ließ die Leitzinsen erwartungsgemäß unverändert.

Der Dow Jones Industrial <US2605661048> schloss mit einem Plus von 1,95 Prozent bei 28 390,18 Punkten. Damit summiert sich das Plus in dieser Woche nun bereits auf rund 7 Prozent, womit der Leitindex seinen 6,5-prozentigen Verlust aus der Vorwoche mehr als wettmachte. Der marktbreite S&P 500 <US78378X1072> gewann am Donnerstag 1,95 Prozent auf 3510,45 Punkte. Der Nasdaq 100 <US6311011026> rückte um 2,56 Prozent auf 12 078,07 Zähler vor.

Auch zwei Tage nach der Wahl in den USA war nicht entschieden, wer die nächsten vier Jahre im Weißen Haus regiert. Der republikanische Amtsinhaber Donald Trump meldete sich am Donnerstag mit ungeduldigen Tweets zu Wort und sprach erneut von Betrug, ohne jeden Beleg. Unterdessen hat eine Richterin im US-Bundesstaat Michigan Medienberichten zufolge eine Klage von Trumps Wahlkampfteam gegen die Stimmauszählung abgewiesen. Der demokratische Herausforderer Joe Biden mahnte zu Geduld und zeigte sich weiter optimistisch, die nötige Mehrheit von 270 Stimmen in der Wahlversammlung zu erreichen. Dazu fehlte Biden noch die Mehrheit in einem der noch nicht entschiedenen Staaten.

Analyst Jochen Stanzl von CMC Markets zeigte sich erstaunt über die anhaltende Kaufwelle an den Börsen. Statt angesichts der Unsicherheit passiv zu bleiben, "greifen Anleger rund um den Globus bei Aktien zu als stünde der nächste Wirtschaftsboom vor der Tür oder aber das Coronavirus wäre endgültig besiegt. Die Investoren hofften auf einen moderateren Kurs in der amerikanischen Politik mit positiven Effekten für die Weltwirtschaft. "Sollte Donald Trump gewinnen, könnte er nicht durchregieren, da sich die Republikaner mit einer Blockade im demokratisch geführten Repräsentantenhaus auseinandersetzen müssten. Gewinnt Biden, dürfte er mit größeren Projekten wie einer Steuerreform am noch republikanisch bestimmten Senat scheitern", so Stanzl.

Die Produktivität der US-Wirtschaft stieg im dritten Quartal geringer als prognostiziert. Das Verhältnis von Produktion und Arbeitszeit legte auf das Jahr hochgerechnet um 4,9 Prozent zu. Analysten hatten im Schnitt einen Zuwachs um 5,6 Prozent erwartet. In der vergangenen Woche betrug die Zahl der Erstanträge auf Arbeitslosenhilfe 751 000, rund 7000 weniger als in der Vorwoche. Experten hatten lediglich mit 735 000 neuen Anträgen gerechnet.

Die in New York gelisteten Titel des chinesischen Amazon-Rivalen Alibaba verloren 2,7 Prozent. Der Online-Händler konnte sich zwar im dritten Quartal deutlich von den zeitweisen Folgen der Corona-Krise erholen. Doch im Trubel um den geplatzten Börsengang des Finanzablegers Ant Group sorgte ein Bericht der "Financial Times", wonach sich der IPO um mindestens ein halbes Jahr verzögern dürfte, für Moll-Stimmung.

Derweil sprangen die Anteilscheine von Qualcomm <US7475251036> dank starker Quartalszahlen um 12,8 Prozent hoch. Der Chipkonzern profitierte im vergangenen Quartal stark vom aufkommenden Geschäft mit dem superschnellen 5G-Mobilfunk. Qualcomm ist unter anderem der wichtigste Anbieter von 5G-Funkmodems - und konnte sich einen Platz in Apples neuen iPhones sichern, obwohl die Firmen lange in einen Patentstreit verwickelt waren.

Der Autobauer General Motors <US37045V1008> (GM) erholt sich dank boomender SUV- und Pick-up-Verkäufe schneller als erwartet vom Corona-Schock: Er verdiente im dritten Quartal schon wieder glänzend. Die Aktien stiegen um 5,4 Prozent.

Merck & Co <US58933Y1055> sanken als Schlusslicht im Dow um 0,2 Prozent. Der Pharmakonzern baut sein Krebsgeschäft mit dem Kauf der nicht börsennotierten Biotech-Firma Velosbio für 2,75 Milliarden Dollar aus.

Der Euro <EU0009652759> hielt sich im US-Handel über der Marke von 1,18 US-Dollar und notierte zuletzt bei 1,1827 Dollar. Die Europäische Zentralbank (EZB) hatte den Referenzkurs auf 1,1855 (Mittwoch: 1,1721) Dollar festgesetzt. Der Dollar hatte damit 0,8435 (0,8532) Euro gekostet. Am Rentenmarkt stieg der Terminkontrakt für zehnjährige Treasuries (T-Note-Future) um 0,01 Prozent auf 138,96 Punkte. Die Rendite der zehnjährigen Anleihe lag bei 0,77 Prozent.