ROUNDUP/Aktien New York: Neue Virus-Variante wiegt stärker als Konjunkturpaket

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NEW YORK (dpa-AFX) - Corona-Nachrichten aus Großbritannien haben am Montag die US-Börsen belastet. Im Vereinigten Königreich verbreitet sich eine neue, möglicherweise weitaus ansteckendere Variante des Virus, weshalb sich immer mehr Staaten nun von dem Land abschotten. Die lange ersehnte Meldung, dass sich Demokraten und Republikaner im US-Kongress auf ein weiteres gewaltiges Corona-Konjunkturpaket verständigt haben, milderte die Verluste gleichwohl etwas ab. Risiken reduzieren laute nun die Devise, hieß es aus dem Handel. Die Gesamtlage an den Börsen bleibe sehr fragil, konstatierte Marktexperte Andreas Lipkow von Comdirect.

Nach der ersten Handelsstunde sank der Dow Jones Industrial <US2605661048> um 1,15 Prozent auf 29 832,21 Punkte. Damit fällt der Kursabschlag zunächst noch etwas geringer aus als an den gebeutelten europäischen Börsen. Der marktbreite S&P 500 <US78378X1072> verlor 1,78 Prozent auf 3643,50 Zähler, und für den technologielastigen Nasdaq 100 <US6311011026> ging es um 1,98 Prozent auf 12 486,06 Punkte bergab. Die drei großen New Yorker Indizes hatten am vergangenen Freitage im frühen Handel noch Rekorde aufgestellt.

Unternehmensnachrichten sorgten zum Wochenauftakt für reichlich Bewegung. So erklommen die Papiere von Nike <US6541061031> ein Rekordhoch nach starken Quartalszahlen, die der Sportartikelhersteller bereits am Freitagabend nach Börsenschluss vorgelegt hatte. Mehrere Analysten hoben nun ihre Kursziele an. Die Nike-Papiere gewannen zuletzt mehr als fünf Prozent und haben sich seit ihrem Corona-Tief im März um 140 Prozent verteuert.

Den Finanzsektor stützten die jüngsten Einschätzungen der Notenbank Fed, die die größten amerikanischen Geldhäuser nach einem Corona-Stresstest als krisenfest einstufte und bestimmte Auflagen zur Schonung der Kapitalausstattung lockerte. Aktienrückkäufe sind im ersten Quartal wieder erlaubt. Für die Anteilsscheine von Goldman Sachs <US38141G1040> und JPMorgan <US46625H1005> etwa ging es um teils bis zu sechs Prozent hoch.

Die Titel des Elektroautobauers Tesla <US88160R1014> fielen an ihrem ersten Handelstag im S&P-500-Index um mehr als viereinhalb Prozent. Am Freitag hatten sie mit einem weiteren Rekord die Marke von 700 Dollar dicht vor Augen. Der deutliche Anstieg der Marktkapitalisierung habe die Fantasie aus Fertigungstiefe, Innovationskraft und die derzeitige technische Marktführerschaft bei Elektroautos und Batterien bereits deutlich vorweggenommen, analysierte die DZ Bank und rät weiterhin zum Verkauf der Papiere.

Die Nachrichten aus Großbritannien setzten die Aktienkurse der Luftfahrtkonzerne unter Druck: United <US9100471096>, Delta <US2473617023>, American <US02376R1023> und Southwest <US8447411088> büßten um bis zu drei Prozent ein. Beim Flugzeugbauer Boeing <US0970231058> stand ungeachtet einer deutlichen Kurszielanhebung durch das Analysehaus RBC ein Minus von zwei Prozent zu Buche. Dagegen schossen die Aktien des Luftfahrt-Zulieferers Aerojet Rocketdyne <US0078001056> angesichts einer Übernahmeofferte von Lockheed Martin <US5398301094> um mehr als 22 Prozent hoch, während die Titel des Rüstungskonzerns um mehr als zwei Prozent nachgaben.

Moderna <US60770K1079> rückten um 3,3 Prozent vor, nachdem der Corona-Impfstoff des Unternehmens eine Notfallzulassung in den USA erhalten hatte. Zudem zog die EU die Option zum Kauf von weiteren 80 Millionen Impfdosen. Die in New York gelisteten Biontech-Aktien <US09075V1026> gewannen 3,2 Prozent, die Europäische Arzneimittel-Agentur (EMA) gab inzwischen grünes Licht für die Zulassung des Corona-Impfstoffs der Mainzer Firma und ihres US-Partners Pfizer in der EU. Pfizer <US7170811035> indes verloren 1,7 Prozent, hier scheint nach dem jüngsten Zwischenhoch vor knapp zwei Wochen die Luft erst einmal raus zu sein.